Redemption Rye Whiskey – 95 Prozent Roggen als Programm
Das Gesetz verlangt für einen Rye Whiskey in den USA mindestens 51 % Roggen in der Maische. Der Redemption Rye geht fast doppelt so weit: Laut Hersteller besteht seine Rezeptur aus 95 % Roggen und 5 % gemälzter Gerste. Mit 46 % vol. und viel Gewürz im Glas will die Marke zeigen, was Roggen allein kann, und das zu einem Preis, der den Whiskey zum Dauergast im Barregal macht.
Geschichte: Ein Rye-Revival aus Bardstown
Redemption wurde nach einem Bericht von Forbes 2010 gegründet, um den Rye-Stil zu beleben, der vor der Prohibition in den USA weit verbreitet war. Gestartet ist die Marke bei Bardstown Barrel Selections, einem Abfüller aus Bardstown in Kentucky; 2015 übernahm sie das Unternehmen Deutsch Family Wine & Spirits. Das Motto der Marke lautet, das Potenzial von Roggen zu entfesseln – ein Anspruch, der in die Zeit passt, in der amerikanischer Roggenwhiskey ein Comeback erlebte. Hintergrund dazu liefert der Artikel Rye Whiskey: Geschichte, Gesetz und das große Comeback.
Wichtig für die Einordnung: Redemption ist kein Brennerei-Whiskey im engen Sinn. Nach Forbes stammt der gesamte Whiskey aus der MGP-Destillerie in Lawrenceburg, Indiana, der der Artikel einen wichtigen Anteil an der Rye-Renaissance zuschreibt. Auch andere Rye-Marken, etwa der Bulleit Rye Whiskey, werden mit einer 95/5-Rezeptur beschrieben. Die Maische ist also keine Besonderheit der Marke, Unterschiede entstehen durch Fassauswahl, Reife und Abfüllstärke.
Der Redemption Rye im Speziellen
Der Redemption Rye trägt die Bezeichnung Straight Rye, reift in neuen, ausgekohlten Eichenfässern und wird mit 46 % vol. (92 Proof) abgefüllt. Ein Altersetikett gibt es nicht; Forbes beschreibt den Whiskey als rund zwei Jahre alt, während ein anderer Tester ausdrücklich nur festhält, dass keine Altersangabe existiert. Beides passt zu einem jungen Rye, der seine Kraft aus dem Getreide und weniger aus dem Holz zieht. Mehr zu diesem Zusammenspiel beschreibt der Beitrag Mash Bill beim Bourbon, dessen Prinzip auch für Rye gilt.
Die Marke fährt mehrgleisig: Neben dem Standard-Rye gibt es nach Forbes einen zehnjährigen Barrel-Proof-Rye mit 55,1 % vol. aus derselben 95/5-Maische sowie Bourbon-Varianten, darunter einen High-Rye-Bourbon mit 60 % Mais, 36 % Roggen und 4 % Gerstenmalz. Auf der Herstellerseite taucht außerdem ein 18-jähriger Rye auf. Der hier beschriebene Standard-Rye ist demnach der Einstieg in eine Familie, die sich in Alter und Stärke nach oben staffelt.
Der Hersteller verweist auf Auszeichnungen mit Gold- und Doppelgold-Medaillen sowie eine Ehrung als Rye-Marke des Jahres; Details nennt die Marke nicht, die Angaben sind deshalb als Herstellerbehauptung zu lesen.
Verkostungsnotiz
Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, etwa von Forbes und The Whiskey Wash. Die Urteile gehen auseinander: Forbes lobt Würze und Kraft, The Whiskey Wash vergab 6 von 10 Punkten und fand den Whiskey leicht und kurz.
- Farbe: Helles Strohgelb bis Gold.
- Nase: Zurückhaltend und freundlich – Getreide, Roggenwürze und Piment, dazu geröstetes Holz, Karamell, eine Spur Orange oder Zitrone und hinten Minze.
- Gaumen: Würzig mit schwarzem Pfeffer, dunklen Gewürzen und Minze; leichte florale und zitrische Töne, geröstete Pekannüsse, roter Apfel und ein Hauch Karamell.
- Abgang: Kurz bis mittellang mit frischer Minze; Kritiker bemängeln, dass er schnell verblasst.
Genuss-Empfehlung
Pur ist der Redemption Rye ein ehrlicher, würziger Dram, der ohne Wasser am besten schmeckt. Seine eigentliche Domäne ist aber die Bar: Im Manhattan schneidet der Roggen durch den süßen Wermut, im Sazerac liefert er das trockene Grundgerüst, und im Vieux Carré trägt er Cognac, Wermut und Bénédictine. Auch ein Rye & Ginger mit Ginger Ale und Zitronenspalte funktioniert gut. Als Begleiter passen Pastrami-Sandwich, gegrillte Würste oder dunkle Schokolade mit Meersalz. Bewusst und in Maßen genießen.
Einordnung & Alternativen
- Bulleit Rye Whiskey – ebenfalls ein 95-Prozent-Rye mit 45 % vol., aber mit anderer Fass- und Abfüllphilosophie; der Vergleich lohnt, weil die Maische gleich ist.
- Rittenhouse Rye Bottled in Bond – mit 50 % vol. und gesetzlich mindestens vier Jahren Reife der kräftigere, tiefere Rye.
- Jim Beam Rye Whiskey – mit 40 % vol. der günstigere, mildere und maisnahe Alltags-Rye.
Fazit
Der Redemption Rye ist ein klar definierter, würziger Rye, der vor allem durch seine Rezeptur auffällt und im Mixglas viel kann. Wer einen komplexen, lang reifen Sipper sucht, findet ihn woanders; wer für Manhattan, Sazerac und Highballs einen kräftigen Roggen mit 46 % vol. zu fairem Preis will, ist hier gut bedient. Dafür vergeben wir 3,5 Punkte: ehrlich, würzig, aber ohne Tiefe im Abgang.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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