Herstellung des Centenario 18:
Der Flor de Caña Centenario 18 stammt aus Chichigalpa in Nicaragua, am Fuß des Vulkans San Cristóbal. Die Marke Flor de Caña wurde nach Wikipedia 1937 eingetragen, ihre Muttergesellschaft Nicaragua Sugar Estates geht auf das Jahr 1890 zurück. Im Besitz der Familie Pellas stehend, ist das Unternehmen bis heute in Familienhand. Im Handel läuft die 18-Jährige auch unter dem Namen Centenario Gold. Das Etikett hat sich in den vergangenen Jahren geändert: Neuere Flaschen tragen den Zusatz Slow Aged statt einer ausdrücklichen Jahreszahl, ältere nannten 18 Jahre. Je nach Abfüllung kann die Aufmachung also abweichen.
Die Basis ist Melasse, die pasteurisiert, verdünnt und rund 36 Stunden vergoren wird. Destilliert wird laut Wikipedia in einer Fünf-Säulen-Kolonne auf rund 96 % vol. Danach wird der Brand auf etwa 77 % vol. verdünnt und ausschließlich in nachgebrannten Ex-Bourbon-Fässern aus amerikanischer Eiche gereift. Hersteller und Händler betonen die lange, natürliche Reifung am Fuß des Vulkans, ohne Zuckerzusatz.
Mehr zur Destillerie steht in unserem Porträt der Flor de Caña Destillerie.
Verkostung des Centenario 18:
- Farbe: Bernstein bis tiefes Gold.
- Nase: Karamell und Vanille, Holz, Haselnuss und ein Hauch Orangenschale. Die Süße wirkt eher feingliedrig als aufdringlich.
- Gaumen: Voll und trocken, mit Eiche, Kakao, Toffee-Nuss und braunen Gewürzen wie Piment. Der Körper ist dicht, die Karamell-Vanille-Note tritt hinter dem Holz zurück.
- Abgang: Je nach Verkoster mittel bis lang, mit Vanille, geröstetem Holz und Nuss, gelegentlich einer leicht bitteren Spur.
Der Rum zeigt ein Profil, das eher an ein gereiftes Whisky-Fass als an einen süßen Dessertrum erinnert. Wer Zucker erwartet, wird überrascht sein, wie trocken er auftritt. Die Frucht ist eher zurückhaltend; dafür glänzt die Holzwürze, die die 18 Jahre in den Bourbonfässern ahnen lässt. Die Meinungen zum Abgang gehen auseinander: Manche loben seine Länge, andere nennen ihn dezent. Gerade das Unaufgeregte macht den Rum aber zu einem ruhigen Begleiter. Wer lieber Bourbon und Single Malt trinkt, findet hier einen Rum, der diese Vorliebe ohne Umweg bedient: wenig Zucker, viel Holz, klare Linie. Süße Dessertrums bieten mehr Süße und Frucht, der Centenario 18 dagegen mehr Zurückhaltung.
Steckbrief Centenario 18:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Basis: Melasse
Fassreifung: Ex-Bourbon-Fässer aus amerikanischer Eiche, 18 Jahre laut Hersteller
Hersteller: Compañía Licorera de Nicaragua, Chichigalpa (Grupo Pellas)
Herstellung im Detail: Langsame Reifung unter Vulkan
Charakteristisch ist das Zusammenspiel aus Kolonnendestillation und konsequenter Fassreifung. Die Kolonne liefert einen leichten, sauberen Brand, der dem Holz viel Raum lässt; Pot-Still-Anteile erwähnen die gesichteten Quellen nicht. Die nachgebrannten Bourbonfässer geben Vanille, Karamell und Röstnoten ab, und das warme Klima Nicaraguas dürfte den Austausch zwischen Rum und Holz beschleunigen. Ein Händler spricht von kleinen Bourbonfässern, andere Quellen nennen nur Ex-Bourbon-Eiche. Verschlossen werden die Fässer nach Wikipedia-Darstellung mit Blättern der Kochbanane (Plantain).
Zum Selbstbild des Hauses gehören nach eigener Aussage Nachhaltigkeit und Fairness: Die Brennerei wurde 2018 von Fair Trade USA zertifiziert und wird als klimaneutral beschrieben. Das lässt sich auf der Flasche nicht schmecken, ist aber Teil der Markenidentität. Zur Altersangabe folgen wir dem Herstellerhinweis auf 18 Jahre, weisen aber auf die geänderte Etikettierung hin. Wer Wert auf eine eindeutige Zahl legt, prüft das Etikett der Flasche, die er vor sich hat.
Verwendung des Centenario 18
- Pur im Tulpen- oder Nosing-Glas bei Zimmertemperatur, gern mit ein paar Tropfen Wasser; Eis trübt die feinen Nuancen.
- Wer ihn unbedingt mixen will, kann einen Old Fashioned mit Rum und einem Hauch Orangenbitter bauen, ansonsten ist er dafür zu schade.
- Zum Essen passen dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil, geröstete Mandeln, Walnusskuchen oder ein milder Blauschimmelkäse. Kleine Portionen genügen, denn der Rum will langsam getrunken werden.
Einordnung
Zur gleichen Marke gehört der Flor de Caña 12 Años, der leichter und süßer ausfällt und sich besser für Mischgetränke eignet. Den Gegenentwurf liefern süßere Rums: Der Ron Zacapa XO und der Diplomático Reserva Exclusiva gelten als deutlich süßer und weicher. Der Matusalem Gran Reserva ist als Solera-Rum ein weiterer gereifter Vergleich mit anderer Stilistik.
Der Centenario 18 passt zu Liebhabern trockener, holzbetonter Rums, die lieber Fassnoten als Zuckerwatte schmecken. Er überzeugt durch Balance, Handwerk und Verlässlichkeit; die Tiefe eines Rums aus einer Pot Still erreicht er nicht, und der Abgang könnte länger sein. Insgesamt ist das ein reifer, ruhiger Rum mit klarer Handschrift, deshalb vergeben wir vier Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Rum-Verkostungen

