Scotch Whisky

Laphroaig 10 Jahre Sherry Oak Finish Whisky

4,3/5 Redaktionsbewertung
48 % vol.PremiumEx-Bourbon- und Refill-Oloroso-Fässer, anschließendes Finish in Oloroso-Sherryfässern aus europäischer Eiche (je nach Quelle 12 bis 18 Monate)Port Ellen, Islay, Schottland
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Laphroaig 10 Jahre Sherry Oak Finish – Torfrauch mit Oloroso-Schleife

Wer beim Namen Laphroaig an Jod, Teer und Pflaster denkt, liegt richtig, doch der Sherry Oak Finish zeigt eine zweite Seite derselben Destillerie. Die Flasche trägt das vertraute grüne Etikett, im Glas sorgen jedoch Honig, Toffee und dunkle Schokolade für ein Gegengewicht zum Rauch. Der Zehnjährige wird hier nach der Hauptreifung noch einmal in Sherryfässer gelegt und mit 48 % vol. abgefüllt. Das Ergebnis ist ein Islay-Malt, der seinen Torf nicht versteckt, ihn aber in ein deutlich süßeres Umfeld stellt.

Geschichte: Sherry im Hause der Bourbonfässer

Laphroaig steht seit Jahrzehnten für Reifung in ehemaligen Bourbonfässern, die Eckdaten der Brennerei findest du im Porträt Laphroaig Distillery – Islay. Sherry spielte im Sortiment lange nur eine Nebenrolle, etwa als Bestandteil einzelner Verschnitte oder limitierter Editionen. Mit dem Sherry Oak rückte er im April 2021 in den Mittelpunkt einer eigenen Abfüllung. Destillerie-Manager John Campbell sprach bei der Vorstellung von einer „einzigartigen und hochwertigen“ Expression, die den bekannten Zehnjährigen mit den süßen Aromen des Oloroso-Fasses verbindet. Ältere Händlertexte führen die Flasche teils als Limited Edition, Branchenmeldungen zum Launch beschreiben sie dagegen als dauerhafte Ergänzung. In Deutschland ist sie bei Fachhändlern und im Versandhandel regulär zu finden. Die Marke gehört heute zu Suntory Global Spirits, die Torfwurzeln der Brennerei an Islays Südküste blieben vom Besitzerwechsel unberührt.

Der Laphroaig 10 Sherry Oak im Speziellen

Die offizielle Bezeichnung lautet „10 Year Old Sherry Oak Finish“. Der Whisky reift nach Herstellerangaben zunächst in Ex-Bourbonfässern, laut Branchenberichten zum Launch auch in Refill-Oloroso-Fässern, und wird anschließend in Oloroso-Fässern aus europäischer Eiche nachgereift. Je nach Quelle dauert dieses Finish zwölf bis achtzehn Monate, die Fässer werden laut Laphroaig von Hand ausgewählt. Gemessen an der Kernabfüllung mit 40 bis 43 % vol. fällt die Stärke von 48 % vol. deutlich kräftiger aus; mehrere Händler nennen den Malt zudem nicht kühlgefiltert und ungefärbt. Im Sortiment steht der Sherry Oak damit neben dem Laphroaig 10 Jahre als die weichere, würzig-süße Variante, während der Laphroaig Quarter Cask seine Wirkung eher aus der Fassgröße bezieht. In der Szene kursiert für die Flasche der Spitzname „The Sweet One“, der eine Spur zu viel verspricht, denn der Rauch bleibt klar hörbar.

Herstellung: Was ein Oloroso-Finish mit Torf macht

Ein Finish ist kein zweites Reifen im eigentlichen Sinn, sondern ein Feinschliff: Der bereits gereifte Whisky wird in ein Fass umgefüllt, das zuvor Wein enthielt, und nimmt dort binnen Monaten Aromen auf. Oloroso ist ein oxidativ ausgebauter, trockener Sherry mit Nuss-, Trockenfrucht- und Gewürznoten. Diese Eigenschaften übertragen sich über das Holz. Europäische Eiche gilt zudem als gerbstoffreicher und würziger als amerikanische Weißeiche, was sich hier an Nelke, Leder und dem trockenen Holzton im Abgang zeigt.

