Springbank 18 Jahre – das reife Gesicht von Campbeltown
Der Springbank 18 Jahre gehört zu den gefragtesten Flaschen der Brennerei und ist im Handel nicht immer leicht zu finden. Er wird mit 46 % vol. abgefüllt und gilt als reifer, süßerer und fruchtiger Gegenpol zum frischeren Zehnjährigen. Typisch sind Dörrfrüchte, Honig und Marzipan, dazu die salzige, leicht rauchige Spur, die Campbeltown ausmacht. Das Besondere an dieser Abfüllung ist weniger ein Rezept als ihr Charakter als Produkt von Chargen: Wer mehrere Releases vergleicht, bemerkt Unterschiede in Süße, Würze und Salz.
Geschichte: Vom Stillstand zur Wiedereröffnung
Die Brennerei wurde 1828 durch die Brüder Reid lizenziert und ging 1837 an John und William Mitchell. Bis heute führt die Familie sie als J & A Mitchell & Company. Mehr zur Rolle von Springbank in der einstigen Whisky-Hauptstadt steht im Porträt der Brennerei und im Beitrag Campbeltown: Geschichte und Stil.
Auch Springbank überstand die Krise nicht ohne Pause: Laut Wikipedia schloss die Brennerei 1979 und nahm die Produktion 1989 wieder auf. Ein heute abgefüllter 18-Jähriger stammt damit aus der Zeit nach der Wiedereröffnung.
Der Springbank 18 im Speziellen
Der Achtzehnjährige steht im Kernsortiment über dem Springbank 10 Jahre und dem Springbank 15 Jahre; darüber folgen noch ältere Abfüllungen. Bei den Fässern gehen die Angaben auseinander. Händler nennen eine Mischung aus Sherry-, Bourbon- und teils Rumfässern ohne feste Anteile, ein anderer Anbieter spricht von je zur Hälfte Sherry und Bourbon, Verkoster in Foren berichten von sehr unterschiedlichen Sherryanteilen. Gesichert ist nur: Sherry spielt in vielen Chargen eine hörbare Rolle, genaue Anteile gibt es nicht.
Nach Wikipedia werden die Malts des Hauses weder kühlgefiltert noch gefärbt, und für eine frühe Charge des 18-Jährigen führt die Datenbank Whiskybase dasselbe auf. Für die aktuelle Abfüllung fanden wir keine eigene Händlerangabe dazu. Was das bedeutet, erklärt Kühlfiltrierung und Naturfarbe.
Herstellung: Vom Malzboden bis zur zweieinhalbfachen Destillation
Springbank mälzt nach Wikipedia als einzige schottische Brennerei alle Schritte selbst, darunter eine traditionelle Malztenne. Die Gerste wird je nach Abfüllung 30 bis 48 Stunden mit Islay-Torf oder Warmluft getrocknet. Destilliert wird in drei Kupferbrennblasen nach dem hausinternen Verfahren der zweieinhalbfachen Destillation, die für die ölige Textur mitverantwortlich ist.
Nach 18 Jahren Reifezeit, die Springbank in Campbeltown verbringt, zeigt sich dieser Spirit deutlich gezähmter als in jungen Jahren. Die Torfspur bleibt, rückt aber hinter Frucht und Würze zurück. Mehr zu den Begriffen auf dem Etikett steht in Scotch-Whisky-Etiketten verstehen.
Verkostungsnotiz
Die Notiz fasst Händlerangaben und mehrere Fachtests zusammen; sie ist keine eigene Verkostung und kann je nach Charge abweichen.
- Farbe: Goldton bis Bernstein, nach den Hausangaben ohne Farbstoff.
- Nase: Dörrfrüchte wie Datteln, Rosinen und Feige, dazu Demerara-Zucker, Blaubeere und Zitrone. Laut Händlerbeschreibung auch geröstete Bananen, Honig und Küstenluft.
- Gaumen: Cremig und ölig mit Marzipan, Weihnachtskuchen und Zimt, daneben Kaffee, Erdbeere und eine würzige Seite mit Chili und Kiefernnadel. Verkoster berichten von einer Spur Rauch und viel Salz.
- Abgang: Lang, süß-salzig mit Karamell und Schokolade und einer leicht rauchigen Frucht. Einzelne Tester finden ihn trocken oder leicht bitter.
Genuss-Empfehlung
Am besten pur, in einem Nosing-Glas und mit viel Zeit, denn Verkoster berichten, dass sich der Springbank 18 nach dem Öffnen der Flasche verändert und über mehrere Wochen trockener und salziger wird. Ein paar Tropfen Wasser öffnen Würze und Frucht. Eiswürfel und Mixgetränke wären bei dieser Abfüllung Verschwendung. Kulinarisch passen reifer Blauschimmelkäse, dunkle Schokolade, Walnüsse oder geräucherter Fisch.
Einordnung & Alternativen
Der Springbank 18 ist ein Sammler- und Genießer-Malt; wer ihn mit Alternativen vergleicht, sollte auf Stil und Verfügbarkeit achten.
- Springbank 15 Jahre – der direkte Vorgänger im Sortiment, sherrybetonter, mit dunkler Frucht; einige Verkoster ziehen ihn dem 18er sogar vor.
- Kilkerran 12 Jahre – aus der Schwesterbrennerei Glengyle, leicht getorft, mit Honig und Meeresbrise und deutlich günstiger.
- Glen Scotia 15 Jahre – ein weiterer Campbeltown-Malt mit 46 % vol., trockener und eichiger, mit Aprikose und Ingwer.
- Springbank 12 Jahre Cask Strength – kraftvoller, mit Marzipan, Rauch und Salz bei Fassstärke.
Fazit
Der Springbank 18 Jahre ist ein vielschichtiger Malt mit Dörrfrucht, Honig, Marzipan und Salz, der in Fachkreisen hoch angesehen ist; Whiskybase und Connosr führen ihn um die 90 Punkte. Es gibt aber Einwände: Einige Tester fanden ihn leichter als den 15-Jährigen oder den 10-Jährigen und in der Preisklasse nicht so beeindruckend, andere kritisieren ein bitteres Finish. Wir vergeben 4.4 von 5 Punkten. Er passt zu Kennern, die den Springbank-Stil mit Reife erleben wollen, und zu Sammlern. Für den ersten Kontakt mit Campbeltown reichen der Zehn- oder der Fünfzehnjährige vollkommen aus.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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