Finch Classic – Whisky vom Feld ins Glas, auf 800 Metern Höhe
Beim Finch Classic steht das Getreide im Mittelpunkt, nicht das Malz. Die Finch Whiskydestillerie in Heroldstatt auf der Schwäbischen Alb baut nach eigenen Angaben ihr Getreide selbst an, erntet es und verarbeitet alles vor Ort. Den Classic nennt das Haus „Schwäbischer Hochland Whisky“; im Handel läuft er auch als „Schwäbischer Highland Whisky“. Er hat 40 % vol., reift in Weinfässern und zeigt eine Stilistik, die eher an gereiften Obstbrand erinnert als an schottischen Single Malt.
Geschichte: Ein Brenner und sein Getreide
Die Destillerie liegt auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb, knapp 800 Meter über dem Meer, in Heroldstatt. Hinter dem Haus steht Hans-Gerhard Fink, der besondere Getreidesorten anbaut und die Whiskys als Brennmeister betreut. Das Portal „Schwäbischer Whisky“, das mehrere Brennereien der Region vorstellt, nennt für die Gutsbrennerei Aglishardt, aus der Finch hervorging, den Beginn des Brennens im Jahr 1999 und die Herstellung des ersten Whiskys im Jahr 2001. Damit gehört Finch zu den frühen deutschen Whisky-Brennereien, deren Entwicklung der Beitrag Deutscher Whisky: Geschichte und Pioniere nachzeichnet.
Der Hersteller betont den Weg „vom Feld ins Glas“: Anbau, Ernte, Brennen und Reifen liegen in einer Hand. Nach eigenen Angaben lagern über 5.000 Fässer im Keller, und Finch beansprucht den größten Bestand an lange gereiften Whiskys in Deutschland. Gebrannt wird in einer Pot Still mit 3.000 Litern Fassungsvermögen. Einen Überblick über andere Häuser gibt der Artikel Deutsche Whisky-Brennereien im Überblick.
Im Sortiment des Hauses reicht die Spanne vom Classic über Single Malts und Rauchvarianten bis zu Roggen- und Dinkel-Editionen mit Portweinfass. Auf der Website verweist Finch auf mehrere Auszeichnungen der World Whiskies Awards in London für seinen Schwäbischen Hochland Whisky, darunter einen Kategoriesieg für einen zehnjährigen Dinkel-Port-Cask im Jahr 2025. Der Classic selbst ist dort nicht als Preisträger genannt; er ist aber eine zugängliche Visitenkarte der Marke.
Der Finch Classic im Speziellen
Der Classic gehört zur Reihe „FineSelection“ des Hauses. Das Getreide ist laut Portal Schwäbischer Whisky Dinkel und Weizen vom eigenen Hof; die Fässer sind Barriques, in denen zuvor Wein reifte. Der Whisky lagert nach diesen Angaben bei etwa 65 % vol. im Fass und wird zur Trinkstärke von 40 % vol. heruntergesetzt. Bei der Reifedauer weichen die Quellen ab: Das Portal nennt vier Jahre, einige Händler fünf, andere sechs Jahre. Eine einheitliche Altersangabe liefern die Quellen nicht, deshalb nennen wir hier lieber die Spanne als eine einzelne Zahl.
Auch bei der Einordnung gibt es Besonderheiten. Weil Dinkel und Weizen im Mittelpunkt stehen, versteht sich der Classic nicht als klassischer Single Malt, sondern als deutscher Getreidewhisky. Wie die Rechtslage in Deutschland aussieht, erklärt der Beitrag Was ist „deutscher Whisky“?. Zu beachten: Der Classic wird in einer 0,5-Liter-Flasche abgefüllt.
Verkostungsnotiz
Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, z. B. von Falstaff (86 Punkte, Verkostung 2019) und dem Portal Schwäbischer Whisky.
- Farbe: Bernstein.
- Nase: Sehr fruchtig, erinnert an gereifte Steinobstbrände. Dazu kommen Waldfrüchte, Trauben und Rosinen mit Vanille im Hintergrund.
- Gaumen: Sanft und mild in der Textur, leichter Körper, feine Gerbstoffe. Fruchtige Weinnoten, Honig und Vanille.
- Abgang: Eher kurz bis mittellang, süß-fruchtig mit leichter Pfefferwürze, die sich langsam entwickelt.
Genuss-Empfehlung
Der Händler Vinoscout empfiehlt den Classic pur bei Zimmertemperatur oder auf Eis. Beides passt zu einem Whisky, der keine Wucht mitbringt, sondern Frucht und Weichheit. Auf der Alb passt er gut als Digestif nach einem Vesper mit Bergkäse, Schinken und Brot oder zu einem Stück Zwetschgenkuchen mit Sahne. Wer ihn mischen möchte, kann es mit einem langen Drink aus Apfelsaft und Soda versuchen, der die Fruchtnoten betont, ohne sie zu überdecken. Als Glas genügt ein kleiner Tumbler; für Eis ist er ebenso geeignet wie für ein Nosing-Glas bei Zimmertemperatur.
Einordnung & Alternativen
- St. Kilian Classic Deutscher Whisky – ebenfalls fruchtig, aber mit 46 % vol. kräftiger und mit Sherry- und Bourbonfass-Würze.
- Stork Club Single Malt Whisky – ein deutscher Single Malt mit Wein- und Sherryfass, tropisch-fruchtig.
- Slyrs Bavarian Single Malt – deutlich süßer und vanilliger durch neue amerikanische Weißeiche.
Fazit
Der Finch Classic ist ein mild-fruchtiger Einstieg in den Whisky von der Alb. Er lebt von seinem Getreide und von der Weinfassreifung, nicht von Rauch oder Kraft. Wer klassische Single-Malt-Maßstäbe anlegt, wird ihn als zurückhaltend empfinden; wer deutschen Whisky als eigenen Stil verstehen will, bekommt eine nachvollziehbare Visitenkarte der Destillerie. Falstaff vergab 86 Punkte. Bei Alter und Fassdetails lohnt ein Blick auf die aktuelle Händlerbeschreibung, denn die Angaben sind nicht einheitlich.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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