Herstellung des Rock Rose Gin:
Rock Rose Gin kommt von Dunnet Bay Distillers in Dunnet, Caithness – ganz im Norden des schottischen Festlands, nur wenige Meilen von John o' Groats entfernt. Gegründet wurde die Brennerei 2014 von dem Ehepaar Martin und Claire Murray. Martin Murray arbeitete damals in der Öl- und Gasbranche in Aberdeen, verfügt über einen Master in Verfahrenstechnik und beschäftigte sich zudem mit Brau- und Destillationswissenschaft an der Heriot-Watt University; Claire Murray recherchierte die lokalen Botanicals. Die ersten Destillationen liefen im August 2014, die Brennerei selbst bezeichnet sich als nördlichste Gin-Brennerei des britischen Festlands.
Gebrannt wird in einer kleinen Kupferbrennblase namens "Elizabeth" mit etwa 500 Litern Fassungsvermögen, die nach Angaben des Handels John-Dore-Dampfinfusionstechnik nutzt: Die Botanicals liegen nicht im kochenden Spirit, sondern in einem Korb, durch den der aufsteigende Alkoholdampf strömt. Laut Hersteller entsteht so ein besonders weicher Brand. Jede Flasche wird von Hand befüllt, nummeriert und mit Wachs versiegelt. Der Gin hat 41,5 % vol.
Die Entwicklung der Rezeptur war aufwendig: Die Murrays berichten von rund 80 Testrezepturen mit 55 verschiedenen Botanicals, bis die finale Mischung aus 18 Zutaten stand. Fünf davon stammen aus der unmittelbaren Umgebung: Rosenwurz, Vogelbeeren, Wasserminze, Sanddorn und Weißdornbeeren.
Verkostung des Rock Rose Gin:
Verkostungsnotizen des Fachportals Difford's Guide beschreiben die Nase als nadelig-frisch mit Kiefernnoten, blumigem Potpourri, Zitronenschale, Kardamom und weißem Pfeffer. Am Gaumen setzt sich laut dieser Notiz ein spritziges Zusammenspiel aus Kiefer und Zitrus fort, ergänzt um Kardamomwürze und eine wurzelige Komplexität. Im Abgang bleiben Kiefer, Kardamom und eine florale Note zurück, dazu ein Hauch von Nussigkeit. Der Tester sieht den Gin stilistisch als London Dry mit eigenem Potpourri- und Kardamom-Akzent.
Der Hersteller selbst nennt als Geschmacksbild Verbene, Blaubeeren (im Schottischen "Blaeberries") und die Zitrusfrische des Sanddorns. Wacholder ist damit präsent, steht aber nicht allein im Vordergrund; das Profil bewegt sich zwischen harzig-grünen, floralen und leicht würzigen Elementen.
Steckbrief Rock Rose Gin:
Alkoholgehalt: 41,5 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Rosenwurz (Rhodiola rosea), Vogelbeeren, Wasserminze, Sanddorn, Weißdornbeeren sowie weitere, nicht einzeln genannte Botanicals (insgesamt 18)
Hersteller: Dunnet Bay Distillers, Dunnet, Caithness, Schottland
Rosenwurz und Dampfinfusion: Ein Gin mit Jahrgangscharakter
Namensgeber ist die Rosenwurz, im Englischen "rock rose" oder "rose root". Die Pflanze wächst in Felsspalten der Küstenklippen von Caithness. Ein örtlicher Kräuterkundiger machte die Gründer bei einer der ersten Sammeltouren darauf aufmerksam. Eine häufig erzählte Überlieferung besagt, dass schon Wikinger die Pflanze als Kraftquelle für lange Reisen von den Klippen holten; belegt ist das nicht, es erklärt aber die Namenswahl der Marke.
Das Besondere für Gin-Trinker ist die Wetterabhängigkeit: Weil Vogelbeeren, Sanddorn oder Minze im Norden Schottlands je nach Witterung unterschiedlich ausfallen, ändert sich der Charakter von Jahr zu Jahr leicht. Die Brennerei kommuniziert das offen als Jahrgangseffekt – jede Charge bleibt als Rock Rose erkennbar, ist aber nicht standardisiert. Dazu passt die Dampfinfusion, die allgemein als schonender gilt als das Mitkochen der Botanicals: Empfindliche Beeren und Kräuter kommen nicht direkt mit der Hitze der Blase in Berührung. Als Kühlwasser dient laut Hersteller ein Bach, der von einem lokalen See gespeist wird.
Aus dem Kern der Marke sind inzwischen Varianten entstanden, etwa Saison-Editionen mit Fichtenspitzen im Winter oder Stechginster und Löwenzahn im Frühjahr, außerdem ein Navy Strength Gin. Dunnet Bay Distillers hat zudem Whisky unter dem Namen Stannergill im Programm; laut Fachpresse wurde zuletzt in der Mühle von Castletown an einer weiteren Brennerei gebaut.
Verwendung des Rock Rose Gin
- Gin & Tonic: Die Brennerei empfiehlt ein hochwertiges Tonic im Ballonglas, im Verhältnis 25 ml Gin zu 50 ml Tonic – also deutlich ginlastig – mit geröstetem Rosmarin oder einer Orangenzeste. Ein klares, nicht zu süßes Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water lässt Kiefer und Kardamom Raum. Wer die Kräuter betonen möchte, greift zu Fentimans Botanical Tonic Water.
- Serviervorschlag: Wegen der fruchtigen Sanddornnoten passt eine Orangenzeste ebenso wie eine Scheibe Grapefruit; ein Zweig getoasteter Rosmarin unterstreicht die harzige Seite.
Rock Rose richtet sich an Gin-Trinker, die Terroir-Aromen schätzen, ohne dass der Gin gleich ins Experimentelle kippt. Er ist klassisch genug für den G&T und hat zugleich genügend Eigenart, um beim Probieren pur ein Gespräch zu starten. Weil die Produktion klein ist, eignet er sich auch als Mitbringsel aus dem Norden Schottlands.
Einordnung & Alternativen
- The Botanist Islay Dry Gin – ebenfalls ein schottischer Gin mit handgesammelten Wildpflanzen der Heimatregion, aber von einer Insel im Westen und mit deutlich mehr Wildbotanicals.
- Blackwood's Vintage Dry Gin – teilt das Konzept schwankender Erntejahre, stammt aber von den Shetlandinseln.
- Isle of Harris Gin – setzt auf Zuckertang aus dem Meer statt auf Beeren und Wurzeln der Klippen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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