The Sexton Single Malt Irish Whiskey – Sherrymalt im Totengräber-Look
The Sexton ist ein irischer Single Malt, der fast ausschließlich in Sherryfässern gereift wird und sich bewusst an Trinker richtet, die einen weichen, süßen Einstieg in irischen Malt suchen. Abgefüllt wird er mit 40 % Vol. in einer schwarzen, sechseckigen Flasche, auf deren Etikett ein elegant gekleidetes Skelett mit Zylinder steht. Die Verpackung wirkt gewagt, der Inhalt dagegen ist eher sanft und gefällig.
Auffällig ist, dass The Sexton keine eigene Brennerei besitzt. Die Marke ist ein Konzept rund um eine Master Blenderin und ein bestimmtes Fassrezept, das Destillat kommt nach Angaben aus Interviews und Fachberichten aus einer bestehenden nordirischen Brennerei. Genau darum geht es in diesem Artikel: Was steckt hinter der Marke, und wie schlägt sich der Malt im Glas?
Geschichte: Eine Marke ohne eigene Brennerei
The Sexton wurde 2017 zunächst auf dem US-Markt eingeführt und kam danach auch in weitere Märkte. Hinter der Marke steht Proximo Spirits, das Schwesterunternehmen des Tequila-Hauses Jose Cuervo. Dieselbe Gruppe hatte 2014/15 die nordirische Old Bushmills Distillery von Diageo übernommen. Das ist der Grund, warum die Marke eng mit Bushmills verbunden wird: Das Destillat wird nach Angaben der Blenderin Alex Thomas in Bushmills gebrannt, auch ihre Lagerhäuser stehen dort. Thomas ist zugleich die Master Blenderin des Hauses Bushmills.
Eine eigenständige Sexton-Destillerie gibt es dagegen nicht. In der Werbung taucht die Herkunft vor allem als Andeutung auf: Die Marketingtexte sprechen von Totengräbern am Fluss Bush in der Grafschaft Antrim. Eine kompakte Einordnung der Heimatbrennerei steht im Porträt Bushmills Distillery – Nordirland.
Der Markenname selbst hat einen genauen Hintergrund. „Sexton“ geht auf das mittellateinische „sacristanus“ zurück, den Hüter heiliger Gegenstände, und bezeichnet seit alters den Küster einer Kirche, der auch die Gräber aushob. Thomas sieht sich nach eigener Aussage als eine Art Hüterin des Whiskeys, solange er im Fass reift.
Der Sexton im Speziellen
Die Abfüllung ist ein Single Malt, also das Destillat einer einzigen Brennerei aus gemälzter Gerste. Nach den Angaben der Blenderin stammt die Gerste aus Irland, genannt werden die Grafschaften Wexford und Tipperary. Abgefüllt wird mit 40 % Vol., was der gesetzlichen Mindeststärke für Whiskey entspricht. Dieselbe Stärke nennen auch die Fachberichte durchgängig.
Eine Altersangabe trägt die Flasche nicht. Verschiedene Quellen sprechen von rund vier Jahren Reife, also einem Jahr über dem gesetzlichen Minimum von drei Jahren. Wir halten daher fest: je nach Quelle etwa vier Jahre, offiziell ohne Altersangabe. Zu Kühlfiltrierung und Färbung haben wir keine verlässliche Herstellerangabe gefunden und treffen deshalb keine eigene Aussage. Mehr zu diesem Thema steht in unserem Artikel zu Kühlfiltrierung und Naturfarbe.
Im Sortiment der Marke ist dies die Standardabfüllung.
Herstellung: Dreifach gebrannt, nur aus Sherry-Eiche
Das Destillat wird nach Berichten dreifach in kupfernen Pot Stills gebrannt, wie es für irischen Malt üblich ist. Wer die Hintergründe nachlesen will, findet sie im Wissensartikel Irish Whiskey erklärt: Pot Still und Dreifachdestillation. Das Malz ist ungetorft, Rauch spielt keine Rolle.
