Irish Whiskey

The Tyrconnell 10 Jahre Madeira Finish

4/5 Redaktionsbewertung
46 % vol.Mittelklasse10 Jahre Ex-Bourbon-Fässer, danach Madeira-FinishCounty Louth, Irland (Cooley Distillery, nach Händler- und Fachangaben)
Irish WhiskeySingle MaltWhisky
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The Tyrconnell 10 Jahre Madeira Finish – ein Rennpferd im Fass

Der The Tyrconnell 10 Jahre Madeira Finish ist ein irischer Single Malt, der zehn Jahre lang im Fass reift und anschließend in Fässern nachreift, die zuvor Madeira enthielten. Abgefüllt wird er mit 46 % Vol. Er gehört zu den drei zehnjährigen Finish-Abfüllungen der Marke, neben Port- und Sherry-Variante, und wird in Verkostungsberichten häufig als die zugänglichste der drei genannt.

Interessant ist der Whiskey vor allem wegen des Kontrasts: Die Basis ist ein leichter, doppelt gebrannter Malt aus Gerste, das Finish bringt Rosine, Nuss und Gewürz hinzu, ohne den Charakter zu übertönen.

Geschichte: Ein Pferd, ein Brenner und eine lange Pause

Der Name geht auf ein Rennpferd zurück. Nach Angaben der Marke gewann 1876 der Fuchshengst Tyrconnell die National Produce Stakes, und der Brenner Andrew Alexander Watt feierte den Außenseitersieg mit einem kleinen Sonderabzug, der später zu seinem erfolgreichsten Whiskey wurde. Wem das Pferd gehörte, ist je nach Quelle unterschiedlich: Die Marke nennt einen R. M. Delamere, andere Darstellungen sprechen von einem Pferd Watts. Der Name selbst verweist auf Tír Chonaill, das alte gälische Königreich im heutigen Donegal.

Watt betrieb in der Abbey Street in Derry eine der größten Brennereien Irlands. Sie schloss in den 1920er-Jahren, das genaue Jahr schwankt je nach Quelle zwischen 1921 und 1925, und die Marke verschwand für Jahrzehnte aus den Regalen. John Teeling sicherte sich den Namen nach mehreren Quellen 1988 gemeinsam mit weiteren Beständen für seine Cooley Distillery. Eine Quelle nennt 1993 als Jahr der Neueinführung als Single Malt ohne Altersangabe, damals noch mit 40 % Vol.

Heute wird die Marke von der Kilbeggan Distilling Company geführt, die zu Suntory Global Spirits gehört. Der Weg dorthin führte über den Verkauf von Cooley an Beam Inc. um 2011/2012 und die spätere Übernahme von Beam durch Suntory, wie es auch im Beitrag zum Connemara Original steht. Die Hintergründe der Teeling-Familie nach dem Verkauf erzählt das Porträt der Teeling Distillery.

Der Tyrconnell Madeira im Speziellen

Im Sortiment steht der Madeira Finish zwischen dem Basis-Malt ohne Altersangabe und den älteren Sonderabfüllungen. Die Herstellerseite beschreibt ihn als zehnjährig und im Anschluss in Madeirafässern veredelt. Als Grundlage nennen Händler und Fachmagazine Ex-Bourbonfässer. Wie lange das Finish dauert, gibt die Marke beim Madeira nicht an; für die Port- und die Sherry-Variante nennt sie sechs bis acht Monate, was ein sinnvoller Anhaltspunkt, aber keine bestätigte Angabe für diese Flasche ist.

Madeira ist ein aufgespriteter Wein von der gleichnamigen portugiesischen Insel, der durch Wärme und Oxidation gereift wird. Entsprechend bringen die Fässer eher Trockenfrucht, Nuss und Karamell mit als frische Beerenfrucht. Zur Einordnung des Verfahrens hilft der Beitrag über Fassreifung.

