Woodford Reserve Straight Malt Whiskey – Kentucky-Malt mit Maisanteil
Der Woodford Reserve Kentucky Straight Malt Whiskey ist der Versuch einer großen Bourbonmarke, einen Malt Whiskey nach amerikanischen Regeln zu bauen: mindestens 51 % Gerstenmalz, der Rest Mais und etwas Roggen, gereift in neuen Eichenfässern. Er kommt mit 45,2 % vol. in die Flasche und schmeckt nach Nuss, Schokolade und Karamell, nicht nach dem Torf oder Sherry vieler schottischer Vorbilder.
Geschichte: Ein Malt aus dem Bourbon-Haus
Die Brennerei bei Versailles in Woodford County gehört zu Brown-Forman und ist vor allem für ihren Bourbon bekannt. Die Anlage selbst hat eine lange Vorgeschichte, die wir im Porträt ausführlich erzählen. Für diese Flasche zählt eher ein anderes Kapitel: Das Haus verweist auf Kentuckys Malt-Whiskey-Tradition vor der Prohibition und auf historische Rezepte, an denen sich die Abfüllung orientieren soll.
Die Dauerabfüllung kam nach Herstellerangaben im Mai 2018 als viertes festes Mitglied der Kernreihe neben Bourbon, Double Oaked und Rye an den Start und war in den USA ab Juni verfügbar. Berichten zufolge war die erste Auflage binnen zwei Monaten vergriffen; im September 2019 folgte die weltweite Neuauflage, seither gehört sie fest zum Programm. Nach einem Bericht gab es schon 2013 eine limitierte Vorstufe in der Master's Collection, die damals als erster Malt eines großen Kentucky-Brenners seit der Prohibition galt. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Woodford Reserve Distillery.
Der Straight Malt im Speziellen
Der Name ist rechtlich lesbar. "Malt Whiskey" verlangt nach 27 CFR § 5.143 eine Maische mit mindestens 51 % Gerstenmalz, "Straight" mindestens zwei Jahre Reife in neuen, ausgekohlten Eichenfässern und keine Zusätze außer Wasser. Die Grundregeln der US-Whiskey-Typen fasst der Artikel Bourbon: Die gesetzlichen Regeln und die größten Mythen zusammen. Ein Alter nennt das Etikett nicht; nach den Regeln ist er also mindestens zwei Jahre alt, mehr lässt sich nicht belegen. Ein Fassfinish nennt keine der ausgewerteten Quellen.
Die Maische besteht laut mehreren Quellen aus 51 % Gerstenmalz, 47 % Mais und 2 % Roggen. Damit unterscheidet sie sich deutlich vom Bourbon des Hauses mit 72 % Mais, 18 % Roggen und 10 % Gerstenmalz. Die Stärke liegt bei 45,2 % vol. (90,4 Proof), auch im deutschen Handel. Anders als ein schottischer Single Malt darf er also zu fast der Hälfte aus anderem Getreide bestehen; wie Maische und Mindestanteile bei US-Whiskey sonst gestaffelt sind, zeigt unser Artikel zur Mash Bill.
Herstellung: Pot Still, neues Holz
Zur Destillation gehen die Angaben auseinander. Ein Bericht nennt dreifache Destillation in Kupfer-Pot-Stills, wie sie die Marke für ihren Bourbon pflegt. Wir wissen aber, dass bei Woodford ein Teil des Destillats auch aus einer Säulenanlage in Louisville stammt; für diese Abfüllung finden wir keine eindeutige Aussage, welcher Anteil woher kommt. Wir halten deshalb nur fest, dass das Haus die Pot-Still-Tradition betont.
Bei den Fässern gilt die gesetzliche Vorgabe: neue, ausgekohlte amerikanische Eiche. Manche Quellen sprechen von getoastetem, andere von ausgekohltem Holz; beides beschreibt vermutlich dieselben Fässer aus verschiedenen Blickwinkeln, belegt ist es nicht. Die Reifezeit soll nach Aussage der Brennmeisterin Elizabeth McCall der des Bourbons entsprechen. Ein spezielles Malz, eine Torfung oder eine Mehrfachfass-Reifung nennt die Marke nicht.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Warmes Umbra bis Kupfer.
- Nase: Nüsse und Karamell, Milchschokolade, dazu Apfel, getrocknete Früchte, braune Gewürze, ein Hauch Minze und geröstete Eiche. Einzelne Tester finden sie weicher als beim Bourbon.
- Gaumen: Dunkle Schokolade, Karamellnüsse und Kakaopulver, dazu Malzsüße, ein Anflug von Maisbrot, Pfeffer und geröstete Kokosnote. Manche Verkoster erleben ihn pur etwas flach, andere spüren kräftige Würze.
- Abgang: Mittellang bis lang, nussig mit Kakao, Malz und leichter Süße.
Der Straight Malt ist kein schottisch gedachter Single Malt und will auch keiner sein. Er hat die Süße und Rundheit eines Bourbons, ersetzt aber die klassische Vanille-Eiche-Achse durch Nüsse, Kakao und Getreide. Wer Malzbrot und Schokolade mag, findet das hier; wer Frucht und Komplexität sucht, wird bei der Basisflasche der Marke besser bedient.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas kommen Nuss und Schokolade am deutlichsten heraus, ein paar Tropfen Wasser öffnen die Gewürze. Auf Eis wird er süßer und weicher, ein Tester beschrieb dabei reife, karamellisierte Banane. Im Mule mit Ginger Beer und Limette trägt das Malz den Drink gut; im Old Fashioned mit kräftigen Bitters kann er untergehen, hier sparsam dosieren. Zum Essen passen Nusskuchen, dunkle Schokolade, Käsekuchen oder gegrillte Pflaumen mit Mandeln.
Einordnung & Alternativen
- Woodford Reserve Kentucky Bourbon: die Basisflasche des Hauses mit Maisrezept und mehr Frucht.
- Woodford Reserve Double Oaked: ebenfalls aus dem Haus, aber mit zweiter Holzstufe und deutlich mehr Süße.
- Westland Flagship American Single Malt: ein Malt aus den USA mit mehreren Malzen, näher am Single-Malt-Gedanken.
Fazit
Der Woodford Reserve Straight Malt ist ein neugieriger, gut gemachter Nischen-Whiskey, der Bourbon-Fans einen Zugang zu Malz bietet und Scotch-Fans eine Warnung vor falschen Erwartungen. Sein Profil aus Nuss, Kakao und Karamell ist stimmig, die Textur aber nicht außergewöhnlich dicht, und pur gehen die Meinungen der Tester auseinander. Dazu kommt das Fehlen einer Altersangabe und von Details zur Destillation. Deshalb 3,8 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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