Bunnahabhain 18 Jahre Whisky

Scotch Whisky

Bunnahabhain 18 Jahre Whisky

4,5/5 Redaktionsbewertung
46.3 % vol.PremiumÜberwiegend Ex-Sherry-Fässer (Oloroso), teils Ex-Bourbon-FässerPort Askaig, Islay, Schottland
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Bunnahabhain 18 Jahre – Sherry und Meeressalz statt Torfrauch

Islay und kein Rauch? Der Bunnahabhain 18 Jahre ist der Beweis, dass die Insel mehr zu bieten hat als Torf. Er stammt von der abgelegenen Nordostküste nahe Port Askaig, wird ungetorft gebrannt und reift 18 Jahre lang überwiegend in Sherryfässern. Mit 46,3 % vol., ohne Kühlfiltrierung und ohne Farbstoff abgefüllt, gilt er unter Fans als einer der rundesten Malts im Kernsortiment des Hauses – dicht, süß-würzig und mit einer salzigen Kante, die an die Küstenlage erinnert.

Geschichte: Ein Dorf am Ende der Straße

Die Brennerei wurde 1881 von der Islay Distillery Company gegründet, hinter der die Brüder William und James Greenlees sowie der Blender William Robertson standen; der erste Brand folgte 1883. Der Name stammt aus dem Gälischen und bedeutet „Mündung des Flusses“, gemeint ist der Margadale. 1887 ging das Unternehmen in der Highland Distilleries Company auf. Schon 1894 erhielt die Anlage elektrisches Licht und gehörte damit zu den frühesten Orten auf Islay mit Strom. Eine Straße zur Brennerei gab es erst 1960: Bis dahin kamen Gerste, Fässer und Arbeitskräfte per Schiff, und die letzte Schiffslieferung ist für 1993 belegt.

Auch Bunnahabhain blieb von den Krisen der Branche nicht verschont. Nach Berichten schloss die Brennerei Anfang der 1980er-Jahre und lief ab 1984 wieder. 2003 verkaufte der damalige Eigentümer an Burn Stewart Distillers, das später in Distell aufging; heute steht die Marke unter dem Dach von CVH Spirits. Mehr zur Brennerei hinter dieser Abfüllung steht im Porträt Bunnahabhain Distillery – Islay.

Der Bunnahabhain 18 im Speziellen

Der 18-Jährige bildet das ältere Ende des Kernsortiments. In seiner heutigen Form existiert er seit dem Relaunch im Sommer 2010: Damals wurde die Stärke auf 46,3 % vol. angehoben, auf Kühlfiltrierung und Zuckerkulör verzichtet und die Flasche überarbeitet. Zu den Fässern kursieren leicht unterschiedliche Angaben. Übereinstimmend heißt es, dass die Reifung weitgehend in Sherryfässern stattfindet; manche Quellen sprechen von einer Mischung aus Ex-Oloroso- und Ex-Bourbon-Fässern, ohne die Anteile zu beziffern. Die tiefe Farbe stammt aus dem Fass, nicht aus dem Farbstoffkännchen.

Im Vergleich zum 12-Jährigen ist der Sherryanteil höher, das Ergebnis dunkler, öliger und gesetzter: weniger Frische, mehr Dichte. Auf dem Etikett begegnet einem der „Steuermann“, ein Seemann mit Schottenmütze am Ruder – ein Motiv, das zur Lage der Brennerei am Sound of Islay passt, wo über Jahrzehnte alles per Schiff kam und ging. Die Fan-Community bewertet die Abfüllung entsprechend wohlwollend: In großen Online-Datenbanken erreicht sie Durchschnittswerte, die selbst für eine 18-jährige Standardabfüllung außergewöhnlich hoch ausfallen.

Herstellung: Ungetorft und klein dimensioniert

Das Malz wird traditionell kaum getorft; als Phenolwert werden etwa 1 bis 2 ppm genannt, was in der Praxis nicht als Rauch wahrnehmbar ist. Gebrannt wird in vier Kupferbrennblasen, zwei Wash Stills mit je 30.000 Litern und zwei Spirit Stills mit je 15.000 Litern. Das Prozesswasser stammt aus der Margadale-Quelle. Damit entsteht ein vergleichsweise weicher, nussig-fruchtiger Brand, der den langen Sherryausbau gut trägt, ohne von der Fassnote erdrückt zu werden. Woher die salzige Nuance genau stammt, ist Interpretationssache; naheliegend ist ein Zusammenspiel aus Destillat, Sherryfass und Küstenlage.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Tiefes Bernstein bis Mahagoni.
  • Nase: Getrocknete Aprikosen, Rosinen, Toffee und honigüberzogene Nüsse; dazu eine Spur Leder, Zimt und Möbelpolitur. Mit Zeit zeigen sich rote Beeren und eine zarte Meeresbrise.
  • Gaumen: Ölig und dicht, mit klarer Sherrynote, gerösteten Maronen, dunkler Schokolade und einem Hauch Meersalz. Muskat, Zimt und etwas Eichenwürze sorgen für Struktur.
  • Abgang: Mittellang bis lang, warm und würzig, mit Trockenfrüchten, Toffee und einer salzigen Spur, die lange nachklingt.

Genuss-Empfehlung

Der Bunnahabhain 18 lebt von seiner Dichte, deshalb sind ein tulpenförmiges Nosing-Glas und Zimmertemperatur die richtige Wahl. Ein paar Tropfen stilles Wasser holen Sherry und Salz noch etwas deutlicher hervor, ohne ihn zu verwässern; Eis dagegen nimmt ihm die feinen Fruchtnoten. Kulinarisch passt er zu dunkler Schokolade mit hohem Kakaoanteil, zu gerösteten Maronen oder Walnüssen und zu gereiftem Hartkäse. Auch ein Stück Früchtebrot oder Weihnachtskuchen harmoniert hervorragend mit den Trockenfrucht- und Gewürznoten. Als Digestif nach einem winterlichen Essen kommt er besonders gut zur Geltung.

Fazit

Der Bunnahabhain 18 Jahre ist ein Whisky für alle, die Sherry-Reifung schätzen und Islay einmal ohne Rauch erleben möchten. Die Bewertungen unabhängiger Tester liegen durchweg hoch, und auch in der Community ist er ausgesprochen beliebt. Preislich liegt er in der gehobenen Klasse, bietet für 18 Jahre Reifung bei 46,3 % vol. und ohne Kühlfiltrierung aber ein stimmiges Gesamtpaket. Wer die leichtere, frischere Seite der Brennerei bevorzugt, bleibt beim Bunnahabhain 12 Jahre; wer wissen möchte, wie dasselbe Haus mit Torfrauch klingt, probiert den Toiteach A Dhà. Im Vergleich zu den meisten Islay-Nachbarn ist der 18-Jährige ein sanftes, nachdenkliches Gegenstück – kein Rauchfeuer, sondern ein Kaminabend.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit4/5
Würze/Eiche3/5

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