Zur Kühlfiltrierung und zur Färbung finden sich in den Herstellerangaben keine Aussagen. Wir treffen deshalb keine eigene Behauptung; im Zweifel lohnt der Blick aufs Etikett. Mehr dazu steht im Beitrag über Kühlfiltrierung und Naturfarbe.

Herstellung: Gerste, Pot Still, zwei Durchgänge

Der Tyrconnell ist laut Marke ein doppelt gebrannter Single Malt. Händlerbeschreibungen sprechen von hundert Prozent gemälzter Gerste und kupfernen Pot Stills. Zwei statt drei Brennvorgänge sind in Irland zulässig; der Beitrag über Pot Still und Dreifachdestillation erklärt, warum das Etikett „dreifach gebrannt“ keine Pflicht ist. Nach verbreiteter Ansicht bleibt dadurch mehr Malzcharakter im Destillat erhalten, was dem späteren Weinfinish eine stabile Unterlage geben kann.

Als Brennerei nennen Fachquellen und Händler die Cooley Distillery. Auf der aktuellen Herstellerseite taucht stattdessen Kilbeggan als Adresse der Marke auf, deshalb schreiben wir bei der Herkunft vorsichtig „nach Händler- und Fachangaben“.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Helles Gold bis Honig.
  • Nase: Honig und goldene Rosinen, dazu Walnuss und eine leicht florale Weinnote. Die Marke beschreibt außerdem salzige rote Früchte, die mit etwas Zeit im Glas hervortreten.
  • Gaumen: Weich und eher schlank im Körper, mit Kleehonig, gerösteten Mandeln und Orangenschale. Geröstetes Eichenholz und Gewürz geben Halt, am Rand blitzt Frucht auf.
  • Abgang: Mittellang, trocken, mit Kakao, Karamell und Piment, zum Schluss etwas Eiche.

Das Profil ist klar und aufgeräumt. Rauch spielt keine Rolle, die Süße bleibt eher honigartig als zuckrig, und die Madeira-Note wirkt wie ein Gewürz, nicht wie eine Zuckerglasur. Wer den Basis-Malt kennt, erlebt hier die Variante mit mehr Würze und Tiefe. Wer dagegen Sherry-Wucht erwartet, wird die Zurückhaltung bemerken: Der Finish-Einfluss ist spürbar, aber nicht dominant.

Genuss-Empfehlung

Am besten schmeckt der Whiskey pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur. Ein paar Tropfen stilles Wasser öffnen die florale und honigsüße Seite, ohne die 46 % Vol. zu verwässern. Auf einem großen Eiswürfel verliert er an Nuss und Gewürz, ist aber an warmen Tagen als Aperitif vertretbar. In einem Old Fashioned macht sich die Madeira-Note als Rosinen- und Nusstupfer bemerkbar, dann genügen ein Spritzer Orangenbitter und wenig Zucker.

Zum Essen passen Walnusskuchen, Mandelgebäck, reifer Cheddar oder ein Stück dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil.

Einordnung & Alternativen

  • Connemara Original: Ebenfalls ein Malt aus dem Umfeld von Cooley, aber getorft und mit 40 % Vol. deutlich rauchiger.
  • Teeling Single Malt: Ein Dubliner Malt mit fünf Fasstypen, darunter Madeira, und noch fruchtigerem Charakter.
  • Bushmills 10 Jahre: Der klassische, dreifach gebrannte Zehnjährige aus Nordirland ohne Finish, als Vergleich für die Basis.

Fazit

Der Tyrconnell 10 Jahre Madeira Finish ist ein ehrlicher, gut gemachter irischer Single Malt, der mit Honig, Nuss und Gewürz überzeugt und das Fassfinish dezent einsetzt. Er richtet sich an Neugierige, die irischen Malt mit etwas mehr Charakter suchen, und an Freunde von Weinfass-Finishs, denen Sherry zu schwer ist. Abzüge gibt es für die schwache Herstellerauskunft zu Finish-Dauer, Filtration und Färbung sowie für den eher schlanken Körper. Für das stimmige Profil und die zehn Jahre Reife vergeben wir deshalb 4 Punkte.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche3/5

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