Woodford Reserve Double Oaked – Bourbon aus zwei neuen Fässern
Der Woodford Reserve Double Oaked ist die Holz-Variante des Brown-Forman-Bourbons aus Versailles, Kentucky. Der Whiskey reift erst im üblichen neuen, ausgekohlten Eichenfass und wird dann in ein zweites neues Fass umgefüllt, das stark getoastet und nur leicht ausgekohlt ist. Abgefüllt wird er hierzulande mit 43,2 % vol. Im Glas zeigt sich ein süßer, dunkler Bourbon mit Honig, Schokolade, Marzipan und deutlich geröstetem Holz.
Geschichte: Vom Pepper-Anwesen zum Brown-Forman-Flaggschiff
Die Whiskeyherstellung am Standort geht auf Elijah Pepper und das Jahr 1812 zurück, die Kalksteingebäude von 1838 zählen zum National Historic Landmark. 1878 verkaufte die Familie Pepper an Leopold Labrot und James Graham, die Brennerei hieß fortan Labrot & Graham. Brown-Forman erwarb die Anlage 1941 (je nach Quelle 1940), trennte sich in den späten 1960er-Jahren wieder von ihr und kaufte sie Anfang der 1990er zurück, bevor 1996 die Marke Woodford Reserve startete. Den heutigen Brennereinamen trägt der Betrieb je nach Quelle seit 2003 oder 2004.
Die Double-Oaked-Abfüllung ist die erste dauerhafte Erweiterung des Sortiments: Sie wurde im Januar 2012 angekündigt und kam im März 2012 in den Handel. Damals sagte Master Distiller Chris Morris, das Geheimnis liege im zweiten Fass. Gründung, Besitzer und Hausstil der Brennerei beschreibt das Porträt Woodford Reserve Distillery.
Der Double Oaked im Speziellen
Basis ist der Bourbon, den die Marke auch als Distiller's Select kennt: Die Mashbill besteht laut Hersteller aus 72 % Mais, 18 % Roggen und 10 % Gerstenmalz. Das Etikett nennt kein Alter, die Angaben zur Zeit im zweiten Fass sind uneinheitlich; eine Fachseite spricht von etwas weniger als einem Jahr, eine andere von mehreren Monaten.
Bei der Stärke gibt es Unterschiede: In den USA wird der Double Oaked nach Herstellerangaben mit 45,2 % vol. (90,4 Proof) abgefüllt, im deutschen Handel steht die 0,7-Liter-Flasche mit 43,2 % vol. Einige Tester fanden schon die 45,2 % der US-Version etwas dünn im Körper. Dass die Pot-Still-Basis dabei nicht untergeht, liegt an der Rezeptur: Der Roggenanteil sorgt für Würze, die sich gegen die Holzsüße des zweiten Fasses behauptet. Im Sortiment steht er über dem klassischen Woodford Reserve Kentucky Bourbon, mit mehr Süße und Eiche und weniger Fruchtfrische.
Herstellung: Pot Still, dann Fass Nummer zwei
Woodford Reserve destilliert dreifach in kupfernen Pot Stills, ein Teil des Destillats stammt zudem aus einer Säulenanlage in Louisville, und gegoren wird in Zypressenholz-Bottichen, nach Fachangaben rund sechs bis sieben Tage mit einer hauseigenen Hefe. Das Brauwasser stammt nach Herstellerangaben aus Quellen auf dem Gelände und läuft durch Kalkstein. Die Fässer fertigt Brown-Forman in der eigenen Küferei. Für den Double Oaked sind laut Hersteller zwei verschiedene Fässer nötig: Das erste besteht aus Eiche, die neun Monate im Freien gelagert, dann voll getoastet und ausgekohlt wurde. Das zweite wird mehr als doppelt so lange getoastet und anschließend nur leicht ausgekohlt. Das soll laut Hersteller weiche, süße Holzaromen bringen.
Warum Holz so stark prägt, erläutern wir im Beitrag zur Whisky-Fassreifung.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Bernstein bis Kupfer.
- Nase: Dunkle Früchte und Karamell, Honig, Schokolade und Marzipan, dazu geröstete Eiche.
- Gaumen: Vanille und dunkles Karamell, Haselnuss und Apfel, dazu Gewürze und Röstaromen; der Körper ist weich, bei 43,2 % vol. aber nicht sehr voll.
- Abgang: Lang und cremig, mit Honig, gebackenem Apfel und einem Rest Holz.
Genuss-Empfehlung
Pur im Nosing-Glas kommen Marzipan und Schokolade am besten heraus, mit einem großen Eiswürfel wird er süßer und glatter. Im Old Fashioned ist er ein dankbarer Partner, weil seine Süße wenig Zucker braucht; im Manhattan gibt er dem Wermut ein dunkles, nussiges Gegengewicht. Dazu passen Schokoladentarte, Nusskuchen, Crème brûlée, Räucherkäse oder gegrillter Pfirsich mit Vanilleeis.
Einordnung & Alternativen
- Woodford Reserve Kentucky Bourbon – die Basis mit gleicher Rezeptur, fruchtiger und weniger holzig.
- Woodford Reserve Rye Whiskey – aus derselben Brennerei, mit Roggenwürze statt Holzsüße.
- Angel's Envy Kentucky Straight Bourbon – ein anderes Zweitfass-Konzept: Portwein statt frisches Eichenholz.
Fazit
Der Woodford Reserve Double Oaked zeigt, wie viel ein zweites, anders behandeltes Fass verändert: Aus dem Fruchtbourbon wird ein süßer, schokoladiger Holzbourbon mit klarem Wiedererkennungswert. Das Rating von 4,1 würdigt die gelungene Süße und die runde Textur. Abzüge gibt es für die niedrigere Stärke der deutschen Abfüllung, die im Körper Wünsche offenlässt, und die schwankenden Angaben zur Reifezeit im zweiten Fass. Wer den Basis-Woodford mag und mehr Holz sucht, ist hier richtig.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche US Whiskeys

Woodford Reserve Kentucky Bourbon
Reife Kirsche und Orangenschale in samtig-weicher Textur dank dreifacher Pot-Still-Destillation — eleganter als roggenbetontere Bourbons.
Woodford Reserve Rye Whiskey
Weicher Kentucky-Rye mit 53 % Roggen und 45,2 % vol.: Pfeffer, Nelke und Zeder treffen auf Honig, Marzipan und Apfel, ohne die Schärfe der Extremroggen.
1792 Small Batch Bourbon
Roggenwürze trifft Karamell und Kirsche: Der 1792 Small Batch aus Bardstown ist ein solider, würziger Bourbon mit 46,85 % vol. und viel Charakter.

Angel's Envy Kentucky Straight Bourbon
Weicher Bourbon mit Portwein-Finish — reife rote Früchte und Karamell verleihen eine ungewöhnlich fruchtige Süße für amerikanischen Whiskey.

Bourbon: Die gesetzlichen Regeln und die größten Mythen
Mais, neue Fässer, keine Zusätze: Die Bundesregeln sind kurz, die Mythen drumherum lang – von Kentucky-Pflicht bis Mindestreife.

Tennessee Whiskey und der Lincoln County Process
Ein Gesetz, ein Holzkohlefilter und ein Landkreis, der den Prozess nicht mehr beherbergt: Was Tennessee Whiskey rechtlich von Bourbon trennt.

Whisky-Fassreifung erklärt: Sherry Cask, Bourbon Cask & Fassstärke
Warum ein Whisky aus Taiwan in wenigen Jahren reift, wofür ein Fass wirklich gut ist – und was hinter Cask Strength und Single Cask tatsächlich steckt.