Rye Whiskey

Woodford Reserve Rye Whiskey

3,9/5 Redaktionsbewertung
45.2 % vol.MittelklasseNeue amerikanische Eichenfässer, ohne AltersangabeKentucky, USA
Rye WhiskeyUS WhiskeyWhisky
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Woodford Reserve Rye Whiskey – Roggen im Bourbon-Gewand

Der Woodford Reserve Rye wird von Brown-Forman in Kentucky gebrannt und trägt die Handschrift des Hauses: Er schmeckt wie ein Roggenwhiskey, der gelernt hat, sich zu benehmen. Dafür sorgt vor allem ein Rezept, das mit dem Roggen vergleichsweise sparsam umgeht. Wer harte Würze erwartet, wird überrascht, wer vom Bourbon kommt, fühlt sich schnell zu Hause.

Geschichte: Vom Pepper-Anwesen zur Rye-Linie

Die Brennerei bei Versailles in Kentucky geht auf Elijah Pepper zurück, später firmierte sie als Oscar Pepper Distillery. Im 19. Jahrhundert arbeitete dort der Brennmeister James C. Crow, der das Sauermaischverfahren und die Fassreifung maßgeblich mitgeprägt haben soll. 1878 übernahmen Leopold Labrot und James Graham den Betrieb, 1941 erwarb Brown-Forman die Anlage, 1993 kaufte der Konzern sie zurück und restaurierte sie. Die Marke Woodford Reserve startete 1996, den heutigen Namen trägt die Destillerie seit 2004. Mehr zum Haus und zur Bourbon-Linie steht im Artikel zum Woodford Reserve Kentucky Bourbon.

Der Rye ist ein vergleichsweise junger Zweig der Familie. Er kam im Februar 2015 in den USA auf den Markt, nachdem Master Distiller Chris Morris nach eigenen Aussagen seit 2006 Roggenwhiskey eingelagert hatte. Auf den deutschen Markt gelangte die Abfüllung nach Herstellerangaben im September 2016, zunächst nur über Getränkegroßhandel und Gastronomie, heute ist sie auch im Online- und Fachhandel zu finden.

Gründung, Besitzer und Hausstil der Brennerei beschreibt das Porträt Woodford Reserve Distillery – Kentucky.

Der Woodford Reserve Rye im Speziellen

Die Maische besteht nach übereinstimmenden Quellen aus 53 % Roggen, 33 % Mais und 14 % gemälzter Gerste. Das sind nur zwei Prozentpunkte mehr als die gesetzliche Mindestgrenze für Rye, und Morris wählte diese Verteilung bewusst, damit der Charakter der Bourbons des Hauses erhalten bleibt. Die Trinkstärke beträgt 45,2 % vol. (90,4 Proof), jede Flasche trägt eine Batch- und Flaschennummer. Eine Altersangabe gibt es nicht. Als Straight Whiskey muss er mindestens zwei Jahre in frischen, innen ausgekohlten Fässern gelegen haben, Rezensenten vermuten deutlich mehr.

Innerhalb der Marke bildet er neben dem Bourbon die Rye-Linie; später kam zusätzlich eine limitierte Fassstärke-Variante hinzu, die hier nicht besprochen wird.

Herstellung: Zwei Brennereien, ein Destillat

Besonders ist die Herkunft des Destillats. Nach Aussagen von Chris Morris stammt der Rye aus zwei Anlagen: Ein Teil wird in den kupfernen Pot Stills der Woodford Reserve Distillery gebrannt, ein Teil in Brown-Formans Brennerei in Louisville (Shively) in Column Stills. Beide Standorte arbeiten laut Morris mit derselben Hefe und mit ungewöhnlich langer Gärung; weil Roggen beim Brennen zum Schäumen und Verkleben neigt, muss die Maische in der Säulenanlage etwas stärker verdünnt werden als in den Pot Stills.

Manche deutschen Händlertexte und Pressemitteilungen sprechen schlicht von dreifacher Destillation in Kupfer-Pot-Stills. Für den Rye ist das nach den meisten Fachquellen eine Vereinfachung. Wir halten uns an die ausführlichere Darstellung des Master Distillers: eine Mischung aus kräftigerem Pot-Still-Destillat und leichterem Column-Still-Destillat, die sich zu einem gleichmäßigen Profil verbinden. Die Mischung ist Brown-Formans eigener Produktion zuzuordnen, zugekauft wird der Roggenwhiskey demnach nicht. Das ist unter Rye-Marken keine Selbstverständlichkeit, denn viele Konkurrenten beziehen ihr Destillat aus Großbrennereien wie MGP in Indiana.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Kupfriges Bernstein.
  • Nase: Würzig-süß mit Honig, Zeder und Tabakblatt, dazu Zimt, schwarzer Pfeffer, Marzipan, Minze und Apfel.
  • Gaumen: Mittlerer Körper, trocken-würzig mit Nelke, Pfeffer und Zimt, darunter Vanille, geröstetes Malz, gebackener Apfel und etwas Zedernholz.
  • Abgang: Mittellang bis lang, mit Nelke, Karamell und einem Hauch Tabak; die Süße bleibt am Ende erhalten.

Genuss-Empfehlung

Dieser Rye ist ein Whiskey für den Tumbler bei Zimmertemperatur, gern mit einem Spritzer Wasser, der die Honig- und Obstnoten freilegt. Auf Eis bleibt er stabil, ohne dünn zu werden. In der Bar bringt er genug Würze für einen Manhattan mit, ohne den Wermut zu erschlagen, und im Whiskey Sour sorgt der Apfel- und Honigton für Rundheit. Auch ein Vieux Carré profitiert vom milden Roggenprofil. Kulinarisch passt er zu gebratener Ente, Apfelkuchen mit Zimt oder gereiftem Gouda. Mehr zu Geschichte und gesetzlichen Vorgaben von Rye steht im Artikel Rye Whiskey: Geschichte, Gesetz und das große Comeback.

Einordnung & Alternativen

Fazit

Der Woodford Reserve Rye ist ein sauber gemachter, zugänglicher Roggenwhiskey, der vor allem Bourbon-Fans den Zugang zur Rye-Welt erleichtert. Fachleute bescheinigen ihm saubere Machart bei überschaubarer Spannung, und das spiegelt unser Urteil: Er ist gefälliger, als es die Roggenwürze vermuten lässt, aber weniger eigenwillig als seine schärferen Konkurrenten. Wer klassische Rye-Härte sucht, greift anderswo zu, wer einen milden Einstieg und einen alltagstauglichen Cocktail-Rye will, ist hier gut bedient.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche3/5

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