Herstellung des Unterthurner Gin:
Die Privatbrennerei Unterthurner sitzt in Marling bei Meran, mitten im Südtiroler Obst- und Weinbaugebiet. Ignaz Unterthurner brannte dort 1947 die ersten Destillate im Ansitz Priami; heute führt Stephan Unterthurner den Betrieb in dritter Generation, nach Herstellerangaben seit 2002 als Leiter, gemeinsam mit seiner Frau Renate. Das Sortiment umfasst über 60 Spirituosen, darunter Obstbrände, Liköre, Grappa, Rum und eben Gin. Besucher können die Brennerei nach den Angaben regionaler Tourismusportale im Rahmen von Führungen mit Verkostung besichtigen; der Verkaufsraum liegt in einem Gewölbe. Rohstoffe stammen aus der Umgebung, etwa Birnen aus Marling und Trester aus den Weinbergen rund um Meran.
Der Gin entstand nach Aussage des Hauses auf Kundenwunsch und vor dem Hintergrund der wachsenden Gin-Begeisterung. In einer Pressemitteilung von 2017, die ein Branchenportal dokumentiert, wird er als Neuinterpretation der Südtiroler Wacholdertradition vorgestellt. Der Gin gehört zur Linie "Sanct Amandus" und wird mit 45 % vol. abgefüllt. Eine Besonderheit: Laut Pressemitteilung besteht er aus mehreren Destillaten aus eigener Herstellung, nicht aus einer klassischen Botanical-Liste mit Gewürzen. Die Früchte werden bei optimaler Reife vergoren und in Chargen in kupfernen Brennblasen destilliert, anschließend mit Alpenquellwasser auf Trinkstärke gebracht. Wie es sich bei einer Pressemitteilung versteht, sind das Herstellerangaben; unabhängige Prüfungen dazu sind nicht veröffentlicht. Da das Produkt inzwischen auch als "Jahrgang 2022" im Handel auftaucht, kann sich die Rezeptur gegenüber der Pressemeldung geändert haben.
Verkostung des Unterthurner Gin:
Dieses Profil beruht auf der Herstellerbeschreibung und einer Händlerstimme, nicht auf einer eigenen Verkostung. In der Nase steht laut Pressemitteilung Himbeere neben Wacholder. Am Gaumen wird der Gin als fein und mild beschrieben, fruchtig-süß, mit einer deutlichen Wacholdernote; der Abgang sei anhaltend. Der Hersteller selbst nennt ihn eher fruchtig als kräuterig, wobei die Schlehe für Rundung sorge. Das passt zu Wertungen wie jener des Hamburger Weinhändlers Jens Lühmann, der den Gin als "sehr speziell" und "außergewöhnlich gut gemacht" lobte und besonders Himbeere, Zitrus und Wacholder hervorhob.
Die Einordnung der Geschmacksachsen folgt dieser Beschreibung: Wacholder klar präsent, Zitrus nur als Zitronenschalen-Akzent, Kräuter und Würze zurückhaltend.
Steckbrief Unterthurner Gin:
Alkoholgehalt: 45 % vol.
Verwendete Botanicals: Kranebitter (Gebirgswacholder-Destillat), Himbeergeist, Wildschlehengeist, Zitronenschale (laut Hersteller)
Hersteller: Privatbrennerei Unterthurner, Marling, Südtirol, Italien
Kranebitter: ein Wacholderdestillat als Fundament
Wer verstehen will, was den Unterthurner Gin von anderen unterscheidet, muss auf den Kranebitter schauen. Die Pressemitteilung verweist auf eine jahrhundertealte Südtiroler Tradition, Gebirgswacholder zu destillieren, und versteht den Gin als Fortsetzung dieser Linie. So heißt ein klassisches Wacholderdestillat, das das Haus nach eigener Aussage seit rund 70 Jahren herstellt. Er basiert auf Gebirgswacholder, der in Höhen zwischen 600 und 1.000 Metern an sonnigen Standorten wächst und von Hand geerntet wird. Das heißt: Der Wacholder im Gin ist kein nachträglich hinzugefügtes Gewürz, sondern bildet über ein eigenes Destillat die Grundlage. Das erklärt, warum die Wacholdernote in den Beschreibungen so klar bleibt, obwohl Himbeere im Vordergrund steht.
Zu diesem Fundament treten ein Himbeergeist und ein Geist aus wilden Schlehen, dazu Zitronenschale. Himbeere und Schlehe sind typische Rohstoffe einer Obstbrennerei; sie verleihen dem Gin die fruchtige Süße und die Rundung, die der Hersteller hervorhebt. Dieser Aufbau liegt näher an der Obstbrennerei als an der klassischen Gin-Rezeptur und passt zur beschriebenen Mildheit trotz 45 % vol.
Verwendung des Unterthurner Gin
- Gin & Tonic: Wegen der Frucht sollte das Tonic trocken und zurückhaltend sein. Thomas Henry Tonic Water bringt Bitterkeit ohne Süße, 1724 Tonic Water ergänzt mit einer feinen Mandarinennote den Zitrusanteil des Gins.
- Clover Club: Die Pressemitteilung schlägt einen Clover Club vor: 4,5 cl Gin, 5 cl Himbeersirup, 2,25 cl frischer Zitronensaft und ein Eiweiß, trocken geschüttelt, dann auf Eis, in eine Coupette abgeseiht. Himbeere im Gin und im Sirup greifen hier ineinander.
- Pur: Der erwähnte Hamburger Händler empfiehlt den Gin zum Pur-Genuss.
Der Unterthurner Gin passt zu Genießern, die Wacholder mögen, aber keinen klassischen London-Dry-Stil erwarten, sowie zu allen, die Südtiroler Obstbrennerei-Tradition in einem Gin schmecken wollen. Er sitzt preislich im Premium-Segment, bleibt aber dank seiner Mildheit zugänglich. Wer die Region sucht, aber ein harzig-alpines Profil bevorzugt, findet im Z44 Gin eine Alternative.
Einordnung & Alternativen
- Monkey 47 Dry Gin – ebenfalls ein Gin mit regionalem Beerenakzent, deutlich komplexer und gewürzbetonter.
- Löwen Dry Gin – alpine Hausbrennerei aus Vorarlberg mit zurückhaltender, krautiger Würze statt Fruchtprofil.
- Reisetbauer Blue Gin – eine weitere Obstbrenner-Interpretation, die auf einem Weizenfeinbrand aufbaut und stärker gewürzgeprägt ist.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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Z44 Gin
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Monkey 47 Dry Gin
Dichte Fülle aus Wacholder, roten Waldbeeren und exotischen Gewürzen — einer der komplexesten Gins überhaupt.

Löwen Dry Gin
Zurückhaltend würzig-krautig mit Bergwiesenkräutern und zarter Orangennote — unkompliziert statt komplex, alpine Hausbrennkunst aus Vorarlberg.

Reisetbauer Blue Gin
27 einzeln mazerierte Botanicals auf Weizenfeinbrand-Basis — komplexe Gewürzschichten mit Süßholz-Pfeffer-Abgang.
Dazu passendes Tonic Water

Thomas Henry Tonic Water
Trocken-bitterer Berliner Klassiker, zurückhaltend und mit feiner Zitrusnote — für komplexe Gins gemacht.

1724 Tonic Water
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