Bourbon Whiskey

W.L. Weller Special Reserve Bourbon

4/5 Redaktionsbewertung
45 % vol.MittelklasseNeue, innen ausgebrannte amerikanische Weißeichenfässer; ohne AltersangabeKentucky, USA
Bourbon WhiskeyUS WhiskeyWhisky
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W.L. Weller Special Reserve – der „Original Wheated Bourbon“ mit grünem Etikett

Wer Bourbon mit Roggenschärfe verbindet, sollte den W.L. Weller Special Reserve kennenlernen: Hier übernimmt Weizen die Rolle des zweiten Getreides, und das Ergebnis ist ein auffallend sanfter, honigsüßer Whiskey. Er wird bei Buffalo Trace in Frankfort, Kentucky, gebrannt, mit 45 % vol. abgefüllt und gilt als Einstiegspunkt in die Weller-Familie. In den USA ist er seit Jahren gefragt und vielerorts schwer zu bekommen, was ihm einen Ruf eingebracht hat, der größer ist als sein eigentliches Profil. Zeit, beides auseinanderzuhalten.

Geschichte: Von William Larue Weller zu Pappy Van Winkle

Der Namensgeber William Larue Weller (1825–1899) gilt als einer der ersten Brenner, die in Kentucky Weizen statt Roggen verwendeten. Als Jahr der Markeneinführung wird häufig 1849 genannt. Im 20. Jahrhundert wurde die Marke mit einem der bekanntesten Namen der Bourbon-Geschichte verknüpft: 1935 entstand durch den Zusammenschluss von W. L. Weller & Sons und der A. Ph. Stitzel Distillery die Stitzel-Weller Distillery in Louisville, eröffnet am Derby-Tag. Treibende Kraft war Julian „Pappy“ Van Winkle, der zuvor als Weller-Vertreter angefangen hatte. Die Brennerei trug dazu bei, den Weizen-Bourbon bekannt zu machen, und ließ ihre Fässer oft länger reifen, als damals üblich war.

Nach dem Verkauf der Brennerei 1972 wechselten die Besitzer mehrfach, 1992 schloss der Standort. Die Marke Weller wanderte zu Ancient Age, das heute Buffalo Trace heißt. Laut Wikipedia gehört sie seit 1999 zur Sazerac Company. Mehr über das Haus verrät unser Porträt der Buffalo Trace Distillery.

Der Weller Special Reserve im Speziellen

Das grüne Etikett trägt keine Altersangabe. Die Rezeptur gibt der Hersteller nicht preis; Fachseiten beschreiben sie als Mischung aus Mais, Weizen und gemälzter Gerste. Fest steht, dass es sich um einen „Wheated Bourbon“ handelt, also um einen Whiskey, dessen Zweitgetreide Weizen ist. Die Abfüllung mit 90 Proof (45 % vol.) liegt knapp über dem Maker's Mark und deutlich über vielen Standard-Bourbons mit 40 %.

Im Weller-Sortiment ist er die Basis. Darüber stehen unter anderem der Antique 107 (rotes Etikett, 53,5 % vol.), der Single Barrel, der Full Proof, der 12 Year und der C.Y.P.B. Der Special Reserve ist mit 45 % vol. die moderat abgefüllte Basis der Reihe, die höheren Stärken sind den anderen Varianten vorbehalten.

Herstellung: Warum Weizen so weich schmeckt

Jeder Bourbon besteht zu mindestens 51 % aus Mais. Das zweite Getreide setzt die Akzente: Roggen bringt Pfeffer und Kräuter, Weizen bleibt im Hintergrund und lässt Süße und Holz sprechen. Dadurch gilt ein Wheated Bourbon als rund und mild. Gereift wird, wie gesetzlich vorgeschrieben, in neuen, innen ausgebrannten Weißeichenfässern. Wer die Zusammenhänge zwischen Getreide und Stil vertiefen möchte, findet sie im Artikel Mash Bill beim Bourbon.

Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, z. B. von Buffalo Trace und von Breaking Bourbon, nicht auf eine eigene Verkostung der Redaktion.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Tiefes Orange-Bernstein; der Hersteller spricht von einem „burnt orange“.
  • Nase: Süß mit Karamell und Vanille, dazu ein Hauch Honig, etwas Eiche und eine zarte Blütennote, die sich erst bei näherem Schnuppern zeigt.
  • Gaumen: Weich und ruhig – Honig und Butterscotch, Vanille, ein wenig leichte Frucht und nur wenig Holz. Würze oder Pfeffer fehlen fast völlig.
  • Abgang: Kurz bis mittellang, warm und sanft; zuerst etwas mehr Eiche, dann kehren Honig und Karamell zurück, beim Hersteller mit einem Anklang von Geißblatt beschrieben.

Genuss-Empfehlung

Der Weller Special Reserve verlangt nach keinem großen Aufwand. Aus einem kleinen Nosing-Glas oder einem Tumbler bei Zimmertemperatur kommt seine Süße am besten zur Geltung; ein Spritzer Wasser ist kaum nötig, denn er ist ohnehin nicht scharf. Wer Eis möchte, nimmt einen großen Würfel und stellt sich auf eine noch weichere, dezentere Süße ein.

Als Cocktailbasis eignet er sich für alles, was Rundheit verträgt. Im Old Fashioned ergibt er eine dessertartige, wenig würzige Variante, im Whiskey Smash tragen Honig und Karamell die Minze und die Zitrone. Kulinarisch passen Apfelkuchen mit Zimt, ein milder Gouda oder Walnüsse. Mit gegrilltem Hähnchen oder Maisbrot greift er die süßen Töne auf.

Einordnung & Alternativen

  • Larceny Small Batch Bourbon – ebenfalls ein Wheated Bourbon, etwas stärker abgefüllt und mit mehr Brotkruste und Gewürz.
  • Maker's Mark Kentucky Bourbon – der bekannteste Weizen-Bourbon, mit 45 % vol. auf gleicher Stärke und mit mehr Karamell und Vanille im Vordergrund.
  • Eagle Rare 10 Jahre – aus derselben Brennerei, aber roggenhaltig und kräftiger in der Würze, mit Altersangabe.

Fazit

Der Weller Special Reserve ist ein Bourbon für alle, die es sanft mögen: süß, rund und ohne Kanten. Wer Tiefe und Komplexität sucht, findet ihn eher schlicht; genau das macht aber seinen Reiz aus. Er ist der ideale Startpunkt für Wheated Bourbons und ein guter Weg, um zu verstehen, was das zweite Getreide im Whiskey ausmacht. Der Ruf der Marke und die knappe Verfügbarkeit in den USA sagen wenig über das Glas aus; für sich genommen ist der grüne Weller ein solider, angenehmer Alltagsbegleiter, den wir mit 4,0 Punkten bewerten.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit2/5
Würze/Eiche2/5

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