Die Kombination im Überblick
Bembel Gin aus dem hessischen Seligenstadt und Goldberg & Sons Tonic Water treffen sich über eine gemeinsame deutsche Markengeschichte, die aromatisch aber in völlig entgegengesetzte Richtungen zeigt. Der Bembel, benannt nach dem traditionellen Steinzeugkrug der hessischen Apfelwein-Kultur, ist als aromatisierter "Flavoured Gin" bewusst rund, fruchtig-würzig und mit nur dezentem Wacholder ausgestattet. Goldberg & Sons wiederum, seit 2013 als eigenständige Marke für den deutschen und europäischen Markt neu aufgelegt, positioniert sich als deutlich trockenere, weniger süße Alternative zu klassischen Massenmarken-Tonics. Die Kombination liegt damit nicht in einer thematischen Nähe der Botanicals, sondern in der Idee, dem weichen, auf Zugänglichkeit ausgelegten Bembel ein Tonic gegenüberzustellen, das genau die Struktur mitbringt, die dem Gin von Haus aus fehlt. Bemerkenswert ist zudem, dass beide Marken auf ihre Weise eine kulturelle Erzählung transportieren: Der Bembel verweist auf die 2022 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannte hessische Apfelweinkultur, während Goldberg seine Wurzeln auf den 1901 aus Frankfurt ins koloniale Indien emigrierten Pharmazie-Unternehmer Jacob M. Goldberg zurückführt – zwei sehr unterschiedliche, aber beide erzählbare Herkunftsgeschichten, die sich hier in einem Glas treffen.
Warum diese Kombination funktioniert
Bembel Gin ist mit einem nur schwach ausgeprägten Wacholder-Fundament und einer runden, leicht süßlichen Frucht-Gewürz-Balance ein Gin, der ohne Gegenpart schnell etwas konturlos wirken kann – ihm fehlt die harzige Wacholderschärfe, die anderen Gins von selbst Struktur verleiht. Genau hier setzt das Goldberg & Sons Tonic Water an: Seine trocken-herbe Rezeptur mit spürbar weniger Zucker als bei klassischen Massenmarken-Tonics und einer dezenten Chinin-Bitterkeit gibt dem Drink ein Rückgrat, ohne die feine Frucht- und Gewürznote des Gins zu überdecken. Die zurückhaltende, nur leicht zitrische Aromatik des Tonics tritt dabei in einen Dialog mit der moderaten Würze des Bembel, statt mit dessen eigener Süße zu konkurrieren – da beide Produkte auf ausgeprägten Zucker verzichten, bleibt die Gesamtsüße der Kombination angenehm niedrig, während die Bitterkeit des Tonics für genügend Kontrast sorgt, um den Drink nicht flach wirken zu lassen.
Verkostung der Kombination
In der Nase zeigt sich der Drink zugänglich und rund, mit der fruchtig-würzigen Basis des Bembel im Zentrum, ergänzt von einer trockenen, dezent zitrischen Note des Tonics. Am Gaumen zeigt sich eine gute Balance: Die moderate Säure sorgt für Kontur, ohne spritzig-frisch zu wirken, während die herbe Bitterkeit des Goldberg der Süße des Gins entgegenwirkt und verhindert, dass der Drink ins Eindimensionale abgleitet. Wacholder bleibt auch hier im Hintergrund, tritt aber durch die trockene Tonic-Struktur etwas deutlicher hervor als im puren Gin. Der Abgang ist mittellang, trocken-würzig mit einem leicht bitteren Nachklang, der den runden, süßlichen Grundcharakter des Bembel gut austariert, ohne ihn zu verdrängen. Insgesamt eine harmonische, unaufgeregte Kombination mit solider, aber nicht überbordender Komplexität.
Serviervorschlag
Serviert wird die Kombination am besten in einem schlichten Longdrinkglas mit reichlich Eis – ganz im reduzierten Stil, für den Goldberg & Sons steht. Ein Verhältnis von etwa 1:2,5 (Gin zu Tonic) lässt der milden Bembel-Aromatik genug Raum, ohne dass die Bitterkeit des Tonics zu dominant wird. Eine dünne Zitronenzeste als Garnitur unterstreicht die vorhandene Zitrusnote beider Komponenten. Wer die hessische Herkunft des Gins zusätzlich betonen möchte, kann den Drink augenzwinkernd im traditionellen "Gerippten"-Glas servieren, wie es auf der Produktseite des Bembel selbst vorgeschlagen wird – ein kleiner regionaler Verweis, der sich hier besonders anbietet, da auch das Tonic für den deutschen Markt konzipiert wurde.
Einordnung & Vergleich
Auf seiner eigenen Produktseite empfiehlt Goldberg & Sons in erster Linie klassische, wacholderbetonte London Dry Gins wie Tanqueray, Broker's oder Sipsmith – Gins also, deren kräftige Wacholdernote von der trockenen Tonic-Struktur bewusst freigelegt wird. Der Bembel zeigt, dass dasselbe Prinzip auch bei einem gänzlich anderen Gin-Typ funktioniert: Statt Wacholder freizulegen, gibt das Goldberg hier einem weichen, aromatisierten Regionalgin die fehlende Struktur. Im Vergleich zu Bembels eigener Empfehlung des milden Fever-Tree Naturally Light Tonic Water bringt das Goldberg deutlich mehr Trockenheit und Bitterkeit ins Glas – wer den Bembel bislang nur als sehr weichen, rundum unauffälligen Gin & Tonic kannte, findet hier eine Variante mit spürbar mehr Kontur.
Fazit
4/5 Punkte. Eine unaufgeregte, aber gut funktionierende Kombination, die zeigt, dass die trockene Zurückhaltung des Goldberg & Sons Tonic Water nicht nur klassischen London-Dry-Gins zugutekommt, sondern auch einem weichen, regional geprägten Flavoured Gin die nötige Struktur verleihen kann. Empfehlenswert für alle, die den Bembel Gin bislang etwas zu konturlos fanden und einen Gin & Tonic mit mehr Trockenheit und dezenter Bitterkeit bevorzugen. Wer dagegen die besonders milde, fruchtig-süße Seite des Bembel in den Vordergrund stellen möchte, ist mit einem der offiziell empfohlenen, süßeren Tonics weiterhin besser beraten.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Weitere Gin & Tonic Kombinationen

Bertha's Revenge Irish Milk Gin & Fever-Tree Aromatic Tonic Water (4/5)
Cremige Molke-Textur trifft auf Angostura-Würze – eine der vielschichtigsten Kombinationen im Programm, bei der 18 Botanicals auf fünf Gewürzaromen treffen.

Black Gin & Schweppes Herbal Tonic Water (4/5)
Schwarzwälder Nadelholz und Waldkräuter treffen auf Rosmarin, Thymian und Oregano – zwei kräuterige Welten, herb statt süß.

Bloom Gin & Fever-Tree Elderflower Tonic Water (5/5)
Kamille und Geißblatt verdoppeln sich mit der Holunderblüte statt zu konkurrieren, während Pomelo für genug Frische sorgt, damit die Süße nicht kippt.