Flor de Caña 12 Años Rum
Karamell, geröstete Mandel und warme Eichenwürze — elegant und ungesüßt, mit exaktem statt vagem Solera-Altersnachweis.

Matusalem Gran Reserva 15 Jahre
Orange, Vanille und Eiche treffen auf Karamell und dunkle Pflaume — Solera-Rum einer Marke mit kubanischen Wurzeln und dominikanischer Gegenwart.

Ron Zacapa XO
Zusätzliches Cognac-Fass-Finish verleiht der Solera-Süße eine weinig-elegante Tiefe – komplexer und raffinierter als die bekannte 23er-Abfüllung.

Diplomático Reserva Exclusiva Rum
Rosinen, Lebkuchengewürz und dunkle Schokolade wie weihnachtliches Gebäck — rund und süß, mit einer feinen Pfeffernote als Gegengewicht.
Passende Cocktails

Rum-Kategorien: Weißer, Goldener und Dunkler Rum sowie Rhum Agricole
Farbe verrät bei Rum kaum etwas über Qualität — entscheidend sind Ausgangsstoff, Brennverfahren und tatsächliches Reifealter.

Solera-System bei Rum: Was die Altersangabe auf dem Etikett wirklich bedeutet
Eine große Zahl auf dem Etikett verspricht jahrzehntelange Reife – tatsächlich sagt sie beim Solera-System oft etwas ganz anderes aus, als die meisten Käufer annehmen.

Karibische Rum-Regionen im Vergleich
Von Jamaikas funkiger Intensität bis Martiniques grasigem Rhum Agricole — Herkunft und Brennverfahren prägen den Rum-Stil stärker als jede Marke.

