Jameson Caskmates IPA Edition – Whiskey, der Bier in der Nase hat
Die Jameson Caskmates IPA Edition ist ein Irish-Whiskey-Experiment aus der Midleton Distillery im County Cork: Jameson-Whiskey, der nach der regulären Reifung in Bourbonfässern nachreift, in denen zuvor ein India Pale Ale lag. Es ist die zweite Ausgabe der Caskmates-Reihe nach der Stout Edition. Der Clou ist nicht das Bier im Glas – davon ist keines enthalten –, sondern das Holz, das Hopfen- und Zitrusnoten abgibt. Abgefüllt wird ohne Altersangabe mit 40 % vol.
Geschichte: Von der Bow Street nach Midleton
Die Marke geht auf John Jameson zurück, einen aus Schottland stammenden Juristen, der 1780 seine Brennerei in der Dubliner Bow Street gründete. 1805 übernahm sein Sohn John Jameson II das Geschäft. Im 20. Jahrhundert folgte der Niedergang der irischen Whiskeyindustrie; 1966 schloss sich Jameson mit Powers und der Cork Distilleries Company zu Irish Distillers zusammen, 1988 wurde die Gruppe von Pernod Ricard übernommen. Die Produktion zog nach Midleton im County Cork, wo Mitte der 1970er-Jahre die neue Anlage in Betrieb ging, während die 1825 gegründete alte Brennerei gegenüber später zum Besucherzentrum wurde; auch die Bow-Street-Brennerei in Dublin ist heute ein Besucherzentrum. Einen Überblick über Gründung, Besitzer und Hausstil gibt das Porträt Midleton Distillery – Irland.
Die Caskmates-Idee kam aus der Zusammenarbeit mit einer Craft-Brauerei; nach Angaben der Pressemitteilung half deren Chefbrauer Shane Long schon beim ursprünglichen Konzept. Das Verfahren ist denkbar einfach: Jameson schickt gebrauchte Bourbonfässer an die Brauerei, die sie mit Bier füllt; sobald das Holz Aromen des Biers aufgenommen hat, gehen die Fässer zurück nach Midleton. Für die IPA Edition nennen Rezensionen die Franciscan Well Brewery in Cork, die Pressemitteilung des Herstellers spricht nur von „einer lokalen irischen Brauerei“.
Die Jameson Caskmates IPA Edition im Speziellen
Eine Pressemitteilung für den US-Markt kündigte die Ausgabe im Dezember 2017 an; in Europa kam sie nach Rezensionen im ersten Quartal 2018 in den Handel. Die Basis ist laut Verkostungsberichten der Standard-Jameson, der in Ex-Bourbon- und Oloroso-Sherry-Fässern reift, und danach folgt das Finish in den Bierfässern. Wie lange das dauert, wird nicht angegeben. Ebenso nennt der Hersteller auf den von uns geprüften Seiten nichts zur Kühlfiltrierung. Der Whiskey behält nach Herstellerangabe die dreifache Destillation und die Jameson-Mischung, die aus Pot-Still- und Grain-Whiskey besteht. Mit 40 % vol. ist er ein Verwandter des Jameson Irish Whiskey, aber mit klarerer Fruchtnote. Preislich bleibt er in der Einstiegsklasse.
Herstellung: Vom Bierfass zum Whiskeyfass
Die Besonderheit liegt allein in der Nachreifung. Das Bier-Seasoning ist ein ungewöhnliches Finish, weil der Hopfen Zitrusnoten (vor allem Grapefruit) und leichte Bitterkeit ins Holz einbringt, ohne dass der Whiskey nach Bier schmeckt. Weil die Fässer zuvor Bourbon enthielten, bleibt die vanillige Grundnote des Whiskeys erhalten, der Hopfen setzt darauf lediglich eine fruchtig-bittere Schicht. Das ist kein Eingriff in die Rezeptur, sondern eine gezielte Holzwahl, die nach der Stout Edition mit einem helleren, fruchtigeren Bierstil wiederholt wird – ähnlich wie ein Wein- oder Portfass-Finish, nur mit einem anderen Vorbewohner.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Gold; die gesichteten Quellen gehen darauf kaum ein.
- Nase: Leichte, frische Frucht aus Apfel und Birne, dazu Vanille, Zitronenbaiser und ein kräuterig-grüner Zug; in anderen Notizen überreife Banane, Grapefruitöl und geröstete Eiche.
- Gaumen: Cremig und fruchtig, mittlere Süße, unreife Aprikose, Apfel, dazu Grapefruitschale und leicht malzige Getreidenoten; die kräuterigen Töne werden schärfer.
- Abgang: Mittellang, mit Malzkeksen, salziger Grapefruit, etwas Minze und Nuss; ein leicht bitterer, hopfiger Rand ist spürbar.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas oder auf Eis zeigt die Edition ihre Frische, bei Zimmertemperatur kommt die Frucht klarer heraus. Der Hersteller schlägt außerdem vor, ihn neben einem IPA zu servieren, was den Hopfen- und Zitrusakzent aufgreift. Als Highball mit Ginger Ale und einem Stück Zitronen- oder Grapefruitschale ist sie unkompliziert und sommerlich. Zu essen passen Fish and Chips, gebratener Fisch mit Zitrone, Ziegenkäse oder milder Cheddar, denn die Frische der Edition schneidet durch Fett und Frittiertes.
Fazit
Die Jameson Caskmates IPA Edition ist ein frischer, fruchtiger Jameson mit spürbarem Hopfenrand und ein guter Weg für Bierfreunde zum Irish Whiskey. Wer die Basis sucht, greift zum Jameson Irish Whiskey; wer Pot-Still-Tiefe möchte, geht Richtung Redbreast 12 Jahre. Ein unabhängiger Rezensent nennt ihn eine gelungene Ergänzung der Jameson-Reihe und vergibt 85 von 100 Punkten, ein anderer beschreibt ihn als recht jungen Whiskey, dem die IPA-Fässer attraktiven Zusatzcharakter geben. Uns reicht es für 3,5 Punkte: eine gelungene Variante, aber kein Whiskey, der für sich allein trägt.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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