Togouchi Premium – ein Blend aus dem Eisenbahntunnel
Der Togouchi Premium Blended Japanese Whisky ist ein leichter, getreidebetonter Blend mit 40 % vol., der eine ungewöhnliche Geschichte mitbringt: Gereift wird er nicht in einem klassischen Lagerhaus, sondern in einem stillgelegten Eisenbahntunnel in den Bergen der Präfektur Hiroshima. Dort herrschen das ganze Jahr über nahezu konstante Bedingungen, und genau darauf baut die Marke ihren Charakter auf.
Wer die Flasche kauft, sollte zwei Dinge wissen. Erstens ist sie ein zurückhaltender, sauberer Whisky ohne große Wucht. Zweitens ist die Herkunft der Destillate je nach Abfüllung und Quelle uneinheitlich beschrieben, und das lohnt einen genauen Blick auf das Etikett.
Geschichte: Vom Sake-Haus zur Tunnelreifung
Hinter Togouchi steht die Sakurao Brewery & Distillery in Hatsukaichi, westlich von Hiroshima. Das Unternehmen firmierte bis 2021 als Chugoku Jozo und wurde nach den meisten Quellen 1918 gegründet. Lange Zeit lag der Schwerpunkt auf Sake und Shochu. Die Whiskymarke Togouchi kam nach mehreren übereinstimmenden Berichten 2003 auf den Markt; die Bezeichnung geht auf den Ort Togouchi zurück, in dessen Nähe der Reifetunnel liegt.
Der Tunnel wurde in den 1970er-Jahren für eine Bahnstrecke gebohrt, die nie fertiggestellt wurde. Zur Länge schwanken die Angaben je nach Quelle zwischen rund 360 und knapp 390 Metern. Einig sind sich die Beschreibungen darin, dass die Temperatur bei etwa 14 °C und die Luftfeuchtigkeit bei etwa 80 % liegt. Das soll die Verdunstung dämpfen und die Reifung ruhig halten. Als eigene Brennerei ging Sakurao erst später in Betrieb, die Anlage am Ufer der Seto-Inlandsee entstand nach den üblichen Berichten 2017 und 2018, die ersten eigenen Single Malts folgten 2021.
Der Togouchi Premium im Speziellen
Der Premium ist die Einstiegsabfüllung der Linie, trägt keine Altersangabe und wird mit 40 % vol. abgefüllt. Nach den Produktangaben reift er in Bourbonfässern; die Bandbreite der Linie reicht darüber hinaus von älteren Blends bis zu Single Malts und Finishes in Sake-Fässern.
Heikel wird es bei der Frage, was genau im Blend steckt. Mehrere Fach- und Produktbeschreibungen berichten, dass der klassische Togouchi Premium aus leicht getorftem Malt aus Schottland und Grain-Whisky aus Kanada besteht, der in Japan gereift, vermählt und verdünnt wird. Jüngere Quellen schreiben dagegen, dass die Linie inzwischen auf Destillat der eigenen Brennerei umgestellt wurde, wobei die Jahresangaben (2022 bis 2024) auseinandergehen. Wir können nicht belegen, welche Variante in der jeweiligen Flasche steckt.
Herstellung: Wasser, Blending, Ruhe
Für die Verdünnung auf Trinkstärke nennt die Marke Wasser aus dem Fluss Oze. Die Vermählung übernimmt der Blender des Hauses. Das Prinzip kennt man aus Schottland und Irland: Malt gibt Aroma, Grain macht den Whisky leicht und weich. Beim Togouchi soll die gleichmäßige Tunnelluft den Holzeinfluss gering halten, was zum hellen, frischen Stil passt.
Zur Einordnung hilft der Artikel über die Etikettenregeln für japanischen Whisky: Der Branchenstandard verlangt, dass Gärung und Destillation in Japan stattfinden. Importierter Whisky, in Japan nur gereift und abgefüllt, erfüllt das nicht. Das Etikett verwendet je nach Charge entweder „Japanese Whisky“ oder eine neutralere Bezeichnung wie „World Blend“. Wer Wert auf die Herkunft legt, schaut deshalb auf die Rückseite der Flasche.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold bis Strohgelb.
- Nase: Frisches Getreide, Honig und grüner Apfel, dazu grasige Töne, Walnuss und ein sehr leiser Rauchhauch.
- Gaumen: Leicht und glatt, mit Süße von Honig und Vanille, dazu Haselnuss, ein wenig Schokolade und feiner Pfeffer.
- Abgang: Kurz bis mittellang, mit warmen Gewürzen, einem Hauch Muskat und trockener Malzigkeit.
Insgesamt ist der Togouchi Premium ein stiller Whisky. Er wirkt sauber und gefällig, zeigt aber wenig Tiefe, und manche Verkoster empfinden ihn als dünn. Seine Stärke liegt in der Leichtigkeit, nicht in der Komplexität.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tumbler mit etwas Wasser entfaltet er seine Honig- und Apfelseite am besten. Im Highball funktioniert er gut: Ein Teil Whisky auf drei Teile Soda, viel Eis und eine Zitronenzeste; mehr zu den Zubereitungen steht im Artikel zu Highball und Mizuwari. Als Mizuwari mit kaltem stillem Wasser bleibt der leichte Charakter erhalten. Zum Essen passen Tempura, gegrillter Fisch, Hühnchen-Yakitori und milder Käse.
Einordnung & Alternativen
- Hatozaki Pure Malt Whisky: Ebenfalls ein Blend kleinerer Hersteller mit unklarer Herkunft der Malts, aber mit höherer Abfüllstärke und mehr Malzprofil.
- Suntory Toki: Der bekannteste leichte japanische Blend für den Highball und ein naheliegender Vergleich bei Stil und Zielgruppe.
- Nikka Days: Weich und alltagstauglich, mit klarer Zuordnung zu den Nikka-Brennereien in Japan.
Fazit
Der Togouchi Premium ist ein leichter, freundlicher Blend für Highball und Mizuwari, dessen größter Reiz in der Geschichte der Tunnelreifung liegt. Im Glas bleibt er schlicht, und die uneinheitlichen Angaben zur Herkunft der Destillate mindern die Begeisterung. Empfehlenswert ist er für Neugierige, die einen milden Einstieg und eine besondere Reifungsgeschichte suchen, weniger für Liebhaber von Tiefe und Charakter. Deshalb vergeben wir 3,4 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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