Interessant ist das Zusammenspiel mit dem Rauch. Torf liefert phenolische Verbindungen, die Rauch, Teer und medizinische Töne erzeugen. Sherryholz bringt Süße und Gerbstoffe ins Spiel, die diese Töne eher ergänzen als verdecken. Das Finish dauert dafür bewusst nur kurz, andernfalls würde der Sherry die Handschrift der Destillerie überlagern. Händler nennen für das verwendete Gerstenmalz Werte um 40 ppm Phenol, doch Malz-ppm ist nicht gleich ppm im fertigen Whisky, denn ein Teil der Phenole geht in Destillation und Reifung verloren; diesen Unterschied erklärt der Beitrag zum Thema ppm. Allgemeines zu Finish und Fasseinfluss steht in Whisky-Fassreifung erklärt.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Tawny bis tiefes Kupfer-Bernstein.
  • Nase: Torfrauch und Manukahonig, dazu Nelke, Leder, Jod und eine Note von Räucherspeck; mit Luft treten Rosinen, geröstete Nüsse und Karamell hervor.
  • Gaumen: Süß und aromatisch mit Toffee, Ahornsirup und dunkler Schokolade, darunter Seetang, Pfeffer, Kiefernnadel und Zedernholz; kandierte Orangenschale und Trockenfrucht blitzen kurz auf.
  • Abgang: Lang, mit glimmendem Torf, Nussigkeit, bleibender Süße und einem Hauch Salz.

Genuss-Empfehlung

Bei 48 % vol. zeigt sich der Whisky pur am besten, am liebsten in einem tulpenförmigen Nosing-Glas bei Zimmertemperatur. Wenige Tropfen stilles Wasser dämpfen den Alkohol und lassen Honig und Schokolade aus dem Rauch hervortreten. Eis sollte man eher meiden, da Kälte die feinen Sherrytöne verschließt. Am Tisch passt er zu Datteln im Speckmantel, einem kräftigen Rauchkäse, Lebkuchen oder Zartbitterschokolade mit hohem Kakaoanteil. Nimm dir für den ersten Dram etwas Zeit: Die Aromen wandeln sich im Glas über Minuten, und wegen der Stärke genügt ein kleines Maß.

Einordnung & Alternativen

  • Ardbeg Uigeadail – kombiniert ebenfalls Torf und Sherry, dort aber als Vermählung verschiedener Fässer statt als Finish; dichter und deutlich kräftiger abgefüllt.
  • Bowmore 15 Jahre Darkest – Sherryfass-Finish bei sanfterem Rauch und mehr Weichheit; die ruhigere Wahl, wenn der Laphroaig-Torf zu direkt ist.
  • Lagavulin Distillers Edition – ebenfalls Islay-Rauch mit Weinfass-Finish, aber runder, ausbalancierter und ohne die jodige Härte von Laphroaig.

Fazit

Der Laphroaig 10 Jahre Sherry Oak Finish ist die richtige Flasche für alle, die den Zehnjährigen kennen und wissen wollen, wie er mit einem Oloroso-Finish schmeckt. Er überzeugt durch die gelungene Balance aus Rauch, Honig und Schokolade, bleibt aber unverkennbar Laphroaig. Wer Islay-Whisky erst kennenlernen möchte, beginnt besser mit dem Basis-Zehnjährigen, weil der Sherry die Eigenheiten der Brennerei eher abrundet als neu erfindet. Das Rating von 4,3 spiegelt eine gut gemachte, stimmige Abfüllung mit klarem Profil, der zum ganz großen Wurf noch etwas Tiefe fehlt, wie sie ältere Laphroaig-Abfüllungen bieten.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf4/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche3/5

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