Yellow Spot 12 Jahre – ein Dubliner Händlerwhiskey aus drei Fasstypen
Der Yellow Spot 12 Jahre ist ein Single Pot Still Whiskey, der in der Midleton Distillery in der Grafschaft Cork gebrannt wird und zwölf Jahre in drei verschiedenen Fasstypen reift: amerikanischen Ex-Bourbonfässern, spanischen Sherry-Butts und spanischen Malaga-Fässern. Gerade der Malaga-Anteil ist das, was ihn von seinen Nachbarn im Sortiment unterscheidet. Seinen Namen verdankt er einem gelben Farbfleck, mit dem ein Dubliner Weinhändler einst seine Fässer kennzeichnete.
Geschichte: Farbflecken auf den Fässern eines Dubliner Weinhändlers
Die Geschichte des Yellow Spot beginnt nicht in einer Brennerei, sondern bei Mitchell & Son, einem Dubliner Weinhändler, der nach eigener Darstellung 1805 gegründet wurde. Die Familie handelte zunächst mit Whiskey und begann nach Angaben von Fachquellen um 1887 damit, ihn selbst im Fass reifen zu lassen. Sie kaufte junges Destillat von John Jamesons Dubliner Brennerei und ließ es in eigenen Fässern reifen. Zur Unterscheidung markierte man die Fässer mit farbigen Flecken: Blau stand für acht Jahre, Grün für zehn, Gelb für zwölf und Rot für fünfzehn.
Diese vier „Spot“-Whiskeys wurden im 20. Jahrhundert nach und nach eingestellt. Bis 1968 hatte Mitchell & Son Whiskey an Jameson in Fässern gekauft und selbst abgefüllt; dann stellte Irish Distillers die Belieferung von Händlern mit Fassware ein. Danach füllte Irish Distillers den Green Spot weiter ab, der zehnjährige Vertreter der Reihe blieb damit als einziger erhalten. Der Yellow Spot war zuletzt in den 1950er- oder frühen 1960er-Jahren im Handel, die Quellen nennen hier leicht abweichende Zeitpunkte.
Im Mai 2012 brachte Irish Distillers den Yellow Spot als 12-Jährigen zurück, im Rahmen des Plans, jedes Jahr einen neuen Single Pot Still zu veröffentlichen. Die Meister der Midleton Distillery rekonstruierten ihn anhand alter Verkostungsnotizen von Mitchell & Son. Zum Start waren zunächst etwa 500 Kisten pro Jahr vorgesehen. Die Marke gehört Irish Distillers, während Mitchell & Son die Vermarktungsrechte in Irland behält. Wer sich für die Brennerei selbst interessiert, findet sie im Porträt Midleton Distillery – Irland.
Der Yellow Spot 12 Jahre im Speziellen
Der Yellow Spot wird mit 46 % vol. und ohne Kühlfiltrierung abgefüllt. Die zwölfjährige Reifung findet in drei Fasstypen statt: Ex-Bourbonfässer aus amerikanischer Eiche, Sherry-Butts aus spanischer Eiche (500 Liter) und Malaga-Fässer, die zuvor Malaga-Wein enthielten. Ein Hinweis aus einer Verkostung vermutet, dass bereits das historische Original Malaga-Fässer verwendet hat. Anders als beim Green Spot, der als frischer, leichterer Einstieg gilt, ist der Yellow Spot etwas dichter und gewürzbetonter. Im Sortiment steht er nicht als Alternative zu den sherrygeprägten Redbreast-Abfüllungen, sondern ergänzt sie um einen helleren, würzig-fruchtigen Charakter.
Herstellung: Drei Fässer, ein Destillat
Gebrannt wird der Whiskey aus einer Maische von gemälzter und ungemälzter Gerste, dreifach in kupfernen Pot Stills. Irische Regeln verlangen für einen Single Pot Still jeweils mindestens 30 % gemälzte und ungemälzte Gerste. Die ungemälzte Gerste verleiht dem Destillat die typische Würze und ölige Textur, die auch beim Yellow Spot im Vordergrund steht. Die Besonderheit liegt nicht im Brennverfahren, sondern in der Fassauswahl: Die Sherry-Butts und die Malaga-Fässer wurden nach Angaben eines Fachportals jeweils rund zwei Jahre mit Sherry beziehungsweise Malaga-Wein belegt, bevor sie mit Whiskey befüllt wurden.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Reifes Gold, leicht gelblich.
- Nase: Frisch geschnittenes Heu, schwarzer Pfeffer, Muskat und Gewürznelke, dazu Honig und Pfirsich aus den Malaga-Fässern; je nach Verkoster auch grüner Tee, Vanillepudding und Trockenfrüchte.
- Gaumen: Honigsüße trifft auf Pot-Still-Würze. Kaffee, Milchschokolade und Crème brûlée, dazu roter Apfel und geröstete Eiche. Anfangs würzig und griffig, später cremiger und ölig.
- Abgang: Mittellang bis lang, würzig und mit süßen Anklängen von roten Trauben; am Ende bleibt trockene Gerstenwürze, bei Zugabe von Wasser mehr Vanille und Honig.
Genuss-Empfehlung
Der Yellow Spot zeigt sich am besten pur im Nosing-Glas bei Zimmertemperatur. Ein paar Tropfen stilles Wasser machen ihn cremiger, zarter und leicht blumig, nehmen dabei aber etwas von der Würze. Zu viel Kälte wäre ungünstig, weil sie die feinen Heu- und Pfefferaromen betäubt. Zum Essen passt vieles Herzhaft-Süßliche: gebratene Ente mit Orangensauce, mild gereifter Gouda, Crème brûlée oder ein einfacher Apfelkuchen. Wer ihn zum Dessert trinkt, sollte auf eine zu intensive Süße achten, denn der Whiskey selbst bringt schon Honig und Vanille mit.
Einordnung & Alternativen
- Green Spot – der jüngere Bruder der Reihe, frischer und leichter.
- Redbreast 12 Jahre – sherrylastiger, ölig und süßer.
- Midleton Very Rare – das Spitzenprodukt des Hauses, eleganter und deutlich höher positioniert.
Fazit
Der Yellow Spot 12 Jahre ist ein stimmiger, ungewöhnlicher Pot-Still-Whiskey, der durch die Malaga-Fässer eine eigene Handschrift erhält. Die Testberichte fallen überwiegend positiv aus, manche loben die Balance, andere finden ihn anfangs würzig und herausfordernd, bevor die süßen Noten zum Vorschein kommen. Wer den Green Spot schätzt und mehr Tiefe sucht, findet hier den logischen nächsten Schritt; wer es sherrylastiger mag, wird beim Redbreast 15 Jahre fündig. Preislich liegt der Yellow Spot im Premium-Segment und rechtfertigt das mit der zwölfjährigen Reifung und der ungewöhnlichen Fassmischung.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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