Bourbon Whiskey

Evan Williams Black Label Bourbon

3,5/5 Redaktionsbewertung
43 % vol.EinstiegsklasseNeue, innen ausgebrannte amerikanische Weißeichenfässer; mindestens vier JahreKentucky, USA
Bourbon WhiskeyUS WhiskeyWhisky
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Evan Williams Black Label – der Alltagsbourbon mit der großen Legende

Auf dem schwarzen Etikett steht „Since 1783“ und „Kentucky's 1st Distiller“. Das ist ein starker Satz für einen Bourbon, der zu den günstigsten Flaschen im Regal gehört. Der Evan Williams Black Label kommt von Heaven Hill, wird mit 43 % vol. abgefüllt und ist nach Wikipedia die meistverkaufte Variante der Marke. Ob die Gründergeschichte stimmt, ist umstritten. Ob der Bourbon etwas taugt, lässt sich leichter beantworten.

Geschichte: Ein Waliser, ein Datum und die Skepsis der Historiker

Die Marke beruft sich auf Evan Williams, einen aus Wales stammenden Einwanderer, der 1783 in Louisville die erste kommerzielle Brennerei Kentuckys eröffnet haben soll. 1797 wurde er zum ersten Hafenmeister der Stadt gewählt. Der Bourbon-Historiker Michael Veach hält die Brennerei-Erzählung allerdings für unsicher: Die Behauptung vom „ersten Brenner“ taucht laut Wikipedia erst 1892 in einer Veröffentlichung auf, und ein Beleg über eine Reise nach Philadelphia im Mai 1794 spricht dafür, dass die Brennerei später gestartet sein könnte. Das Etikett sagt also nichts darüber, ob die Marke seit 1783 durchgehend existiert.

Der heutige Name stammt von Heaven Hill: Das Unternehmen führte die Marke 1957 ein. Heaven Hill wurde 1935 in Bardstown gegründet und gehört bis heute der Familie Shapira; Näheres zur Geschichte steht im Porträt der Heaven Hill Distillery. Gebrannt wird der Black Label in der Bernheim-Brennerei in Louisville, abgefüllt in Bardstown.

Der Evan Williams Black Label im Speziellen

Der Black Label ist die Standardabfüllung der Marke. Gesetzlich reift ein Straight Bourbon mindestens zwei Jahre, bei diesem Whiskey sind es laut Wikipedia mindestens vier. Bis in die frühen 2000er-Jahre trug die Flasche nach derselben Quelle die Angabe „7 Jahre“. Heute steht nur noch „Kentucky Straight Bourbon“ auf dem Etikett. Als Mashbill nennt die Fachseite The Whiskey Shelf 78 % Mais, 10 % Roggen und 12 % Gerstenmalz; eine Bestätigung des Herstellers liegt uns nicht vor, die Zahlen sind daher mit Vorsicht zu lesen.

Mit 43 % vol. (86 Proof) liegt er zwischen dem Standard von 40 % und der Bottled-in-Bond-Stärke von 50 %. Diese Linie gibt es als Nachbarn in unserem Bestand: den Evan Williams Bottled-in-Bond, der dichter und würziger ist. Der Black Label ist die entspanntere Variante.

Herstellung: Wo Preis und Rezeptur zusammenkommen

Das Mashbill mit hohem Maisanteil sorgt für Süße, der Roggen für etwas Würze, die Gerste für Enzyme und weiche Textur. Wie bei jedem Bourbon schreibt das Gesetz neue, ausgebrannte Eichenfässer vor; die Kentucky-Lagerhäuser mit ihrem Wechsel von Hitze und Kälte erledigen den Rest. Wer wissen möchte, welche Regeln auf dem Etikett eigentlich etwas bedeuten, findet sie im Artikel Bourbon: Die gesetzlichen Regeln und die größten Mythen.

Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, z. B. von The Whiskey Shelf, nicht auf eine eigene Verkostung der Redaktion.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Kastanien- bis Bernsteinbraun.
  • Nase: Karamell und Vanille, dazu getrocknete Kirsche, Kümmel, geröstete Eiche und Zimt; ein Rezensent nennt zudem Kaffeesatz und etwas junge Körnigkeit.
  • Gaumen: Honig und dunkleres Karamell, Vanille, Eiche, Aprikose und Kirsche, ein Hauch Orangenschale und Lakritz; die Textur gilt als etwas dünn.
  • Abgang: Leicht bitter und kurz bis mittellang, mit Honig, Eiche, Zimt und einem Anflug von Minze.

Genuss-Empfehlung

Dieser Bourbon ist ein Mischer. Pur auf Eis in einem Tumbler ist er ordentlich, aber nicht tief. Im Mint Julep treten Zucker und Minze vor, und die süße Basis passt dazu, im Old Fashioned sorgt er mit Zucker und Bitters für einen unkomplizierten Drink. Als Kentucky Mule mit Ginger Beer und Limette taugt er für Gartenabende. Dazu gibt es gegrillte Rippchen, Maisbrot oder Käsekuchen. Wer ihn pur trinken möchte, sollte keine Komplexität erwarten und ihn als Alltagsbourbon verstehen.

Einordnung & Alternativen

Fazit

Der Evan Williams Black Label ist kein Bourbon, der Kenner begeistert, und das will er auch nicht sein. Er liefert Süße, Vanille und etwas Holz zu einem Preis, der kaum wehtut, und taugt als Standard für Cocktails. Die Legende auf dem Etikett sollte man mit Vorsicht lesen, das Glas dagegen ist ehrlich. The Whiskey Shelf stufte ihn als „Mid Shelf“ ein: gut ausbalanciert für den Preis, aber etwas dünn. Wir vergeben 3,5 Punkte für einen soliden Alltagsbegleiter.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit2/5
Würze/Eiche3/5

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