Bourbon Whiskey

Wild Turkey Longbranch Bourbon

3,5/5 Redaktionsbewertung
43 % vol.MittelklasseNeue, ausgekohlte amerikanische Eichenfässer; laut Hersteller 8 Jahre; zusätzlich Holzkohlefiltration mit Eichen- und Texas-Mesquite-KohleKentucky, USA
Bourbon WhiskeyUS WhiskeyWhisky
Bei Amazon ansehen
Preis & Verfügbarkeit auf Amazon prüfen
Werbung · Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen
Ansehen

Wild Turkey Longbranch – Bourbon mit Mesquite-Kohle aus Texas

Ein Bourbon aus Kentucky, gefiltert mit Holzkohle aus einem texanischen Baum: Der Wild Turkey Longbranch verbindet die Heimat von Master Distiller Eddie Russell mit der des Schauspielers Matthew McConaughey. Acht Jahre alt, mit 43 % vol. abgefüllt und deutlich milder als der berühmte Wild Turkey 101, ist er die sanfte Seite des Hauses. Entscheidend ist die Frage, was die Mesquite-Kohle im Glas wirklich ausmacht.

Geschichte: Eine Zusammenarbeit mit Vorlauf

Wild Turkey stammt aus Lawrenceburg in Kentucky. Die Wurzeln der Brennerei reichen je nach Quelle bis 1869 oder 1891 zurück, den Markennamen trägt der Bourbon seit den frühen 1940er-Jahren. Seit 2009 gehört das Haus zur Campari Group; Jimmy Russell ist seit 1954 im Unternehmen, sein Sohn Eddie führt die Brennmeister-Tradition fort. Einen Überblick liefert das Porträt der Wild Turkey Distillery.

McConaughey kam 2016 als Creative Director zur Marke. Zwei Jahre später, im April 2018, erschien der Longbranch, entwickelt gemeinsam mit Eddie Russell. Russell beschreibt ihn nach einem Bericht von InsideHook als leichter trinkbar als die kräftigen Bourbons des Hauses, etwa den 101 mit 50,5 % vol.

Der Wild Turkey Longbranch im Speziellen

Das Etikett nennt kein Alter, aber laut Hersteller reift der Whiskey acht Jahre. Mit 43 % vol. (86 Proof) liegt er deutlich unter dem 101 und auch unter dem Russell's Reserve 10 Jahre. Als Mashbill nennt Breaking Bourbon rund 75 % Mais, 13 % Roggen und 12 % Gerstenmalz, was zu den Branchenangaben für Wild Turkey passt; offiziell veröffentlicht der Hersteller keine Prozentzahlen.

Besonders ist die Nachbehandlung. Nach Berichten wird der Whiskey in zwei Schritten durch Holzkohle gefiltert, zuerst durch Kohle aus amerikanischer Weißeiche, dann durch Kohle aus Texas-Mesquite. InsideHook nennt je rund 24 Stunden für jede Kohle, dazu weitere zwölf Stunden für die Mischung; frühe Versuche hätten zu stark nach rauchigem Scotch geschmeckt, weshalb die Zeit begrenzt wurde. Zum genauen Zeitpunkt im Reifeprozess machen die Quellen keine klaren Angaben.

Herstellung: Holzkohle statt Torf

Die Grundlage entsteht wie bei allen Wild-Turkey-Bourbons in Lawrenceburg. Nach den Angaben im Porträt der Brennerei wird mit hauseigener Hefe vergoren, in einer Säulenanlage mit nachgeschaltetem Doubler gebrannt und in neuen Weißeichenfässern mit stark ausgebranntem „Alligator Char“ gelagert. Das Haus brennt nach Fachangaben mit vergleichsweise niedriger Stärke und verdünnt vor der Abfüllung wenig, was mehr Getreidearomen im Destillat lässt. Auf diesem Fundament baut der Longbranch auf.

Holzkohlefilterung kennt man vor allem vom Tennessee Whiskey und dem Lincoln County Process; wie das funktioniert, beschreibt unser Artikel Tennessee Whiskey und der Lincoln County Process. Der Longbranch bleibt dennoch ein Kentucky Straight Bourbon: Er reift in neuen, ausgekohlten Eichenfässern, wie es das Gesetz vorschreibt. Der Rauch ist nicht mit Islay-Torf vergleichbar, er bleibt ein leiser Hauch.

Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, z. B. von Breaking Bourbon, The Whisky Exchange und InsideHook, nicht auf eine eigene Verkostung der Redaktion.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Gold.
  • Nase: Mild und süß mit Karamell, Vanille und Toffee, dazu Muskatnuss und Eiche; Händlerbeschreibungen nennen zudem Butter und Zitrone.
  • Gaumen: Cremig – Honig und Orange, geschichtete Gewürze auf stabilem Eichenfundament; andere Beschreibungen erwähnen Birne und Zitrusfrucht.
  • Abgang: Kurz warm, dann leicht trocken, mit Karamell, Gewürz, geröstetem Holz und einem flüchtigen Hauch Rauch.

Genuss-Empfehlung

Der Longbranch passt zum Sommerabend. Pur trinkt man ihn bei Zimmertemperatur, mit einem großen Eiswürfel bleibt er frisch und die Süße gewinnt. Eddie Russell nennt ihn nach InsideHook einen guten Sommer-Whiskey und eine gute Cocktailbasis; als Rezept wird ein Texas Mesquite Old Fashioned vorgeschlagen. Auch im Whisky Sour macht er sich gut, weil die Zitrone die Süße ausbalanciert und der leichte Rauch eine Tiefe ergibt, die ein reiner Maisbourbon nicht mitbringt.

Zum Essen passt alles aus dem Smoker oder vom Grill: Pulled Pork, Rippchen, gegrillter Mais. Wer es weniger deftig mag, nimmt reifen Cheddar oder eine Birnen-Tarte.

Einordnung & Alternativen

  • Wild Turkey 101 Bourbon – das Flaggschiff des Hauses mit 50,5 % vol.: viel kräftiger, würziger und ohne Rauch.
  • Russell's Reserve 10 Jahre Bourbon – ebenfalls aus der Wild Turkey Distillery, zehn Jahre alt und mit 45 % vol. kräftiger abgefüllt.
  • Bulleit Bourbon – ein weiterer zugänglicher Kentucky-Bourbon, aber mit höherem Roggenanteil und mehr Würze.

Fazit

Der Wild Turkey Longbranch will gefallen, und das gelingt ihm. Er ist weich, süß, ein wenig rauchig und leicht zu trinken, ohne langweilig zu werden. Kritiker nannten ihn nicht herausragend, aber ausreichend eigenständig, um im Regal seinen Platz zu rechtfertigen. Wer die Kraft des 101 sucht, wird ihn zu zahm finden; wer einen sanften Bourbon mit einem Hauch Rauch sucht, bekommt hier eine interessante Variante. Wir bewerten ihn mit 3,5 Punkten.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf2/5
Fruchtigkeit2/5
Würze/Eiche3/5

Wild Turkey Longbranch Bourbon kaufen:

Bei Amazon ansehen
Preis & Verfügbarkeit auf Amazon prüfen
Werbung · Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen
Ansehen