Bourbon Whiskey

Evan Williams Bottled-in-Bond Bourbon

3,9/5 Redaktionsbewertung
50 % vol.EinstiegsklasseMindestens 4 Jahre in neuen, ausgekohlten Eichenfässern (Bottled in Bond)Kentucky, USA
Bourbon WhiskeyUS WhiskeyWhisky
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Evan Williams Bottled-in-Bond Bourbon – hundert Proof ohne Schnickschnack

Der Evan Williams Bottled-in-Bond ist die „weiße Etikett“-Variante des Hauses Heaven Hill aus Kentucky und gehört zu den wenigen Bourbons, die ihr Versprechen schon im Namen tragen: staatlich überwachte Reifung, einheitliche Herkunft, volle 50 % vol. Er ist kein Sammlerobjekt und keine Rarität, sondern ein Gebrauchs-Bourbon, den man ohne Zögern öffnen kann – und der gerade deshalb eine ehrliche Visitenkarte für einen maislastigen, süß-würzigen Kentucky-Stil abgibt.

Geschichte: Ein Familienbetrieb mit Legende

Heaven Hill wurde 1935 von Investoren aus der Gegend um Bardstown gemeinsam mit den fünf Shapira-Brüdern gegründet; deren Nachkommen führen das Unternehmen bis heute als Familienbetrieb. Der Markenname Evan Williams verweist auf einen Mann, der laut Überlieferung ab 1783 am Ohio River gebrannt haben und damit Kentuckys erster kommerzieller Whiskey-Brenner gewesen sein soll – eine Legende, die sich nach Herstellerangaben nicht lückenlos belegen lässt. Als Produkt von Heaven Hill debütierte die Marke 1957. Nach dem verheerenden Brand von 1996, bei dem die Produktionsanlage weitgehend zerstört wurde, übernahm das Unternehmen 1999 die Bernheim-Brennerei in Louisville, in der seither der Großteil des Heaven-Hill-Destillats entsteht.

Wer die Landkarte der Kentucky-Brennereien vergleichen möchte, findet im Porträt Buffalo Trace Distillery – Kentucky ein Gegenstück aus Frankfort.

Der Evan Williams Bottled-in-Bond im Speziellen

Die Flasche trägt keine Altersangabe; als Bottled in Bond hat der Inhalt mindestens vier Jahre im Fass verbracht. Einige Bourbon-Autoren berufen sich auf Aussagen von Heaven-Hill-Botschaftern und vermuten fünf Jahre oder mehr – belegt ist das nicht. Abgefüllt wird mit 50 % vol.; innerhalb der Evan-Williams-Reihe ist der Bonded damit die kräftige, schnörkellose Linie, die auf Trinkstärke statt auf Veredelung setzt.

Das Mashbill wird in der Fachpresse übereinstimmend mit 78 % Mais, 10 % Roggen und 12 % gemälzter Gerste angegeben. Ein Weizenanteil als Würzkorn spielt hier also keine Rolle; der Whiskey lebt vom Mais und von der Gerste, während der kleine Roggenanteil nur für eine leichte Pfeffrigkeit im Hintergrund sorgt.

Herstellung: Was „Bottled in Bond“ konkret bedeutet

Der Bottled-in-Bond Act von 1897 war ein Verbraucherschutzgesetz, lange bevor es Herkunftsangaben im heutigen Sinn gab. Das Etikett garantiert fünf Dinge: Der Whiskey stammt aus einer einzigen Brennsaison, wurde von einem einzigen Brenner an einem einzigen Ort erzeugt, lagerte mindestens vier Jahre unter staatlicher Aufsicht in einem Zolllager und kam mit genau 100 Proof, also 50 % vol., in die Flasche. Ein Zukauf fremder Fässer oder spätes Strecken passt nicht zu diesem Etikett.

Für den Geschmack hat das zwei Konsequenzen. Erstens wirkt alles intensiver, weil die Trinkstärke Pfeffer, Holz und Süße direkter ans Glas bringt als bei einer 40-prozentigen Abfüllung. Zweitens zeigt sich bei einem verhältnismäßig jungen Bourbon schnell, wie sauber gebrannt wurde: Der Evan Williams besteht diese Prüfung ordentlich, auch wenn eine leicht körnige Note mancher Verkoster verrät, dass er kein Langzeitreifer ist.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Tiefes Bernstein bis Kupfer.
  • Nase: Karamell, Vanille und braunen Zucker, dazu Zimt, geröstete Eiche und eine leicht nussige Note, die manche Verkoster an Erdnussschalen oder Erdnussriegel erinnert.
  • Gaumen: Zunächst schwarzer Pfeffer, dann weich werdend zu Vanille, Karamell und Orangenschale; bei manchen Flaschen kommen Kirsche und dunkle Frucht hinzu. Die 50 % vol. sind spürbar, aber nicht rau.
  • Abgang: Mittellang und trocken, mit Eichenwürze, etwas Kakao und leichten Gerbstoffen.

Genuss-Empfehlung

Pur schmeckt er am besten in einem Nosing-Glas oder kleinen Tumbler; ein Spritzer Wasser nimmt die Pfeffernote zurück und holt Zitrus und Vanille nach vorn. Auf einem großen Eiswürfel wird er zugänglicher und eignet sich für lange Abende. Seine eigentliche Stärke zeigt er im Cocktail: Im Old Fashioned hält die Trinkstärke gegen Zucker und Bitters stand, im Whiskey Sour sorgt sie für Rückgrat, und im Highball mit Ginger Beer wirkt er angenehm würzig statt verwässert. Kulinarisch passen Pulled Pork, Maisbrot oder ein Schokoladenkuchen mit Nüssen, dessen Röstnoten die nussigen Töne des Bourbons aufnehmen.

Einordnung & Alternativen

Einen Überblick über die Stilistik amerikanischer Whiskeys gibt der Artikel Whisky-Sorten im Überblick.

Fazit

Der Evan Williams Bottled-in-Bond ist ein grundsolider, kräftiger Bourbon für Einsteiger mit Neugier und für alle, die eine zuverlässige Hausflasche für Cocktails und gelegentliche Neat-Pours suchen. Er bietet 50 % vol. und ein klares Karamell-Pfeffer-Profil zu einem Preis, der in der Einstiegsklasse bleibt. Für mehr als 3.9 Punkte fehlen ihm Tiefe und Reife: Er ist etwas körnig, weniger komplex als gereifte Verwandte und bleibt auf der geradlinigen, einfachen Seite. Das schmälert nicht seine Qualität als Alltags-Bourbon.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit2/5
Würze/Eiche3/5

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