Penderyn Myth – Leichte Frucht aus dem Ein-Kessel-System
Der Penderyn Myth ist Teil der Dragon-Reihe und gehört zu den zugänglichsten Whiskys aus Wales. Er stammt aus der Penderyn Distillery am Rand der Brecon Beacons und wird, wie alle Penderyn-Whiskys, in einer einzigen Destillation in der Faraday-Brennblase erzeugt. Das Ergebnis ist ein heller, fruchtiger Malt, der mit 40 % Vol. in die Flasche kommt und auf Rauch und schwere Fassnoten verzichtet.
Wer einen Whisky sucht, der nicht fordert, sondern angenehm läuft, ist hier richtig. Wer Tiefe und Dichte erwartet, muss seine Erwartungen dagegen an den Stil anpassen: Der Myth ist ein Alltagsmalt, kein Showstück.
Geschichte: Vom Wiederbeginn zur Einsteigerlinie
Penderyn gilt als die Brennerei, die den walisischen Whisky nach mehr als einem Jahrhundert wieder aufgenommen hat. Der erste Brand lief im September 2000, der erste Single Malt erschien am walisischen Nationalfeiertag 2004. Zur Dragon-Reihe zählen der Myth und seine Geschwister Legend und Celt. Die Brennerei beschreibt den Myth als Whisky für den unkomplizierten Alltagsgenuss. Das Etikett zeigt den walisischen Drachen.
Wie viel Wales im Myth steckt, zeigt sich vor allem im Destillat. Die Brennerei setzt ihren Wash aus gemälzter Gerste vor Ort an. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Penderyn Distillery.
Der Myth im Speziellen
Der Myth hat keine Altersangabe. Beim Alkoholgehalt gibt es Unterschiede, je nachdem, welche Flasche man in der Hand hat. Ältere Abfüllungen der Dragon-Reihe wurden mit 41 % Vol. verkauft, in den USA mit 43 %. Die aktuelle Version trägt nach der Produktseite der Brennerei und nach Testberichten 40 % Vol. Wir führen deshalb 40 %. Wer eine ältere Flasche erwischt, kann abweichende Werte auf dem Etikett lesen.
Auch bei den Fässern haben sich die Angaben verändert. Eine Pressemappe der Brennerei von 2020 spricht von einer Mischung aus Ex-Rotwein- und Ex-Bourbon-Fässern. Die aktuelle Produktseite nennt aufgearbeitete Eichenfässer, ein Tester gibt Ex-Bourbon-Fässer und aufgearbeitete Fässer an. Aufgearbeitet heißt, dass das Innere eines schon benutzten Fasses erneuert wird, damit es wieder mehr Holzaromen abgeben kann. Zur Kühlfiltrierung und zur Färbung machen die geprüften Herstellerseiten keine Aussage; Händler führen ihn teils als nicht kühlgefiltert. Hintergründe erklärt unser Beitrag zu Kühlfiltrierung und Naturfarbe. Der Myth trägt außerdem ein Kosher-Zertifikat.
Herstellung: Eine Destillation statt zwei
Das Besondere an Penderyn ist die Faraday-Brennblase, die von einem Team um Dr. David Faraday entwickelt wurde. Sie kombiniert Pot Still und Kolonne aus Kupfer. Der Alkohol wird in einem einzigen Durchgang auf rund 92 % Vol. gebracht, während schottischer Malt meist zweimal destilliert wird und mit etwa 65 bis 70 % Vol. aus der Brennblase kommt. Dieses sehr leichte, saubere Destillat nimmt den Charakter des Fasses stark auf. Das ist der Grund, warum die Fassentscheidung bei Penderyn so wichtig ist.
Als Bourbonfässer nennt die Brennerei hauptsächlich Fässer von Buffalo Trace, teils auch von Evan Williams; ob sie genau so im Myth landen, sagt die Produktseite nicht. Allgemeines zu Produktion und Reife erklären Wie wird Whisky hergestellt und Fassreifung.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold.
- Nase: Frisch und lebendig, mit Zitrus, Apfel und Birnenbonbon, dazu pochierte Birne, Mandarine und Vanille. Ein Hauch tropischer Frucht steht im Hintergrund.
- Gaumen: Zuerst Süße, dann eine erfrischende Bitterkeit. Saftige Zitrusfrucht und knackige Birne, Vanille, Mandelsirup, später etwas Ingwer und weißer Pfeffer.
- Abgang: Mittellang, leicht grasig und malzig, mit Pfeffer und etwas Honig.
Der Eindruck ist der eines leichten, hellen Malts. Ein Tester bemängelt, dass am Gaumen das Holz die Frucht überlagert und die Komplexität schwindet, ein anderer hebt dagegen die klare, fruchtbetonte Art hervor. Beides lässt sich nachvollziehen: Bei 40 % Vol. trägt der Myth wenig Gewicht, bleibt dafür aber ohne Ecken und Kanten.
Genuss-Empfehlung
Am besten pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur, Wasser ist bei dieser Stärke selten nötig. Ein Eiswürfel kann an warmen Tagen funktionieren, nimmt aber schnell Aroma. Gut passt der Myth als Highball mit Soda und Zitronenzeste oder mit Apfelsaftschorle und Eis. Zu Speisen passen Apfelkuchen, milder Käse, Nüsse und leichte Fischgerichte.
Einordnung & Alternativen
- Penderyn Legend: Der direkte Geschwister-Whisky der Dragon-Reihe, mit Madeira-Finish süßer und weiniger.
- Penderyn Madeira: Dieselbe Brennerei mit 46 % Vol., deutlich dichter und vollmundiger als der Myth.
- Cotswolds Single Malt: Ein englischer Malt aus Bourbon- und Rotweinfässern, kräftiger und weniger zurückhaltend.
Fazit
Der Penderyn Myth ist ein leichter, fruchtiger Single Malt, der die Besonderheit der Faraday-Destillation zeigt und sich gut als Einstieg in walisischen Whisky eignet. Wer Wucht, Tiefe und einen langen Abgang erwartet, wird bei den Abfüllungen der Kernlinie mit 46 % Vol. eher fündig. Für den sauberen Stil und die Zugänglichkeit, bei begrenztem Körper, vergeben wir 3,5 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche internationale Whiskys
Penderyn Legend Walisischer Single Malt
Penderyn Legend: leichter walisischer Single Malt mit Madeira-Finish, Apfel, Zitrus, Sahnefudge und Sultaninen, gedacht als unkomplizierter Einstieg.

