Starward Nova – Rotwein, Beeren und australische Sonne
Der Starward Nova ist der Single Malt, mit dem die Melbourner Brennerei Starward ihre Philosophie am deutlichsten zeigt: Er reift nicht in europäischen Altfässern, sondern in Fässern, die zuvor australischen Rotwein enthielten. Das Ergebnis ist ein fruchtiger, weicher Whisky ohne Härte, der Wein- und Malzcharakter selbstverständlich verbindet.
Der Nova richtet sich an Trinker, die Whisky bisher für spröde hielten, und an Kenner, die sehen wollen, was ein junges Whiskyland jenseits von Schottland und Japan zu bieten hat.
Geschichte: Ein Whisky aus der Stadt
Starward wurde von David Vitale gegründet, die Gründung wird übereinstimmend auf 2007 datiert. Die Brennerei begann in einem früheren Flugzeughangar am Rande von Melbourne und zog 2016 nach Port Melbourne um. Die ersten Whiskys kamen 2013 auf den Markt. Hinter der Brennerei steht die New World Whisky Distillery. Zu den Anteilseignern zählen laut einer Fachseite private Investoren und Mitarbeiter sowie ein kleinerer Anteil von Distill Ventures; die Kontrolle liege beim Vorstand der Brennerei.
Der Nova war eine der ersten Abfüllungen und lief zunächst unter dem Namen Wine Cask. Später wurde er umbenannt und ist heute ein fester Teil der Kernreihe. Heute umfasst das Sortiment unter anderem den Solera aus Apera-Fässern, den Two-Fold aus zwei Getreidearten, den Fortis mit 50 % Vol. und zeitlich begrenzte Sonderabfüllungen der Project Series. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Starward Distillery.
Der Nova im Speziellen
Nova ist ein Single Malt mit 41 % Vol. Eine Altersangabe gibt es nicht; eine Quelle spricht von rund drei Jahren, die Brennerei selbst nennt keine feste Zahl. Gereift wird komplett in australischen Rotweinfässern von Weingütern der Region, die Shiraz, Cabernet Sauvignon und Pinot Noir ausgebaut haben. Es handelt sich also um eine echte Reifung im Weinfass, nicht um ein kurzes Finish.
Innerhalb der Reihe ist der Nova der zugänglichste Einstieg. Wer mehr Intensität sucht, findet sie im Starward Fortis, der mit 50 % Vol. und ebenfalls in amerikanischen Eichen-Rotweinfässern gereift abgefüllt wird.
Herstellung: Brauerhefe, Doppelbrand und nasse Fässer
Starward verwendet australisches Braugerstenmalz, das mit Brauhefe bei vergleichsweise hohen Temperaturen vergoren wird. Gebrannt wird zweifach in Kupferbrennblasen: einer Wash Still mit 7.000 Litern und einer Spirit Still mit 3.600 Litern. Die Brennerei bedient sich einer ungewöhnlichen Fasspraxis: Die Fässer kommen oft innerhalb weniger Tage nach der Entleerung vom Weingut und werden mit frischem Destillat befüllt, solange das Holz noch feucht vom Wein ist. Weil kein Schwefel verwendet wird, müssen die Fässer nicht neu ausgebrannt werden, sie werden nur minimal behandelt. Das trockene Klima lässt Wasser schneller verdunsten als Alkohol, weshalb die Fassstärke während der Reifung ansteigt; so zeigt auch ein junger Whisky bereits Tiefe.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Bronze mit leichtem Rotschimmer.
- Nase: Rote Beeren, Äpfel, Birnen und Pflaumen, dazu Vanille, Zimt und Nelke. Dahinter etwas Eichenwürze und Honig.
- Gaumen: Weich und süß, Vanille, Karamell und Rosinen, dazu rote Früchte. Später kommen Honig, Zimt und weißer Pfeffer, getragen von einem leichten Tannin.
- Abgang: Mittellang bis lang, fruchtig mit weichen Gewürznoten und feinem Rotweintannin.
Der Nova ist ein Whisky mit klarem Fassprofil. Bemerkenswert: Das Destillat wird nach Angaben eines Fachberichts mit etwa 55 % Vol. eingefüllt und steigt im Fass oft auf 61 bis 62 % Vol., bevor er auf Trinkstärke gebracht wird. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass der Whisky trotz seiner 41 % Vol. mehr Substanz zeigt, als man erwartet. Der Wein prägt Farbe und Frucht, ohne die Malzbasis zu verdrängen. Es schwingt eine gewisse süße Süffigkeit mit, die manche sofort mögen, während Puristen ihn wegen der Rotweinnoten als untypisch empfinden könnten. Rauch spielt keine Rolle.
Genuss-Empfehlung
Pur im Nosing-Glas oder Tumbler ist der Nova am besten, mit einem Tropfen Wasser öffnen sich die Beeren. Auf Eis wird er weicher und süffiger, ohne zu verflachen. Als Serviervorschläge werden auch Highball und Manhattan genannt, und tatsächlich harmoniert die Weinfrucht gut mit rotem Wermut.
Zum Essen passt er zu dunkler Schokolade, Entenbrust mit Beerensauce oder gereiftem Hartkäse.
Einordnung & Alternativen
- Starward Fortis: Dieselbe Brennerei mit höherer Stärke und mehr Eichendruck, die logische nächste Stufe.
- Kavalan Solist Vinho Barrique: Ein taiwanesischer Single Malt aus Weinfässern, ebenfalls fruchtig, aber deutlich üppiger.
- Amrut Intermediate Sherry: Ein indischer Single Malt mit Sherryeinfluss, kräftiger und würziger im Profil.
Fazit
Der Starward Nova ist ein runder, fruchtiger Einstiegs-Single-Malt aus Australien, der zeigt, wie Rotweinfässer einen Whisky formen können. Er ist weich, zugänglich und trotz seiner Jugend bemerkenswert vielschichtig; Komplexität auf Höhe älterer Abfüllungen sollte man bei 41 % allerdings nicht erwarten. Weil er sein Konzept so stimmig umsetzt und sich als Mixer wie als Sipping-Whisky eignet, vergeben wir 4 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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