Herstellung des Blue Gin:
Der Blue Gin stammt aus der Destillerie Hans Reisetbauer im oberösterreichischen Axberg bei Kirchberg-Thening. Reisetbauer begann 1990 mit dem Anbau von Apfelbäumen auf dem elterlichen Bauernhof und nahm 1994 seine Brennerei in Betrieb, die heute vor allem für ihre Edelbrände und ihren Single-Malt-Whisky bekannt ist – eine Reihenfolge, die auch erklärt, warum der Betrieb bis heute konsequent auf landwirtschaftliche Rohstoffe aus der eigenen Region setzt, statt auf zugekauften neutralen Industriealkohol. Anders als bei den meisten Gins üblich, wird als Basis daher kein neutraler Getreidealkohol verwendet, sondern ein selbst gebrannter Feinbrand aus der oberösterreichischen Weizensorte "Mulan" von Feldern nahe der Brennerei.
Insgesamt 27 sorgfältig ausgewählte Botanicals aus über zehn Ländern mazerieren separat im Alkohol, bevor sie destilliert und mit Mühlviertler Quellwasser auf Trinkstärke reduziert werden. Der Blue Gin wird nur einmal jährlich in einer einzigen großen Produktionscharge hergestellt – ganz nach dem in der Brennerei gelebten Prinzip "Qualität statt Quantität", das Reisetbauer auch bei seinen Whiskys und Bränden verfolgt. Sein Name bezieht sich übrigens nicht auf die Farbe der Spirituose, die glasklar bleibt, sondern auf das auffällige blaue Flaschenetikett, mit dem sich der Gin bereits im Regal von den meist klaren oder grünen Etiketten anderer Gins abhebt.
Verkostung des Blue Gin:
In der Nase zeigt sich eine typische, leicht harzige Wacholdernote, ergänzt durch Zitrusaromen, Gewürze und einen Hauch Süßholz. Am Gaumen entfaltet sich ein milder, öliger Wacholder-Grundton mit erfrischenden Zitrusnoten, erdigen Angelika-Tönen und komplexen Gewürzschichten, die sich über mehrere Minuten hinweg immer wieder neu zeigen. Im Abgang dominieren Süßholz und Pfeffer mit anhaltender Frische und Würze, unterstützt von der weichen Textur, die der Weizenfeinbrand als Basis mit sich bringt.
Steckbrief Blue Gin:
Alkoholgehalt: 43 % vol.
Verwendete Botanicals: 27 Botanicals, u. a. Wacholderbeeren, Zitronenzeste, Angelikawurzel, Koriandersamen, Kurkuma und Süßholzwurzel
Hersteller: Destillerie Hans Reisetbauer, Axberg bei Kirchberg-Thening, Oberösterreich
Botanicals des Blue Gin im Detail
Was den Blue Gin von den meisten anderen 27-Botanicals-Gins unterscheidet, ist nicht nur die Zahl der Zutaten, sondern das Verfahren: Jedes einzelne Botanical wird getrennt mazeriert, statt alle gemeinsam in einem Ansatz ziehen zu lassen. Dieses aufwendige Verfahren erlaubt es der Brennerei, die Mazerationszeit für jede Zutat individuell auf ihre jeweilige Beschaffenheit abzustimmen – harte Wurzeln wie Angelika benötigen deutlich länger als empfindliche Zitrusschalen. Kurkuma bringt eine erdig-leicht bittere Würze und einen Hauch Farbe ins Spiel, während Süßholzwurzel für die charakteristische, leicht süßliche Rundung im Abgang sorgt. Diese Detailarbeit an einzelnen Botanicals ist typisch für Reisetbauers Herangehensweise, die sich stark an der Präzision seiner Edelbrand- und Whiskyproduktion orientiert.
Verwendung des Blue Gin
- Gin & Tonic: Der Blue Gin harmoniert gut mit einem klassischen Indian Tonic Water wie dem Fever-Tree Premium Indian Tonic Water und einer Zitronenscheibe, die seine frischen Zitrusnoten unterstreicht.
- Cocktails: Auch in klassischen Cocktails wie Gimlet oder Gin Fizz zeigt der Blue Gin seine komplexe Würze und wurde 2017/18 im Falstaff Bar & Spirits Guide als bester Gin Österreichs ausgezeichnet.
- Pur oder auf Eis: Wegen der Sorgfalt bei der Botanical-Auswahl und der weichen Textur des Weizenfeinbrands lohnt sich der Blue Gin auch pur mit einem großen Eiswürfel, um die einzelnen Aromenschichten in Ruhe nachzuvollziehen.
Der Blue Gin richtet sich an alle, die einen komplexen, handwerklich hergestellten Gin aus landwirtschaftlicher Herkunft schätzen und bereit sind, für die aufwendige Einzelmazeration der 27 Botanicals auch einen höheren Preis zu zahlen. Im Vergleich zu anderen österreichischen und deutschen Craft-Gins zeigt der Blue Gin, wie stark sich das Know-how einer auf Edelbrände spezialisierten Brennerei auf das Endprodukt überträgt – wer die Bandbreite mitteleuropäischer New-Western-Gins weiter erkunden möchte, findet mit dem holzig-floralen Niemand Dry Gin einen ganz anders ausgerichteten, aber ähnlich konzeptuell durchdachten deutschen Vertreter.
Auch die Einbettung in das übrige Sortiment der Brennerei lohnt einen Blick: Reisetbauer nutzt für seinen Blue Gin dieselbe landwirtschaftliche Infrastruktur und dieselbe Sorgfalt, mit der auch die bekannten Obstbrände und der Single-Malt-Whisky des Hauses entstehen. Die einmal jährliche Produktion in einer einzigen großen Charge unterscheidet den Blue Gin dabei deutlich von industriell in Serie gefertigten Gins, bei denen ganzjährig produziert wird. Für Fans österreichischer Spirituosenkultur ist der Blue Gin damit weniger ein eigenständiges Nebenprodukt als vielmehr ein logischer, konsequenter Ausdruck derselben Braukunst, mit der Reisetbauer seit den 1990er-Jahren sein Renommee im Bereich Edelbrand und Whisky aufgebaut hat. Der hohe Preis im Super-Premium-Segment erklärt sich dabei direkt aus der aufwendigen Einzelmazeration der 27 Botanicals und der einmal jährlichen Kleinserienproduktion.
Einordnung & Alternativen
- Ferdinand's Saar Dry Gin – ebenfalls landwirtschaftlich geprägt und önologisch inspiriert, allerdings weinig statt weizenbasiert.
- Monkey 47 Dry Gin – ähnlich aufwendig komponiert mit vielen Botanicals, aber deutscher Schwarzwald-Charakter statt österreichischer Weizenbasis.
- Hernö Swedish Excellence Gin – ebenfalls handwerklich mit Sorgfalt produziert, schwedisch statt österreichisch und etwas moderater im Preis.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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