Gin

Die häufigsten Gin-Botanicals: Auswertung von 191 Gins

Welche Botanicals stecken eigentlich in einem Gin – und welche davon sind wirklich Standard? Wir haben für diese Auswertung die Herstellerangaben aus unseren Gin-Artikeln gezählt: 191 von 201 Gins nennen ihre Botanicals zumindest teilweise, und diese Angaben haben wir Botanical für Botanical ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig: Ein kleiner Kern aus Wacholder, Koriander und Angelikawurzel bildet die Basis, und fast alles andere ist Handschrift der jeweiligen Brennerei.

Datenbasis und Methode

Grundlage sind die Steckbriefe der Gin-Produktseiten auf Gin-Time.de mit Stand Oktober 2026. Jeder Gin zählt pro Botanical höchstens einmal. Schreibweisen und Varianten haben wir zusammengefasst, etwa Orris-, Oris- und Iriswurzel oder Koriander und Koriandersamen. Wichtig für die Einordnung: Hersteller legen ihre Rezepturen oft nur teilweise offen, viele Angaben enden mit „u. a.“. Die Anteile in dieser Auswertung sind deshalb Mindestwerte, keine vollständige Rezeptstatistik. Bei den Stilvergleichen verwenden wir außerdem unsere eigene Redaktionsskala von 1 bis 5 für die Wacholder-Intensität und unsere Sternebewertung.

Die häufigsten Botanicals im Überblick

  • Wacholder97 %
  • Koriander60 %
  • Angelika (Wurzel/Samen)42 %
  • Süßholz/Lakritz28 %
  • Iris-/Orrisswurzel24 %
  • Zimt/Cassia23 %
  • Kardamom16 %
  • Lavendel10 %
  • Muskat9 %
  • Grapefruit8 %
  • Holunder8 %
  • Mandel8 %

Die Zahlen zeigen die Spitze. Die ausführliche Rangliste der 20 häufigsten Botanicals mit Beispielen aus unseren Verkostungen folgt hier:

Rang Botanical Gins Anteil Beispiele (hoch bewertet)
1 Wacholder 185 96,9 % Gilpin's Westmorland Extra Dry Gin, Monkey 47 Dry Gin
2 Koriander 115 60,2 % Gilpin's Westmorland Extra Dry Gin, Salcombe Gin
3 Angelika (Wurzel/Samen) 80 41,9 % Gilpin's Westmorland Extra Dry Gin, Salcombe Gin
4 Süßholz/Lakritz 53 27,7 % Monkey 47 Dry Gin, Nordes Atlantic Galician Gin
5 Iris-/Orrisswurzel 46 24,1 % Bertha's Revenge Irish Milk Gin, Plymouth Navy Strength Gin
6 Zimt/Cassia 44 23,0 % Monkey 47 Dry Gin, Hernö Swedish Excellence Gin
7 Kardamom 31 16,2 % Monkey 47 Dry Gin, Nordes Atlantic Galician Gin
8 Lavendel 19 9,9 % Aviation Gin, Cotswolds Dry Gin
9 Muskat 17 8,9 % Monkey 47 Dry Gin, Hayman's London Dry Gin
10 Grapefruit 16 8,4 % Salcombe Gin, Bertha's Revenge Irish Milk Gin
11 Holunder 15 7,9 % Monkey 47 Dry Gin, Bertha's Revenge Irish Milk Gin
12 Mandel 15 7,9 % Bertha's Revenge Irish Milk Gin, Beefeater London Dry Gin
13 Rosmarin 14 7,3 % Niemand Dry Gin, Gin Sul
14 Kubebenpfeffer 14 7,3 % Salcombe Gin, Martin Millers Dry Gin
15 Ingwer 13 6,8 % Monkey 47 Dry Gin, Nordes Atlantic Galician Gin
16 Rose 11 5,8 % Gin Sul, 315 Upstairs Heidelberg Dry Gin
17 Gewürznelke 10 5,2 % Monkey 47 Dry Gin, Bertha's Revenge Irish Milk Gin
18 Bergamotte 10 5,2 % St. George Botanivore Gin, 315 Upstairs Heidelberg Dry Gin
19 Kümmel (inkl. Kreuzkümmel) 9 4,7 % Bertha's Revenge Irish Milk Gin, St. George Botanivore Gin
20 Sternanis/Anis 8 4,2 % Four Pillars Rare Dry Gin, Aviation Gin

Die vollständige Zählung steht auch als CSV-Datei zum Download bereit.

