Nikka Taketsuru Pure Malt – zwei Brennereien in einer Flasche
Der Nikka Taketsuru Pure Malt verbindet Malt-Whisky aus beiden japanischen Brennereien des Hauses: dem rauchigen Yoichi auf Hokkaido und dem weichen Miyagikyo bei Sendai. Es ist ein reiner Malt-Verschnitt ohne Grain-Anteil, benannt nach dem Firmengründer. Auf dem Etikett steht „Pure Malt“, im internationalen Sprachgebrauch spricht man von einem Blended Malt.
Geschichte: Ein Name, mehrere Rezepturen
Masataka Taketsuru, der Gründer von Nikka, lernte sein Handwerk in Schottland und gründete 1934 Yoichi, später kam Miyagikyo dazu. Für diese Flasche zählt weniger die Gründerbiografie als die Frage, wie sich der Name seines Namensgebers als Linie entwickelte. Zur Jahrtausendwende, im Jahr 2000, erschien der „Taketsuru 12 Year Old Pure Malt“ als Hommage an den Gründer. Später kamen Varianten mit 17, 21 und 25 Jahren hinzu.
Die Linie wurde danach in zwei Schritten verschlankt. Rund 2015 ersetzte eine Version ohne Altersangabe den 12-Jährigen. Im Januar 2020 kündigte Nikka an, im März desselben Jahres die Abfüllungen mit 17, 21 und 25 Jahren sowie die bisherige NAS-Fassung zu beenden. Als Grund nannte das Haus knappe Bestände und den Wunsch, die Reserven zu schonen. Im Herbst 2020 folgte eine neu abgestimmte NAS-Version, die bis heute das Standardprodukt der Marke ist. Eigentümer von Nikka ist die Asahi-Gruppe.
Der Nikka Taketsuru Pure Malt im Speziellen
Die aktuelle Abfüllung kommt mit 43 % vol. auf den Markt, ohne Altersangabe. Der Verschnitt besteht aus Yoichi- und Miyagikyo-Malt; gegenüber der Vorgängerversion wurde der Yoichi-Anteil erhöht. Verkostungsberichte beschreiben die alte Rezeptur als eher miyagikyo-lastig, sherrygeprägt und fruchtiger, die neue als frischer, zitrischer und mit mehr Rauch. Nikka selbst betont, dass die Sherryfass-Reifung erhalten blieb. Die Etiketten wurden zum Neustart ebenfalls überarbeitet; Bambusblätter und Kraniche zieren sie jetzt.
2026 hat Nikka außerdem die „Taketsuru Pure Malt Essentials“ angekündigt: eine auf fünf Jahre angelegte, limitierte Reihe, die auf den 30. Geburtstag der Marke im Jahr 2030 zuläuft. Die erste Ausgabe stellt Yoichis Kohlefeuer-Destillation in den Mittelpunkt. Nach den vorliegenden Berichten ergänzt sie das Standardprodukt, ersetzt es aber nicht. Der Taketsuru Pure Malt bleibt demnach die reguläre Flasche, und im deutschen Handel wird er geführt, die Verfügbarkeit schwankt je nach Händler. Da ältere Chargen anders schmecken, lohnt ein Blick aufs Etikett.
Herstellung: Blending-Philosophie statt Einzelbrennerei
Das Prinzip ist einfach und anspruchsvoll zugleich: Aus Yoichi kommen Struktur, Torf und die röstige Note der direkt befeuerten Brennblasen, aus Miyagikyo Rundheit, Blüte und Frucht. Das Mischungsverhältnis veröffentlicht Nikka nicht. Anders als der Nikka From The Barrel enthält der Taketsuru kein Grain-Destillat und ist deshalb ein Malt-Verschnitt. Wer den Unterschied zwischen Single Malt und Blends grundsätzlich einordnen möchte, findet ihn unter Whisky-Sorten im Überblick.
Zur Bezeichnung: „Pure Malt“ ist in Japan für Verschnitte aus Malts mehrerer Brennereien üblich. Für Scotch ist der Begriff seit den Scotch Whisky Regulations von 2009 nicht mehr zulässig; dort heißt es nur noch Blended Malt. Für Japan gilt seit 2021 eine freiwillige Branchendefinition der Spirituosenhersteller (JSLMA): Als „Japanese Whisky“ darf nur gelten, was in Japan aus Malzgetreide und japanischem Wasser vergoren, destilliert, mindestens drei Jahre in Holzfässern gereift und abgefüllt wurde; die Übergangsfrist endete im März 2024. Ein ausdrückliches Verbot des Begriffs „Pure Malt“ konnte ich dabei nicht belegen. Da beide Brennereien in Japan liegen, bleibt der Taketsuru von der Debatte um die Herkunft weitgehend unberührt; auf dem US-Markt wird er als Blended Malt vermarktet.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis mittleres Gold.
- Nase: Zitrus, Malz und etwas Sherry-Süße, darunter ein Hauch Torf.
- Gaumen: Rund und würzig, mit kandierten Früchten, süßen Gewürzen und Getreide; im Hintergrund etwas Rauch und dunkle Schokolade.
- Abgang: Mittellang bis lang, weich, mit Frucht, Gewürz und einem Rest Rauch.
Genuss-Empfehlung
Pur ist der Taketsuru bei Zimmertemperatur ein unkomplizierter Begleiter; ein Tulpenglas zeigt Zitrus und Sherry am deutlichsten. Wasser braucht er bei 43 % kaum, ein Tropfen lässt aber die Fruchtseite etwas hervortreten. Als Mizuwari, also deutlich mit kaltem Wasser verdünnt, wird er sehr weich und eignet sich zum Essen. Im Highball sorgt der Yoichi-Anteil für etwas Rauch, ohne das Getränk zu beschweren. Dazu passen Tempura, gegrilltes Hähnchen, Nüsse oder reifer Hartkäse.
Einordnung & Alternativen
- Nikka Miyagikyo Single Malt – reiner Miyagikyo-Malt in höherer Stärke, floral und fruchtig statt rauchig; zeigt die weiche Hälfte des Taketsuru allein.
- Nikka From The Barrel – Blend mit Grain-Anteil und gut 51 % vol.; kräftiger, süßer und dichter.
- Hibiki Japanese Harmony – Suntorys Blend mit Malt und Grain, floraler und zurückhaltender, im Preis darüber.
Fazit
Der Nikka Taketsuru Pure Malt ist ein solider, ausgewogener Blended Malt für alle, die zwei Seiten von Nikka in einer Flasche probieren möchten, ohne gleich zwei Single Malts zu kaufen. Er besitzt weder die Wucht des Yoichi noch die Eleganz des Miyagikyo, aber eine stimmige, zugängliche Mitte mit Sherry-Würze und leichtem Rauch. Als NAS-Nachfolger der früheren Altersaussagen ist er unspektakulär, doch verlässlich. Dafür gibt es 4.0 von 5 Punkten; empfehlenswert für Einsteiger in japanische Malts.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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