Tullamore D.E.W. XO – wenn ein irischer Blend in Rumfässer umzieht
Fassfinish ist bei Whisky ein Handwerkszeug, um einem bekannten Grundcharakter eine zweite Stimme zu geben. Beim Tullamore D.E.W. XO Caribbean Rum Cask Finish ist diese Stimme die Karibik: Der bekannte Triple-Blend der Marke bekommt einen Schlussakt in Fässern, in denen zuvor Rum lag. Mit 43 % Vol. und ohne Altersangabe ist er eine Antwort auf die Frage, wie viel Rum ein irischer Whiskey verträgt.
Geschichte: Eine Marke mit Umwegen
Die Marke geht auf eine 1829 von Michael Molloy gegründete Brennerei in Tullamore zurück. Ihre Initialen D.E.W. verdankt sie dem Geschäftsführer Daniel Edmund Williams. Die Produktion in Tullamore endete 1954, die Marke blieb erhalten und wurde später bei Midleton gebrannt, bevor sie 1994 an C&C und 2010 an William Grant & Sons ging. Die neue Brennerei in Tullamore nahm 2014 den Betrieb auf, Das Grain-Destillat kam nach Wikipedia zunächst weiter aus Midleton. Mehr zum Haus erklärt unser Porträt der Tullamore Distillery.
Der XO Caribbean Rum Cask Finish im Speziellen
Die Grundlage ist der Hausstil der Marke: ein dreifach destillierter Triple-Blend aus Pot-Still-, Malt- und Grain-Whiskey. Nach Herstellerangaben, die der Branchendienst About Drinks wiedergibt, wurde dieser Blend anschließend in ehemaligen karibischen First-Fill-XO-Rumfässern nachgereift. Dort lag zuvor Demerara-Rum. Wie lange das Finish dauert, nennt der Hersteller nicht, und auch zur Kühlfiltrierung haben wir keine verlässliche Angabe gefunden. Bei 43 % Vol. liegt er drei Prozentpunkte über dem Original; die Altersangabe fehlt, wie bei vielen Fassfinishes. Wie sich Abfüllungen ohne Alter einordnen lassen, erklärt der Beitrag zu NAS-Whisky.
Die Abfüllung erschien 2018: About Drinks meldet am 31. Juli 2018 den Start in Österreich, nach dem Verkaufsstart in Deutschland.
Fassreifung: Was Rum dem Whiskey mitgibt
Rumfässer sind im Whisky weniger verbreitet als Sherry- oder Weinfässer, aber ähnlich wirksam. Das Holz hat vorher Zuckerrohrdestillat aufgenommen und gibt es als Banane, Karamell, Melasse und Gewürz wieder ab. Wie ein Finish im Prinzip wirkt, beschreibt der Beitrag zur Fassreifung. Im Bestand findet sich mit dem Glenlivet Caribbean Reserve ein schottisches Gegenstück, das ebenfalls in Rumfässern nachreifte.
Eine Besonderheit am Rande ist der Name des Rums: Demerara bezeichnet ursprünglich eine Region in Guyana, und Rum dieser Herkunft gilt als dunkel und melassebetont. Ob die Marke tatsächlich Fässer aus Guyana bezog, geben die Quellen nicht her; belegt ist nur die Angabe „Demerara-Rum“ im Zusammenhang mit den XO-Fässern. Auch die Herkunft des Destillats ist nicht eindeutig: The Whiskyphiles führen die Whiskeys des Blends auf Midleton zurück, während die Marke selbst keine Anteile aus Tullamore und Midleton nennt. Wir ordnen ihn deshalb als Blend aus irischen Destillaten mit Rum-Finish ein.
Verkostungsnotiz
Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, etwa von About Drinks, Whisky Saga und The Whiskyphiles.
- Farbe: Mittleres Goldbernstein.
- Nase: Laut Hersteller Vanille und Eiche mit Zitrus, reifer Banane und feinen Gewürzen. Whisky Saga ergänzt tropische Früchte wie Limette und Zitrone, Zuckersüße und eine leicht erdige Seite mit Rhabarber.
- Gaumen: Cremig und weich, mit Karamell und Banane, dazu Datteln und Rosinen. Whisky Saga nennt ihn für 43 % Vol. erstaunlich voll im Körper, mit Zucker, Vanille, tropischer Frucht und milder Würze.
- Abgang: Lang und süß, mit Banane und Karamell; Whisky Saga beschreibt ihn als trocken, mit verbranntem Karamell, Bitterorange und einem Anflug von Eiche.
Whisky Saga bewertet mit 84 von 100 Punkten, The Whiskyphiles mit 81 Punkten. Der zweite Rezensent fand den Whiskey pur herb und empfahl Wasser, weil Zitrus und Gewürz sonst zu stark hervortreten.
Genuss-Empfehlung
Als Digestif im Tulpenglas bei Zimmertemperatur kommt die Süße am besten zur Geltung; ein paar Tropfen Wasser glätten die Gewürzigkeit. Als Mix-Basis ist der Rum-Finish ein dankbarer Kandidat für einen Old Fashioned, bei dem Banane und Karamell die Zuckernote ersetzen, oder für einen Whisky Highball mit Ginger Beer und Limette. Zum Essen passen karamellisierte Ananas, Bananenbrot, gegrillte Hähnchenschenkel mit Honigglasur oder ein Stück dunkle Schokolade.
Einordnung & Alternativen
- Tullamore D.E.W. Original: Das Fundament ohne Finish, leichter und schlichter.
- Tullamore D.E.W. 12 Jahre: Mehr Sherry und Reife statt tropischer Frucht.
- Jameson Caskmates Stout Edition: Ein anderes irisches Fassexperiment mit Stout-Fässern.
Fazit
Der Tullamore D.E.W. XO Caribbean Rum Cask Finish zeigt, dass ein Finish einem Standard-Blend neue Seiten geben kann: Banane, Karamell und Datteln machen aus dem sauberen Hausstil einen süßen, fruchtigen Dram, der mit 43 % Vol. mehr Biss hat als der Original. Wer Rum und Whiskey mag, bekommt hier beides, wer es trocken und torfig liebt, nicht. Für die gelungene Idee und die soliden Kritikerurteile vergeben wir 4 Punkte. Zur Einordnung der Blends insgesamt lohnt der Artikel zu Single Malt und Blended Whisky.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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