Was die Zahlen erzählen

Wacholder ist fast überall genannt. 185 von 191 Gins (97 %) führen ihn ausdrücklich auf. Die sechs Ausnahmen sind Hendrick's und Gin Sul, bei denen er in unserem Steckbrief nicht eigens genannt wird, sowie vier alkoholfreie Produkte (Seedlip Garden 108, Seedlip Spice 94, Pentire Adrift und Sabatini GinO°). Bei einem echten Gin ist Wacholder rechtlich ohnehin Pflicht, mehr dazu in unserem Beitrag zu den Gin-Botanicals im Detail.

Das klassische Trio ist verbreitet, aber nicht allgegenwärtig. Koriander nennen 115 Gins (60 %), Angelikawurzel oder -samen 80 (42 %). Alle drei zusammen mit Wacholder führen 76 Gins auf, also etwa jeder Zweite bis Dritte (rund 40 %). Bei den London Dry Gins ist der Kern deutlich stabiler: Dort nennen 85 % Koriander und 74 % Angelika, bei den New Western Gins sind es 57 % und 34 %.

Zitrus ist die zweite Säule. 135 von 191 Gins (71 %) nennen mindestens ein Zitrus-Botanical. Zitrone (67) und Orange samt Bitterorange (63) liegen fast gleichauf, Limette (20) und Grapefruit (16) folgen mit Abstand.

Die Fixierer und Wurzeln. Süßholz (53), Iris- beziehungsweise Orrisswurzel (46) und Zimt oder Cassia (44) bilden das nächste Feld mit jeweils rund einem Viertel der Gins. Von Süßholz und Iriswurzel heißt es häufig, dass sie die flüchtigen Aromen im Destillat stabilisieren und Rundheit geben.

Danach wird es individuell. Schon ab Platz 8 liegen die Botanicals unter 10 Prozent: Lavendel (19), Muskat (17), Grapefruit (16), Holunder (15) oder Rosmarin (14). Hier entscheidet sich, ob ein Gin klassisch oder eigenständig schmeckt.

Stile im Vergleich

Kennzahl London Dry New Western Alkoholfrei Übrige Stile
Gins mit Angabe 46 88 21 36
Ø Wacholder-Intensität (1–5) 3,9 2,8 3,4 2,9
Anteil mit Koriander 85 % 57 % 24 % 58 %
Anteil mit Angelika 74 % 34 % 10 % 39 %
Anteil mit Zitrus 85 % 72 % 38 % 69 %
Anteil mit Lavendel 2 % 17 % 5 % 6 %
Anteil mit Ingwer 0 % 12 % 0 % 6 %
Anteil mit Kardamom 7 % 23 % 5 % 19 %
Ø Bewertung (Sterne) 3,9 4,0 3,6 3,7

Der Unterschied zwischen den Stilen steckt weniger im Kern als an den Rändern. London Dry Gins halten sich an das bewährte Rezeptgerüst: Wacholder-Intensität im Schnitt 3,9 von 5, fast alle mit Koriander und Angelika, kaum Lavendel (2 %) und kein Ingwer. Bei den New Western Gins liegt der Wacholder in unserer Wertung im Schnitt bei 2,8, dafür tauchen Lavendel (17 %), Kardamom (23 %) und Ingwer (12 %) deutlich häufiger auf. Wer den Unterschied selbst probieren möchte, findet beide Stile in unseren Beiträgen zu den klassischen Gins und zu New Western Dry Gin. Die alkoholfreien Gins (21 Produkte) fallen mit einer Durchschnittsbewertung von 3,6 Sternen etwas ab. Mehr zu dieser Kategorie steht in unserem Beitrag zur Herstellung alkoholfreier Gins.

Ungewöhnliche Botanicals: Was nur ein Gin nennt

Viele Zutaten kommen in unseren Daten nur einmal vor. Ein paar besonders auffällige Beispiele:

Fazit: Der Kern ist klein, der Spielraum groß

Ein Gin braucht erstaunlich wenig, um ein Gin zu sein: Wacholder ist fast überall genannt, mit Koriander, Angelika und Zitrus bekommt man bereits das Fundament der Mehrheit. Die interessanten Unterschiede entstehen bei den Botanicals, die weniger als jeder zehnte Gin nennt. Wer neue Aromen entdecken möchte, sucht deshalb am besten dort, etwa mit Mediterranen Gins oder den Beispielen oben. Wenn du die Zahlen in eigenen Texten verwendest, freuen wir uns über eine Quellenangabe mit Link auf diese Seite.