Shinobu Pure Malt 10 Jahre – Mizunara-Veredelung aus Niigata
Der Shinobu Pure Malt 10 Jahre Mizunara Finish ist ein Whisky von der Westküste der Hauptinsel Honshū, aus der Hafenstadt Niigata. Dort arbeitet Ken Usami, der seine Laufbahn als Bierbrauer begann und seit einigen Jahren auch Whisky herstellt. Der 10-Jährige trägt eine Altersangabe, kommt mit 43 % vol. in die Flasche und ist ein sogenannter Pure Malt, also ein Blend ausschließlich aus Malt-Whiskys. Sein Merkmal ist das Finish in Mizunara-Eiche, jenem japanischen Holz, das sonst vor allem in sehr hochpreisigen Whiskys vorkommt.
Geschichte: Vom Craft-Bier zum Whisky
Ken Usami gründete 1997 eine Brauerei und brachte mit Niigata Beer ein Bier auf den Markt, das nach Angaben des Fachmagazins The Spirits Business als erstes in Japan mit Flaschengärung und Lagerung gebraut wurde. 2017 erhielt er die erste Whiskylizenz der Stadt Niigata; die Shinobu-Destillerie gilt dort als erste Whiskybrennerei, je nach Quelle wurde sie 2017 oder 2018 gegründet. Der Name „Shinobu“ bedeutet Geduld oder Ausdauer, passend zu einem Unternehmen, das erst nach und nach zu eigenem Destillat kommt.
Als Partner und Mitinhaber der Marke The Shin tritt die Shin Group auf, einer der großen japanischen Spirituosen-Händler. Die Gruppe arbeitet nach Angaben des Magazins unter anderem mit der Eigashima-Brennerei in Hyōgo zusammen. Laut Spirits Business waren zwei Pot Stills von Carl aus Deutschland mit 3.000 und 2.000 Litern bestellt, und weitere Anlagen mit Erdwärme sind geplant. Zu den Kernprodukten zählen der Shinobu Blended und der Shinobu Pure Malt, die zu den Bestsellern der Marke zählen.
Der Shinobu Pure Malt 10 Jahre im Speziellen
Die Linie wurde 2018 eingeführt. Sie ist laut Whisky Advocate nicht kühlgefiltert und ohne Farbstoff abgefüllt. Entscheidend ist die Arbeitsweise: Usami kauft Malts zu, blendet sie und veredelt das Ergebnis in Mizunara-Fässern. Wo die Malts herkommen, legt das Haus nicht offen. Datenbanken wie whisky.com schreiben, dass Whiskys aus aller Welt zum Einsatz kommen; andere Händler sprechen schlicht von zugekauften Malts. Für die Einordnung heißt das: Ob die einzelnen Bestandteile alle aus Japan stammen, ist öffentlich nicht belegt. Wer sich für diese Frage interessiert, findet die Grundlagen im Beitrag Was darf sich „Japanese Whisky“ nennen?.
Die Reifung besteht laut Whisky Advocate aus Sherry- und Bourbonfässern, anschließend folgt das Finish in Mizunara. Warum diese Eiche für Aufsehen sorgt, erklärt unser Artikel Mizunara-Eiche: Das Holz, das japanischen Whisky prägt. Beim Shinobu soll das Holz laut Hersteller Noten von Sandelholz, Kokos, Gewürzen und Weihrauch beitragen. Im Sortiment steht der 10-Jährige zwischen der Version ohne Altersangabe und dem 15-Jährigen; Whisky Advocate bewertete die drei Abfüllungen mit 89, 91 und 92 Punkten, alle bei 43 % vol. Der Zehnjährige liegt in der Wertung also nur knapp unter dem ältesten Bruder.
Verkostungsnotiz
Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, z. B. von Whisky Advocate und dem Händler Nick's Import.
- Farbe: Kupfriges Topasgold.
- Nase: Muskat, Vanille und getrocknete Äpfel, daneben eine honigartige Fülle und eine deutliche Mizunara-Prägung; mit der Zeit Pfeifentabak und Menthol.
- Gaumen: Cremig und rund: Pannacotta, Dosenpfirsich und Butterscotch, später laufen Gewürze auf, die in Richtung Malz, gebackene Zitrusfrüchte und Schokolade-Granola ziehen.
- Abgang: Lang und cremig, mit getrockneten Früchten und leicht öliger Textur.
Genuss-Empfehlung
Dieser Whisky eignet sich für ruhige Abende ohne Eile. Pur und bei Zimmertemperatur in einem kleinen Tulpenglas lässt er die Vanille- und Fruchtnoten gut hören; ein Tropfen Wasser öffnet die Gewürze. Für Highballs ist er zu schade, dafür passt er in einen kurzen Mizuwari mit zimmerwarmem Wasser.
Am besten korrespondiert er mit Süßspeisen, die seine eigenen Töne aufgreifen: Vanille-Pannacotta mit Pfirsich, Mandelgebäck oder Reiskekse mit Honig.
Einordnung & Alternativen
- Nikka Taketsuru Pure Malt – der klassische japanische Pure Malt eines großen Hauses, kräftiger und mit etwas mehr Rauch.
- Hatozaki Pure Malt – ebenfalls ein Blended Malt mit Mizunara-Anteil, aber deutlich jünger (die Malts sind laut Hersteller fünf bis sechs Jahre alt).
- Kurayoshi 8 Jahre Pure Malt – fruchtiger und leichter, mit weniger Holzwürze.
Fazit
Der Shinobu Pure Malt 10 Jahre Mizunara Finish lebt von Textur und Süße statt von Rauch und Kraft. Wer cremige, gewürzte Whiskys mit Holznoten mag, bekommt hier einen sauber gemachten Pure Malt, der bei Whisky Advocate 91 Punkte erreichte. Man sollte allerdings wissen, dass die Herkunft der Malts nicht offen dokumentiert ist; die Faszination liegt weniger in der Brennereihandschrift als im Blending und im Mizunara-Finish. Als Ergänzung zu den etablierten japanischen Namen ist er ein spannender, sanfter Gegenentwurf.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche internationale Whiskys

