Ardnahoe Infinite Loch – Der aktuelle Kern-Einstieg von Islays jüngster Destillerie
Die Ardnahoe Distillery an der Nordostküste Islays, direkt am Sound of Islay mit Blick auf die Berge Juras, ist die jüngste Brennerei der Insel und eröffnete erst 2019 nach jahrelanger Bauzeit. Ihr aktueller Kern-Einstieg trägt den Namen Infinite Loch: eine mit 50 % Vol. abgefüllte, ungekühltfilterte Fünf-Jahres-Abfüllung, gereift in einer Kombination aus Erstbefüllungs-Bourbon- und Erstbefüllungs-Oloroso-Sherryfässern. Wer nach der ursprünglichen "Inaugural Release" sucht, dem sei gesagt: Diese erste, 2024 veröffentlichte Charge wurde inzwischen durch Infinite Loch als ständige Standardabfüllung abgelöst – ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich das Sortiment einer noch jungen Destillerie weiterentwickelt.
Geschichte: Vom unabhängigen Abfüller zum eigenen Brennrecht
Hunter Laing & Co., 2013 von Stewart Laing nach der Aufspaltung des Familienunternehmens Douglas Laing & Co. gegründet, war jahrzehntelang ausschließlich als unabhängiger Abfüller von Fassstärke- und Raritäten-Whiskys aktiv, bevor man sich entschloss, mit einer eigenen Brennerei erstmals selbst zu produzieren. Die Pläne für Ardnahoe wurden Anfang 2016 eingereicht, das Fundament stand im Oktober 2017 fertig, und im April 2019 eröffnete schließlich die erste neue Whiskydestillerie Islays seit 15 Jahren – eingeweiht vom früheren Politiker Lord Robertson of Port Ellen. Mit einer Investitionssumme von rund 12 Millionen Pfund und einer Kapazität von etwa 900.000 Litern reinem Alkohol pro Jahr zählt Ardnahoe zu den größeren neuen Craft-Destillerien Schottlands. Weil das schottische Recht eine Mindestreifezeit von drei Jahren vorschreibt, hätte theoretisch schon 2022 ein erster Whisky abgefüllt werden können – Hunter Laing entschied sich jedoch bewusst, bis 2024 zu warten und erst dann mit der "Inaugural Release" den ersten kommerziellen Whisky der Destillerie vorzustellen. Seither wurde das Kernsortiment kontinuierlich erweitert: Neben Infinite Loch zählen inzwischen auch die stärker sherrygeprägte Abfüllung Bholsa sowie, seit Ende Oktober 2025, eine erste Fassstärke-Abfüllung mit 60,9 % Vol. zum ständigen Programm – ein Beleg dafür, wie dynamisch sich das Angebot einer Brennerei in den ersten Jahren nach der Gründung entwickeln kann.
Der Ardnahoe Infinite Loch im Speziellen
Infinite Loch bildet innerhalb dieser noch jungen, wachsenden Range die zugänglichste und meistverfügbare Abfüllung. Der Whisky ist fünf Jahre alt, wird mit 50 % Vol. abgefüllt und durchläuft keine Kühlfiltrierung. Die Reifung erfolgt in einer Mischung aus Erstbefüllungs-Bourbon- und Erstbefüllungs-Oloroso-Sherryfässern, was ihm im Vergleich zur ursprünglichen Inaugural Release ein spürbar reineres, etwas süßeres Profil verleiht – Kenner beschreiben ihn als "sauberer" und "verfeinerter", wenngleich auch als noch jugendlich unkomplex im Vergleich zu älteren Islay-Whiskys.
Herstellung: Worm Tubs mit Blick auf die Sound of Islay
Eine echte Besonderheit von Ardnahoe ist die Verwendung traditioneller Worm Tubs zur Kondensation des Brennblasendampfes – lange, in kaltem Wasser liegende Kupferrohre statt moderner Röhrenkondensatoren, ein Verfahren, das unter den Islay-Destillerien inzwischen selten geworden ist. Die Anlage betreibt lediglich je eine Wash und eine Spirit Still, was ihr trotz einer Kapazität von 900.000 Litern jährlich einen fast handwerklichen Charakter verleiht. Die Lage direkt am Sound of Islay, mit unverbautem Blick auf die Berge Juras, sorgt zusätzlich für eine ausgeprägt maritime Note während der Lagerung in den Küstenlagerhäusern. Das angeschlossene Besucherzentrum mit Shop und Whisky-Bar zählte bereits wenige Monate nach der Eröffnung mehrere Tausend Gäste und wurde von VisitScotland mit der höchsten Kategorie ausgezeichnet – ein Hinweis darauf, dass Ardnahoe von Beginn an nicht nur auf Produktion, sondern ebenso auf Tourismus und direkten Kontakt zu Besuchern setzte, was auf Islay angesichts der zahlreichen etablierten Nachbarn keine Selbstverständlichkeit ist.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold.
- Nase: Salzige Meeresbrise und maritimer Torfrauch, dazu Orangenöl, gesalzene Zitrone, Malzkeks und ein Hauch Kakao.
- Gaumen: Süß-salzig mit einer Mischung aus Menthol, frischer Frucht und rauchigen Lagerfeuer-Röstaromen.
- Abgang: Anhaltender Torfrauch und Zitrusfrische, abgerundet von einer sanft-pfeffrigen Wärme.
Genuss-Empfehlung
Am besten entfaltet sich der Infinite Loch pur in einem Nosing-Glas bei Zimmertemperatur, wo sich Salz, Rauch und Zitrus deutlich voneinander abgrenzen lassen; ein Tropfen Wasser öffnet zusätzlich die Kakao- und Kekstöne der Nase. Kulinarisch passt er gut zu geräuchertem Fisch, Austern oder einem würzigen Räucherkäse – Gerichte, die seine maritime, leicht rauchige Seite spiegeln, statt sie zu übertönen. Wer die junge, noch nicht vollständig ausgereifte Fasstiefe des Whiskys ausgleichen möchte, kann ihn auch leicht gekühlt servieren, ohne dass die Rauch- und Zitrusaromen dadurch verloren gehen.
Fazit
Als aktuelle Standardabfüllung zeigt der Ardnahoe Infinite Loch, dass sich Islays jüngste Destillerie trotz ihres jungen Alters bereits ein eigenständiges, salzig-rauchiges Profil erarbeitet hat. Wer die etablierten Nachbarn der Insel kennt, findet mit dem Ardbeg 10 Jahre einen deutlich rauchintensiveren Vergleichspunkt aus derselben Küstenregion – Ardnahoe positioniert sich dazwischen etwas zugänglicher und weniger phenolisch. Wer neugierig auf die Entwicklung einer noch wachsenden Islay-Destillerie ist, sollte diesen Whisky im Blick behalten, ebenso wie das restliche, sich schnell erweiternde Sortiment aus Bholsa und der neuen Fassstärke-Abfüllung.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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