Knob Creek – Bourbon in der Tradition von Booker Noe
Knob Creek wurde 1992 von Booker Noe, dem Enkel von Jim Beam, als eine von vier "Small Batch"-Marken ins Leben gerufen — als bewusste Rückbesinnung auf den kräftigeren, vollmundigeren Bourbon-Stil der Vor-Prohibitions-Ära. Benannt ist die Marke nach dem Bach Knob Creek in Kentucky, an dem einst Abraham Lincolns Familie lebte.
Mit neun Jahren Fassreifung und einer Abfüllstärke von 50 % vol. setzt Knob Creek bewusst auf mehr Kraft und Reifezeit als viele Standard-Bourbons. Die Maische besteht aus Mais, Roggen und gemälzter Gerste und reift in neuen, stark getoasteten amerikanischen Weißeichenfässern — die gesetzliche Grundlage jedes Bourbon.
Geschichte: Booker Noes Rückbesinnung auf alte Stärke
Frederick Booker Noe II, Enkel des legendären Jim Beam und selbst über Jahrzehnte Braumeister bei Jim Beam, entwickelte Anfang der 1990er-Jahre die Idee, wieder Bourbons in der kräftigeren, unverdünnteren Stilistik herzustellen, wie sie vor der Prohibition üblich war – eine Zeit, in der viele Bourbons deutlich reifer und stärker abgefüllt wurden, als es nach der Wiederzulassung des Alkoholverkaufs 1933 zur Norm wurde. 1992 brachte er gemeinsam mit dem Beam-Konzern die Small Batch Bourbon Collection auf den Markt, bestehend aus vier eigenständigen Marken: dem milderen Basil Hayden's, dem etwas kräftigeren Baker's, dem nach ihm selbst benannten, noch stärkeren Booker's – und eben Knob Creek, das als kraftvoller, aber dennoch zugänglicher Mittelweg positioniert wurde. Namensgebend war der kleine Bach Knob Creek nahe Hodgenville, Kentucky, an dessen Ufer die Familie des späteren US-Präsidenten Abraham Lincoln in dessen früher Kindheit lebte. Ausführlicher stellt unser Porträt der Jim Beam Distillery das Haus vor.
Der Knob Creek im Speziellen
Mit neun Jahren Fassreifung liegt Knob Creek deutlich über dem gesetzlichen Mindestalter für Straight Bourbon von zwei Jahren und auch über dem, was viele Konkurrenzprodukte im mittleren Preissegment bieten. Die Abfüllstärke von 50 % vol. – deutlich über dem amerikanischen Standard von 40 % – unterstreicht den Anspruch der Marke, den kräftigeren Bourbon-Stil vergangener Jahrzehnte wiederzubeleben. Die Maische besteht klassisch aus Mais, Roggen und gemälzter Gerste, wobei der genaue Rezeptanteil zum Betriebsgeheimnis der Beam-Familie zählt, die seit sieben Generationen in direkter Linie Whiskey in Kentucky herstellt.
Innerhalb der Small Batch Bourbon Collection positioniert sich Knob Creek bewusst zwischen dem milderen Basil Hayden's und dem noch kräftigeren, in Fassstärke abgefüllten Booker's. Diese Positionierung macht Knob Creek zu einem der zugänglichsten Vertreter kräftigerer Bourbon-Stile, ohne dabei auf die für Kenner wichtige Tiefe und Komplexität zu verzichten, die eine neunjährige Reifung mit sich bringt.
Herstellung: Neue Fässer und starkes Toasting
Wie jeder Bourbon reift Knob Creek ausschließlich in neuen, unbenutzten amerikanischen Weißeichenfässern – eine gesetzliche Vorschrift, die Bourbon von schottischem oder irischem Whisky unterscheidet, wo Fässer meist mehrfach wiederverwendet werden. Die Innenseite der Fassdauben wird dabei besonders stark angekohlt beziehungsweise getoastet, was die Karamellisierung der im Holz enthaltenen Zucker verstärkt und dem fertigen Bourbon seine tiefe, würzige Süße verleiht. In Kombination mit der langen Reifezeit von neun Jahren entsteht so ein Bourbon, der deutlich mehr Eichenwürze und Röstaromen zeigt als viele jüngere Standardabfüllungen. Da neue Fässer nach der Verwendung für Bourbon in den USA nicht erneut befüllt werden dürfen, werden viele davon anschließend an schottische, irische oder karibische Brennereien verkauft, die sie für die Reifung von Scotch, Irish Whiskey oder Rum weiterverwenden – ein interessantes Detail, das die internationale Vernetzung der Spirituosenwelt aufzeigt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Bernstein-Kupfer.
- Nase: Karamell, geröstete Eiche und ein Hauch Vanille, begleitet von einer leichten Roggenwürze.
- Gaumen: Kraftvoll und würzig – Karamell, Vanille und eine spürbare, warme Eichenwürze mit Pfeffernote, getragen von der kräftigen Abfüllstärke.
- Abgang: Lang, würzig und eichenbetont ausklingend, mit einem letzten Hauch gerösteter Maissüße.
Genuss-Empfehlung
Knob Creek zeigt sich hervorragend pur, auf Eis oder als Basis für einen Old Fashioned mit Charakter, bei dem die kräftige Eichenwürze auch neben Zucker und Bitter nicht untergeht. Auch ein klassischer Manhattan profitiert von der Kraft dieses Bourbons, da er sich auch gegen den Wermut behauptet, statt darin unterzugehen. Kulinarisch passt er zu gegrilltem Rindfleisch, würzigem BBQ oder dunkler Schokolade – Aromen, die seiner Kraft und Würze gewachsen sind.
Einordnung & Alternativen
- Buffalo Trace Kentucky Straight Bourbon – milder und günstiger, ein guter Vergleichspunkt für den klassischen Standard-Bourbon-Stil.
- Four Roses Single Barrel – eine Stufe darüber angesiedelt, fruchtiger und mit noch individuellerem Fasscharakter.
- Wild Turkey 101 Bourbon – ähnlich hohe Abfüllstärke, dafür würziger und etwas günstiger als Knob Creek.
Fazit
Knob Creek ist ein kraftvoller, eichenbetonter Bourbon für alle, die den kernigen, vollmundigen Stil der amerikanischen Whiskeytradition schätzen. Im Vergleich zu milderen Standard-Bourbons zeigt er deutlich mehr Eichenwürze und Alkoholkraft, bleibt dabei aber durch seine sorgfältige neunjährige Reifung stets ausbalanciert statt scharf. Innerhalb der Small-Batch-Bourbon-Mittelklasse bietet er für die lange Reifezeit und die kräftige Abfüllstärke ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Hervorragend pur, auf Eis oder als Basis für einen Old Fashioned mit Charakter.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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