Hatozaki Pure Malt Whisky
Hatozaki Pure Malt: ein Blended Malt aus Akashi, 46 % Vol., naturfarben und nicht kühlgefiltert, mit Malz, Birne, Honig und einem Hauch Rauch.

Nikka Taketsuru Pure Malt Whisky
Blended Malt aus Yoichi und Miyagikyo mit Sherry-Würze, Zitrus und leichtem Rauch: Nikka Taketsuru Pure Malt, 43 % vol., ohne Altersangabe.

Kurayoshi 8 Jahre Pure Malt Whisky
Kurayoshi 8 Jahre Pure Malt: ein fruchtiger Malt-Blend von Matsui in Tottori mit Apfel, Aprikose und Honig, 43 % vol. und aus Bourbonfässern.

Hakushu 12 Jahre Japanischer Single Malt
Frisch und grün statt schwer: Der Hakushu 12 Jahre aus den Bergwäldern von Yamanashi zeigt Birne, Minze und einen leisen Hauch Rauch.

Mizunara-Eiche: Das Holz, das japanischen Whisky prägt
Krumm gewachsen, porös und langsam: warum die japanische Eiche Mizunara Fassbauer fordert und Whisky Sandelholz- und Weihrauchnoten schenkt.

Was darf sich „Japanese Whisky“ nennen? Die neuen Etikettenregeln
Reifung, Brennerei und Abfüllung in Japan: die Regeln des Branchenverbands JSLMA im Detail und die Frage, wen sie überhaupt binden.

Die Geschichte des japanischen Whiskys: Von Yamazaki bis zur Weltspitze
Zwei Pioniere, ein schottisches Vorbild und ein Bruch 1934: der Weg des japanischen Whiskys von der ersten Brennerei bis zur weltweiten Knappheit.

Whisky-Fassreifung erklärt: Sherry Cask, Bourbon Cask & Fassstärke
Warum ein Whisky aus Taiwan in wenigen Jahren reift, wofür ein Fass wirklich gut ist – und was hinter Cask Strength und Single Cask tatsächlich steckt.