Das Besondere liegt in der Fassauswahl. Gereift wird ausschließlich in ehemaligen Oloroso-Sherryfässern. Laut Thomas wurde das Holz 16 Monate an der Luft getrocknet, mittelstark bis stark getoastet und danach rund zwei Jahre mit Oloroso-Sherry gefüllt, ehe der Whiskey einzog. Verwendet werden First-, Second- und Third-Fill-Fässer. Die Blenderin hat nach eigener Aussage herumprobiert: Einem Malt nur aus erstbefüllten Fässern fehlte die Nussigkeit, erst die Beimischung von zweit- und drittbefüllten Fässern brachte sie zurück. Wie sich Sherryfässer grundsätzlich unterscheiden, erklärt der Artikel zu Oloroso, PX und Fino; allgemein beschreibt Whisky-Fassreifung erklärt, warum Fasstyp und Füllung den Charakter so stark prägen.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Kupfriges Gold, durch den Sherry deutlich wärmer als bei Bourbon-gereiften Iren.
- Nase: Süß und aromatisch, mit Marzipan, Orangenschale, Rosinen und getränkten Pflaumen, dazu Nüsse und ein Hauch Gewürz. In einzelnen Notizen kommen Guave und Apfel vor.
- Gaumen: Weich und samtig, mit Toffee, Butterscotch, Kirschmarmelade und Honigwabe, dazu dunkle Schokolade und eine leichte Kardamomwürze. Die Süße steht deutlich vorn.
- Abgang: Mittellang bis lang, mit warmer Holzwürze, etwas Karamell und ausklingender Frucht.
Die Notizen gleichen sich bei den meisten Quellen ungewöhnlich stark, was für eine stabile Abfüllung spricht. Das Profil ist eingängig: Der Sexton schmeichelt, ohne zu fordern. Wer Tiefe und Reibung sucht, findet sie hier nur begrenzt, denn bei 40 % Vol. und kurzer Reifezeit bleibt der Körper schlank und der Abgang nicht übermäßig komplex.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur kommt die Nase am besten zur Geltung. Ein Eiswürfel nimmt dem Malt kaum etwas, weil er ohnehin leicht gebaut ist; auch ein paar Tropfen Wasser sind nicht nötig. Die Blenderin wollte ausdrücklich einen Whiskey, der sich mischen lässt. Das funktioniert: Im Whiskey Sour, im Highball mit Ginger Beer oder Ginger Ale und sogar in kräftigeren Drinks wie dem Boulevardier trägt der Sherrycharakter gut durch. Zum Essen passen dunkle Schokolade, Walnusskuchen, Orangenmarmelade auf Buttergebäck oder ein reifer Gouda.
Einordnung & Alternativen
- Bushmills 10 Jahre: Der Malt aus derselben Brennerei, heller und von Bourbonfässern geprägt, der den Gegenpol zum Sherrystil des Sexton bildet.
- Teeling Single Malt: Ebenfalls ein zugänglicher irischer Malt, aber fruchtiger, mit Wein- und Portfässern statt reinem Sherry.
- Tullamore D.E.W. 12 Jahre: Ein Blend mit Sherryanteil und deutlich mehr Reife, für alle, die einen Schritt nach oben gehen wollen.
Fazit
The Sexton ist ein sauber gemachter, süß-weicher Sherrymalt für Einsteiger und für alle, die einen unkomplizierten Whiskey für Cocktails und lockere Abende suchen. Pluspunkte sind das stimmige Profil aus Marzipan, Toffee und Trockenfrucht und die offene Haltung, dass die Marke vom Bushmills-Destillat lebt. Abzüge gibt es für die geringe Tiefe, den dünnen Körper bei 40 % Vol. und die fehlende Transparenz bei Alter und Filtration. Für einen gelungenen Alltagsmalt im Einsteigerbereich vergeben wir deshalb 3,5 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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