Bourbon Whiskey

Knob Creek 12 Jahre Bourbon

4,5/5 Redaktionsbewertung
50 % vol.MittelklasseNeue, ausgekohlte amerikanische Eichenfässer; 12 JahreKentucky, USA
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Knob Creek 12 Jahre – wenn die Altersangabe den Unterschied macht

Zwölf Jahre sind für einen Bourbon, der zum festen Sortiment einer großen Marke gehört, ungewöhnlich lang. Der Knob Creek 12 Jahre zeigt, was sich aus dieser Zeit im Fass herausholen lässt: Er kommt aus Clermont in Kentucky, wird mit 50 % vol. abgefüllt und gilt bei vielen Kritikern als einer der besten Bourbons, die Jim Beam im regulären Programm führt. Die Frage lautet nicht, ob er mehr Tiefe hat als die Standardabfüllungen, sondern wie viel mehr.

Geschichte: Booker Noes Small-Batch-Idee und ein zweiter Anlauf

Knob Creek entstand 1992 als eine von vier Marken der Small Batch Bourbon Collection von Booker Noe, dem Enkel von Jim Beam; mit Basil Hayden's, Baker's und Booker's sollte sie an kräftigere, unverdünntere Bourbons der Zeit vor der Prohibition erinnern. Benannt ist sie nach dem Knob Creek in Kentucky, an dem die Familie Abraham Lincolns einst lebte. Heute gehört Jim Beam zu Suntory Global Spirits (bis 2024 Beam Suntory); mehr zum Haus steht im Porträt der Jim Beam Distillery.

Die Basisabfüllung der Marke, der Knob Creek Kentucky Straight Bourbon, trägt eine Neun-Jahres-Angabe. 2020 kam nach Angaben der Fachseite The Whiskey Shelf der zwölfjährige Bruder dazu: gleiche Stärke, drei Jahre mehr im Holz.

Der Knob Creek 12 Jahre im Speziellen

Das Etikett nennt zwölf Jahre und 50 % vol. (100 Proof). Der Hersteller veröffentlicht keine Prozentzahlen zur Rezeptur; Verkostungsseiten nennen für die Marke ein Mashbill aus rund 75 % Mais, 13 % Roggen und 12 % Gerstenmalz. Das ist eine Angabe aus zweiter Hand, passt aber zu den maisbetonten Bourbons des Hauses.

Dass diese Abfüllung ernst genommen wird, belegt ein Ranking: Whisky Advocate führte den Knob Creek 12 in seiner Top-20-Liste für 2020 auf Platz 2 und vergab 95 Punkte. Der Rezensent lobte den fairen Preis und die gute Verfügbarkeit im Kernsortiment. Auch VinePair zeigte sich angetan und vergab 97 Punkte.

Herstellung: Was zwölf Jahre in Kentucky mit dem Holz machen

Wie jeder Bourbon reift auch der Knob Creek in neuen, innen ausgebrannten Eichenfässern. In Kentucky wechseln heiße Sommer und kalte Winter, und der Whiskey wandert dabei ständig ins Holz und wieder heraus. Je länger das dauert, desto mehr Vanille, Karamell und Röstaromen nimmt er auf, aber auch Gerbstoffe und Bitterkeit. Zwölf Jahre sind der Punkt, an dem aus Süße schnell Holzdominanz werden kann; bei dieser Abfüllung bleibt das Gleichgewicht offenbar erhalten. Warum das Klima so viel ausmacht und warum Fässer in Kentucky anders altern als in Schottland, erklärt unser Artikel über Angel's Share und Klima.

Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, z. B. von Whisky Advocate, The Whiskey Shelf und VinePair, nicht auf eine eigene Verkostung der Redaktion.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Tawny-Bernstein.
  • Nase: Karamell und Vanille, dazu Kirsche, gebackene Apfelchips, Zimt, dunkle Schokolade und geröstete Eiche; Whisky Advocate nennt außerdem Pfefferminzbonbon, Rosinen und Tabak.
  • Gaumen: Voll und ölig – Zimt, Piment und Ingwer treffen auf Beerenkompott, Schokoladenganache und Karamell, später kommen Orangenschale und trocknende Eiche.
  • Abgang: Lang, süß-eichig mit dunkler Schokolade, Vanille und getrockneter Orange, am Ende leicht kaffeeartig und mit Tabaknote.

Genuss-Empfehlung

Dieser Bourbon gehört in ein Glencairn oder ein anderes tulpenförmiges Glas, bei Zimmertemperatur und ohne Hast. Ein paar Tropfen Wasser öffnen die Nase und dämpfen die 50 % vol., ein Eiswürfel würde dagegen einen Teil der Schokoladen- und Gewürznoten verschlucken. Er ist ein Digestif für Herbst und Winter, der zu Zartbitterschokolade, Walnüssen oder einem würzigen Cheddar passt.

Wer ihn trotzdem mischen möchte, braucht ein Rezept, in dem er die Hauptrolle spielt: Im Manhattan trägt er auch kräftigen Wermut, im Boulevardier hält er gegen den Campari stand. Für einen Whiskey Sour oder Highball ist er zu schade.

Einordnung & Alternativen

  • Knob Creek Kentucky Straight Bourbon – der neunjährige Standard der Marke: gleiche Stärke, etwas jünger und holzbetonter.
  • Elijah Craig Small Batch Bourbon – mit 47 % vol. etwas schlanker und mit einem anderen Haus als Hintergrund, ein naheliegender Vergleich im Bereich der gereiften Small-Batch-Bourbons.
  • Booker's Bourbon – ebenfalls aus dem Hause Beam, in Fassstärke mit rund 62,7 % vol. deutlich intensiver.

Fazit

Der Knob Creek 12 Jahre ist ein Bourbon für alle, die wissen wollen, wohin lange Reifung führen kann, ohne in die Preisregionen seltener Raritäten zu geraten. Er verbindet die Süße des Hauses mit Holz, Gewürz und dunkler Schokolade und bleibt dabei trinkbar. Wer den neunjährigen Standard schon mag, wird ihn als gelungene Steigerung erleben; wer ihn nicht kennt, bekommt einen Bourbon, der auch Kritiker überzeugt hat. Wir bewerten ihn mit 4,5 Punkten.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit2/5
Würze/Eiche4/5

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