Herstellung des Filliers Dry Gin 28:
Die Destillerie Filliers im ostflandrischen Deinze zählt zu den ältesten und zugleich noch immer familiengeführten Spirituosenbetrieben Belgiens. Die Wurzeln reichen bis 1869 zurück, als Karel Lodewijk Filliers das Land für die erste Brennerei erwarb; als eigentliches Gründungsjahr führt das Haus jedoch 1880 in seinem Namen, seit die zweite Generation unter Kamiel Filliers die Produktion von Getreide-Genever aufnahm. Bis heute wird Filliers in direkter Familienlinie geführt, mittlerweile in der sechsten Generation. Das eigentliche Gin-Rezept entstand 1928, als der damalige Braumeister Firmin Filliers erstmals einen eigenständigen belgischen Gin komponierte – lange bevor "Dry Gin" in Kontinentaleuropa überhaupt ein verbreiteter Begriff war. Dieses historische Rezept bildet bis heute die Grundlage des Filliers Dry Gin 28.
Der Name verweist auf die 28 Botanicals, die in einer bis heute geheim gehaltenen Zusammenstellung aus Kräutern, Wurzeln und Früchten verarbeitet werden. Filliers destilliert dabei in klassischen Kupferbrennblasen und greift auf das über Generationen gewachsene Destillations-Know-how zurück, das die Familie ursprünglich in der eigenen Genever-Produktion aufgebaut hat – ein Erbe, das dem Gin eine gewisse Getreide-Tiefe verleiht, die ihn stilistisch zwischen klassischem britischem London Dry und kontinentaleuropäischem Genever positioniert. Verdünnt wird der fertige Gin auf 46 % vol., einen für die Kategorie vergleichsweise kräftigen Alkoholgehalt, der die komplexe Botanical-Fülle auch in verdünnten Drinks tragfähig macht.
Verkostung des Filliers Dry Gin 28:
In der Nase zeigt sich der Filliers Dry Gin 28 zunächst mit klarem, harzigem Wacholder, der von einer feinen Zitrusschale und zarten floralen Noten begleitet wird – ein Bouquet, das komplex wirkt, ohne unübersichtlich zu sein. Am Gaumen entfaltet sich die namensgebende Fülle der 28 Botanicals als vielschichtiges, aber gut integriertes Ganzes: Wacholder und Koriander bilden das Zentrum, während sich im Hintergrund eine feine, an Genever erinnernde Getreidewürze bemerkbar macht, die man bei den meisten anderen kontinentaleuropäischen Gins so nicht findet. Zitrusnoten sorgen für Frische, ohne die würzige Tiefe zu überdecken. Der Abgang ist mittellang, angenehm komplex und trocken, mit einem letzten Nachklang von Wacholder und einer dezenten Getreidesüße. Insgesamt wirkt der Filliers Dry Gin 28 reif und ausbalanciert – ein Gin, der seine Genever-Herkunft nicht verleugnet, sondern bewusst als Stilmerkmal einsetzt.
Steckbrief Filliers Dry Gin 28:
Alkoholgehalt: 46 % vol.
Verwendete Botanicals: 28 Botanicals in geheim gehaltener Rezeptur, u. a. Wacholder, Zitrusschale, Koriander und florale Noten, destilliert im Familienbetrieb mit Genever-Erbe
Hersteller: Filliers Distillery, Deinze, Belgien (Familienbetrieb seit 1880, 6. Generation)
Herstellung im Detail: Vom Genever-Familienbetrieb zum eigenständigen Gin
Was den Filliers Dry Gin 28 von vielen anderen kontinentaleuropäischen Gins unterscheidet, ist seine Herkunft aus einem Genever-Betrieb, der seit sechs Generationen ununterbrochen in Familienhand liegt. Während viele belgische und niederländische Genever-Häuser Gin erst in den vergangenen ein bis zwei Jahrzehnten als Reaktion auf den internationalen Gin-Boom ins Sortiment aufnahmen, geht das Rezept von Filliers bereits auf das Jahr 1928 zurück – eine Zeit, in der Gin in Kontinentaleuropa noch eine Nischenerscheinung war. Firmin Filliers, der das Rezept entwickelte, konnte dabei auf das über Generationen gewachsene Wissen um Getreidedestillation und Kräutermazeration zurückgreifen, das die Familie zuvor in der Genever-Produktion aufgebaut hatte. Diese Kontinuität zeigt sich bis heute in der Betriebsführung: Filliers stellt neben dem Dry Gin 28 weiterhin auch klassischen Getreide-Genever sowie Frucht- und Fassgenever her, sodass die Destillerie gleichzeitig als Bewahrerin einer alten Spirituosentradition und als Gin-Hersteller auftritt – eine Doppelrolle, die nur wenige Destillerien in Europa in dieser Kontinuität vorweisen können.
Verwendung des Filliers Dry Gin 28
- Gin & Tonic: Die kräftige Botanical-Fülle und die Getreidewürze des Filliers Dry Gin 28 vertragen auch aromatischere Tonic Waters gut. Empfehlenswert ist Fever-Tree Premium Indian Tonic Water, dessen kräftige Chininbitterkeit ein stimmiges Gegengewicht zur Getreidenote bildet, oder Thomas Henry Tonic Water für eine etwas trockenere Variante. Eine Zitrusschale rundet den Drink ab.
- Klassische Cocktails: Die Genever-Wurzeln machen den Filliers Dry Gin 28 auch zu einer interessanten Wahl für historisch inspirierte Cocktails, etwa einen Martinez oder Tom Collins, in denen seine Getreidewürze zusätzliche Tiefe verleiht, die klassische London-Dry-Gins in dieser Form nicht bieten.
Der Filliers Dry Gin 28 richtet sich vor allem an Genießer, die einen Gin mit erkennbarem, ehrlichem Herkunftsprofil suchen – jemanden, der nicht nur auf den aktuellen Gin-Trend aufspringt, sondern seine Wurzeln in einer jahrhundertealten Brenntradition hat. Im Vergleich zu anderen belgischen Destillerien, die Genever und Gin erst kürzlich parallel ins Programm genommen haben, punktet Filliers mit seiner durchgehenden Familienkontinuität und einem Rezept, das bereits vor knapp einem Jahrhundert entstand. Wer klassischen, kräuterbetonten London Dry Gin gewohnt ist, findet im Filliers Dry Gin 28 eine spannende kontinentaleuropäische Alternative mit spürbarer Getreidetiefe. Preislich bewegt sich die Flasche im soliden Mittelfeld der Kategorie – angesichts der historischen Rezeptur und der Genever-Tiefe ein faires Verhältnis von Komplexität zu Preis.
Einordnung & Alternativen
- Bols Genever – der klassische Vorfahre, getreidiger und malziger statt wacholderbetont, und preislich noch etwas zugänglicher.
- Copperhead Gin – ebenfalls belgisch, setzt aber auf eine deutlich pfeffrig-würzigere Botanical-Linie statt auf Genever-Erbe.
- Damrak Amsterdam Gin – niederländischer Nachbar mit spürbar mehr Zitrusfrische und weniger Getreidewürze im Profil.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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Kräftige Chininbitterkeit gibt der feinen Getreidewärme der 28 Botanicals genau das Gegengewicht, das ihr bei milderen Tonics fehlt.

Filliers Dry Gin 28 & Goldberg & Sons Indian Hibiscus Tonic (3/5)
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