Penderyn Madeira Walisischer Whisky
Blütenhonig, Apfel und Zitrone treffen auf dunkle Schokolade und Gewürze – der Madeira ist der Ur-Stil der ersten walisischen Whisky-Destillerie seit über 100 Jahren.
Penderyn Peated Walisischer Whisky
Penderyn Peated: walisischer Single Malt mit zartem Rauch aus Fässern mit getorfter Vorbelegung, grüner Apfel, Zitrone und Vanille bei 46 % Vol.

Cotswolds Single Malt Englischer Whisky
Cotswolds Single Malt: englischer Whisky aus Floor-Malting-Gerste, gereift in Bourbon- und STR-Rotweinfässern, mit Honig, Pfirsich und roter Frucht bei 46 % Vol.

Whisky-Sorten im Überblick: Scotch, Bourbon, Rye & Co.
Sechs Whisky-Kategorien, sechs unterschiedliche Gesetzeswerke – von Mais-Mindestanteilen bis zur strittigen Frage, was 'japanischer Whisky' eigentlich sein darf.

Wie wird Whisky hergestellt? Vom Malz zum Fass
Aus Gerste, Wasser und Hefe wird über Malz, Maische und zwei Brenndurchgänge ein klares Destillat – erst das Fass macht daraus Whisky.

Whisky-Fassreifung erklärt: Sherry Cask, Bourbon Cask & Fassstärke
Warum ein Whisky aus Taiwan in wenigen Jahren reift, wofür ein Fass wirklich gut ist – und was hinter Cask Strength und Single Cask tatsächlich steckt.

Kühlfiltrierung und Naturfarbe: Was „non chill-filtered“ und „natural colour“ wirklich bedeuten
Trübung durch Fettsäureester, Filter bei Kälte, Zuckerkulör im Glas: was hinter den beliebten Etikett-Hinweisen steckt und was der Streit darum wert ist.