Lagavulin Distillers Edition – der Klassiker mit Pedro-Ximénez-Finish
Lagavulin zählt zu den prägendsten Destillerien Islays und ist berühmt für seinen intensiven, rauchig-torfigen Stil. Die Distillers Edition veredelt den bekannten Lagavulin-16-Charakter durch ein zusätzliches Finish in ehemaligen Pedro-Ximénez-Sherryfässern, das dem Whisky eine dunkle, fast weinige Süße hinzufügt, ohne die typische Rauchigkeit zu überdecken.
Jede Abfüllung trägt zwei Jahreszahlen – Destillations- und Abfülljahr – und dokumentiert damit die lange doppelte Reifezeit. Das Ergebnis ist eine der komplexesten regulären Abfüllungen der Destillerie, die den robusten Lagavulin-Stil um eine elegante, fast dessertartige Dimension erweitert.
Geschichte: Von der Schmugglerbucht zum Diageo-Flaggschiff
An der Bucht von Lagavulin an der Südküste Islays wurde schon lange vor der offiziellen Gründung geschmuggelt und gebrannt – Berichte über illegale Brennereien am Standort reichen bis ins Jahr 1742 zurück. Offiziell lizenziert wurde die Destillerie 1816 durch John Johnston und Archibald Campbell Brooks, die dort zwei benachbarte Brennereien errichteten. Über die folgenden Jahrzehnte wechselten die Besitzverhältnisse mehrfach: Erst führte Johnston selbst den Betrieb, ab 1835 übernahm Alexander Graham, später gelangte Lagavulin über James Logan Mackie in eine Partnerschaft, aus der 1889 dessen Neffe Peter Mackie als Alleininhaber hervorging – jener Peter Mackie, der mit dem Blend White Horse eine der bekanntesten Scotch-Marken überhaupt schuf und Lagavulin zu deren Herzstück machte. 1923 übernahm Buchanan-Dewar die Firma, zwei Jahre später ging sie in der Distillers Company auf. Mit der Übernahme durch Guinness 1986 und der Fusion zu Diageo 1997 landete Lagavulin schließlich bei seinem heutigen Eigentümer, der die Destillerie zu einer der Säulen seiner "Classic Malts"-Reihe ausgebaut hat.
Wer die Destillerie näher kennenlernen möchte, findet im Porträt Lagavulin Destillerie - Islay Geschichte, Herstellung und Sortiment im Überblick.
Die Distillers Edition im Speziellen
Die Distillers Edition ist Teil einer ganzen Diageo-Reihe, in der mehrere Classic-Malts-Destillerien ihre Standardabfüllung mit einem zusätzlichen Fassfinish veredeln. Bei Lagavulin bedeutet das: Der Grundwhisky reift zunächst wie gewohnt in Ex-Bourbonfässern, bevor er für eine zweite Reifephase in Fässer umgefüllt wird, die zuvor Pedro-Ximénez-Sherry aus Jerez enthielten. Mit 43 % vol. liegt die Abfüllstärke leicht über dem Lagavulin 16, was dem zusätzlichen Sherry-Einfluss mehr Raum zur Entfaltung gibt. Die doppelte Jahreszahl auf dem Etikett – Destillations- und Abfülljahr – macht die Reifezeit für jede Charge einzeln nachvollziehbar und ist ein Markenzeichen der gesamten Distillers-Edition-Reihe.
Herstellung: Torf, Solum-Loch-Wasser und langsame Destillation
Lagavulin destilliert traditionell mit zwei Wash Stills (je rund 11.000 Liter) und zwei Spirit Stills (je rund 12.500 Liter), deren birnenförmige Form charakteristisch für die Destillerie ist. Bekannt ist Lagavulin zudem für eine besonders langsame Destillationsgeschwindigkeit, die dem Rauch mehr Zeit gibt, sich mit den übrigen Aromen zu verbinden, statt ihn roh und einseitig hervortreten zu lassen. Das Brauwasser stammt aus den Solum Lochs oberhalb der Destillerie, während das getorfte Malz – wie bei vielen Islay-Brennereien – für einen kräftigen Phenolgehalt sorgt, der dem gesamten Sortiment seinen unverwechselbaren Rauchcharakter verleiht.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Mahagoni.
- Nase: Torfrauch, Rosinen und eine dunkle Sherry-Süße, dazu ein Hauch getrockneter Feigen und Nussschale, die von der Pedro-Ximénez-Reifung stammen.
- Gaumen: Voll und komplex – getrocknete Früchte, Rauch und eine feine Bitterschokolade-Note, unterlegt von einer weinig-dunklen Süße und einem Hauch Lakritz.
- Abgang: Sehr lang, rauchig-süß, mit nachklingender Sherry-Würze und einem leicht öligen, wärmenden Abschluss.
Auch abseits der Kernabfüllungen pflegt Lagavulin einen ausgeprägten Kult unter Islay-Fans: Zum jährlichen Fèis-Ìle-Festival veröffentlicht die Destillerie regelmäßig limitierte Sonderabfüllungen, die unter Sammlern begehrt sind, während die Distillers Edition als dauerhaft gelistete Variante einen verlässlichen Zugang zu einem sherrygeprägten Lagavulin bietet, ohne auf solche limitierten Releases warten zu müssen.
Genuss-Empfehlung
Die Distillers Edition entfaltet ihr Aromenspiel am besten pur bei Zimmertemperatur, idealerweise in einem tulpenförmigen Nosing-Glas, das Rauch und Sherry-Süße gleichermaßen bündelt. Wer die weinige Komponente noch stärker hervorheben möchte, kann einen einzelnen Tropfen stilles Wasser hinzufügen. Kulinarisch passt der Whisky hervorragend zu dunkler Schokolade, gereiftem Blauschimmelkäse oder einem klassischen Christmas Pudding – kräftige, süß-würzige Begleiter, die neben Rauch und Sherry bestehen können, ohne von ihnen erschlagen zu werden.
Einordnung & Alternativen
- GlenDronach 15 Jahre Revival Whisky – ebenfalls sherrygeprägt und tiefdunkel, allerdings ganz ohne Torfrauch.
- Highland Park 18 Jahre Viking Pride Whisky – kombiniert wie die Distillers Edition Sherry und Rauch, zeigt dabei aber eine honigsüßere, weniger medizinische Seite.
- Aberlour A'bunadh Whisky – ein kräftiger Sherry-Bomber in Fassstärke, dafür vollständig unrauchig.
Fazit
Die Lagavulin Distillers Edition ist eine der gelungensten Fusionen aus Islay-Rauch und Sherry-Süße überhaupt und zeigt, wie viel zusätzliche Komplexität ein sorgfältig gewähltes Zweitfass einem bereits ausgereiften Whisky verleihen kann. Für Fans des klassischen Lagavulin 16 Jahre ist sie ein spannendes, deutlich vielschichtigeres Pendant, das preislich im selben Premium-Segment wie der 16-Jährige liegt und den Aufpreis durch das zusätzliche Fassfinish rechtfertigt – am besten pur genossen und mit etwas Zeit, um die wechselnden Aromenschichten aus Rauch, Frucht und Sherry-Würze nacheinander zu entdecken.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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