Ichiro's Malt & Grain World Blended – ein Blend, der nicht „japanisch“ heißen darf
Auf dem Etikett steht „Japan“, im Glas stecken Whiskys aus fünf Ländern. Der Ichiro's Malt & Grain World Blended Whisky ist die Antwort von Ichiro Akuto auf eine einfache Frage: Was lässt sich aus dem eigenen Chichibu-Malt machen, wenn man ihn mit guten Whiskys aus aller Welt vermählt? Nach Angaben von Händlern und Fachmedien besteht der Blend aus Malt von der Chichibu-Brennerei sowie Whiskys aus Schottland, Irland, Kanada und den USA. Abgefüllt wird er mit 46,5 % vol., im Handel meist als „White Label“ geführt.
Geschichte: Vom Hanyu-Erbe zur eigenen Brennerei
Die Geschichte hinter dem Namen ist ungewöhnlich. Ichiro Akuto, Jahrgang 1965, stammt aus der 21. Generation einer Sake-Brauerfamilie in Chichibu (Präfektur Saitama). Sein Großvater verlegte das Geschäft nach Hanyu, wo es als Toa Shuzo firmierte und die Hanyu-Whiskybrennerei betrieb. Nach einem Sanierungsverfahren wurde Toa Shuzo 2004 verkauft. Akuto lieh sich Geld bei Verwandten und kaufte die verbliebenen Hanyu-Fässer, die zunächst bei einer Sake-Brauerei in Fukushima lagerten. Daraus entstand seine Firma Venture Whisky und die Marke Ichiro's Malt, die vor allem durch die „Card Series“ mit 54 Abfüllungen zwischen 2005 und 2014 bekannt wurde.
Als die Hanyu-Bestände zur Neige gingen, baute Akuto eine eigene Brennerei: Die Chichibu-Destillerie wurde 2007 errichtet und nahm 2008 die Produktion auf, mit zwei Pot Stills. Die erste Abfüllung, Chichibu The First, erschien 2011 und wurde bei den Whisky Advocate Awards zum japanischen Whisky des Jahres gekürt. Seit 2019 läuft zudem eine zweite Brennerei in der Nachbarschaft. Wie junge japanische Brennereien insgesamt zur Weltspitze aufgeschlossen haben, beschreibt unser Artikel Die Geschichte des japanischen Whiskys.
Der Ichiro's Malt & Grain World Blended im Speziellen
Der Zusatz „Malt & Grain“ verweist auf die Mischung aus Malt- und Grain-Whisky. Im Zentrum steht der Chichibu-Anteil, dazu kommen Komponenten aus den vier weiteren Ländern. Ein Testbericht nennt für alle Bestandteile ein Alter von vier bis acht Jahren; einen offiziellen Altersstatus trägt die Flasche nicht, sie ist eine NAS-Abfüllung. Welche Brennereien genau beteiligt sind, gibt der Hersteller nicht preis.
Für Einsteiger lohnt der Blick auf das Etikett. Seit den neuen Branchenregeln darf sich nur noch „Japanese Whisky“ nennen, was vollständig in Japan aus dort vergorenem, destilliertem und gereiftem Getreide entstanden ist. Ein Weltblend wie dieser gehört deshalb nicht dazu und trägt stattdessen den ehrlichen Begriff „World Blended“. Die Details dazu stehen im Beitrag Was darf sich „Japanese Whisky“ nennen?. Gerade das macht die Flasche zu einem guten Anschauungsbeispiel dafür, wie unterschiedlich Whisky aus verschiedenen Ländern schmeckt, wenn man ihn nebeneinander in einem Glas hat.
Verkostungsnotiz
Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, z. B. von The Whiskey Wash, Royal Mile Whiskies und der Datenbank whisky.com.
- Farbe: Helles Gold, heller als bei den meisten Whiskys.
- Nase: Malzige Gerste, Äpfel und ein Hauch Zimt; dazu Vanille, Zitrusschale und Birne. Manche Beschreibungen nennen auch Pfirsich und eine zarte Torfnote.
- Gaumen: Honig, Steinobst und eine Spur Vanille. Mit der Zeit kommen Ingwer, Pfeffer und eine leise Rauchigkeit hinzu, die Textur gilt als ölig.
- Abgang: Mittellang bis lang, mit Birne, Honig, Pfeffer und einem Hauch Milchschokolade.
Genuss-Empfehlung
Wegen der Mischung aus vielen Herkünften lohnt sich ein vergleichender Zugang. Zunächst pur in einem Nosing-Glas bei Zimmertemperatur, dann mit wenigen Tropfen Wasser: Die Würze und die kleine Rauchnote treten dabei deutlicher hervor, während die Fruchtseite weicher wird. Wer das Chichibu-Profil heraushören möchte, probiert den Blend direkt neben einem reinen Japaner und achtet auf die unterschiedliche Fülle.
Als Highball bringt der Blend wenig Süße, aber viel Frische mit; empfehlenswert ist ein Mischverhältnis von etwa 1:3 mit gut gekühltem Soda und einem Zitronenzeste. Eine Anleitung steht in unserem Beitrag Highball und Mizuwari. Zum Essen passen Mandeln, junger Gouda oder ein Teller Sashimi, bei dem der Whisky nicht dominieren soll.
Einordnung & Alternativen
- Suntory Toki Japanischer Blended Whisky – ein reiner Hausblend von Suntory, deutlich weicher und kantenloser als der würzigere Weltblend.
- Nikka From The Barrel – ebenfalls ein Blend aus mehreren Quellen, aber mit 51,4 % vol. kraftvoller und dichter.
- Fuji Single Blended Whisky – Malt und Grain aus einer einzigen Brennerei, zugänglich und fruchtig.
Fazit
Der Ichiro's Malt & Grain World Blended ist kein Whisky für die Vitrine, sondern ein Blend zum Entdecken: hell, fruchtig, mit milder Würze und einer Geschichte, die von der Sake-Brauerei bis zur Stilllegung einer Brennerei reicht. Wer den Namen Akuto kennt, bekommt hier ein vergleichsweise zugängliches Einstiegsstück in dessen Welt; wer klassische japanische Blends bevorzugt, sollte wissen, dass der Weltblend bewusst anders angelegt ist. Ein Blend, der Neugier belohnt und sich am besten mit einem zweiten Glas Vergleichswhisky erschließt.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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