Herstellung des Pickering's Gin:
Pickering's Gin entsteht in der Summerhall Distillery in Edinburgh, gegründet 2013 von Marcus Pickering und Matthew Gammell. Beide hatten nach eigener Darstellung keine Brennerfahrung, als sie die Idee verfolgten: Gammell ist Ingenieur und Gin-Enthusiast, Pickering war zuvor unter anderem als Butler auf Skibo Castle tätig. Gemeinsam bauten sie die Destillerie in Eigenarbeit aus, und der erste Pickering's kam 2014 auf den Markt. Die Brennerei bezeichnet sich als erste reine Gin-Destillerie Edinburghs seit über 150 Jahren.
Die Rezeptur geht auf einen Zettel zurück, der auf den 17. Juli 1947 datiert und aus Bombay stammt. Laut Hersteller blieb das handschriftliche Rezept über 66 Jahre ein Familiengeheimnis, bevor es in Summerhall wieder zum Leben erweckt wurde. Neun Botanicals kommen zum Einsatz: Wacholder, Koriander, Kardamom, Engelwurz, Fenchel, Anis, Zitrone, Limette und Nelken. Das Destillat wird mit 42 % vol. abgefüllt.
Gebrannt wird in Kupfer: Nach Angaben von Wikipedia und Fachmedien stehen zwei Pot Stills mit jeweils 500 Litern in der Brennerei, die auf die Namen "Gert" (Gertrude) und "Emily" hören. "Gert" wurde in Portugal gefertigt und nach Gammells Urgroßmutter benannt.
Verkostung des Pickering's Gin:
Laut Hersteller stehen Zitrus und Wacholder im Vordergrund, danach folgen Kardamom, Koriander und Nelke. Verkostungsnotizen des Gin-Blogs The Gin Queen zur eng verwandten Original-1947-Abfüllung beschreiben die Nase als wacholder- und kiefernbetont mit Zitrusfrische. Am Gaumen führt der Wacholder in warme, würzige Töne, der Abgang wird pfeffrig und trocken beschrieben, die Textur als sehr weich mit langem Nachhall.
Das passt zur Einordnung als klassisch wacholderstarken Gin: viel Wacholder und Gewürz, Zitrus als frischer Gegenspieler, florale oder kräuterige Noten eher im Hintergrund.
Steckbrief Pickering's Gin:
Alkoholgehalt: 42 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Kardamom, Engelwurz, Fenchel, Anis, Zitrone, Limette, Nelken
Hersteller: Summerhall Distillery, Edinburgh, Schottland
Ein Rezept aus Bombay in der ehemaligen Tierarztschule
Der Reiz von Pickering's liegt weniger in exotischen Zutaten als in der Geschichte dahinter. Das Rezept von 1947 stammt aus der Zeit, als Gin in Indien noch ein britisch geprägter Alltagsdrink war. Die Herkunft des Zettels wird von verschiedenen Quellen leicht unterschiedlich erzählt – mal über einen Freund von Pickerings Vater, mal über seine Familie –, belegt ist nur die vom Hersteller genannte Datierung. Entscheidend ist, dass die Marke ihr Profil bewusst klassisch hält: Kardamom, Koriander, Anis und Nelke liefern die Wärme, die man aus den Gins der britischen Kolonialzeit kennt, ohne in Süße oder Parfüm abzugleiten.
Der Ort passt zur Erzählung. Summerhall war ursprünglich Sitz der Royal (Dick) School of Veterinary Studies; die Brennerei nutzt die ehemaligen Hundezwinger des Gebäudes, das heute als Kunst- und Veranstaltungszentrum dient und denkmalgeschützt ist (Kategorie B). Dort entstehen neben dem Standard-Gin eine Navy-Strength-Variante mit 57,1 % vol., eine Edition mit schottischen Botanicals (Heidekraut, Mariendistel, Gagelstrauch und Kiefer) sowie Saisonales wie Sloe Gin. Bekannt wurde die Marke zudem durch gin-gefüllte Weihnachtskugeln, die seit 2014 entstehen; 2016 waren es rund 30.000 Stück. Neuerdings übernimmt die Brennerei auch Lohnarbeiten für andere Marken.
Verwendung des Pickering's Gin
- Gin & Tonic: Der würzige Charakter verträgt ein klassisches, kräftig prickelndes Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water oder das etwas feinere 1724 Tonic Water. Der Hersteller empfiehlt als Garnitur Koriandersamen und Limette – eine Verlängerung der Botanicals, die im Glas für Wiedererkennung sorgt.
- Alternative Garnitur: Erdbeere und schwarzer Pfeffer, ebenfalls empfohlen, passen zum Kardamom und zur pfeffrigen Seite des Gins.
- Cocktails: Ein Gin-Fachblog nennt Negroni und Gimlet als passende Cocktails; die Würze des Gins hält gegen Bitterorange im Negroni und Limette im Gimlet stand.
Wer klassische Gin-Aromatik mit nachvollziehbarer Herkunft sucht, ist hier richtig. Pickering's ist ein Gin für Trinker, die den Wacholder nicht verstecken, sondern mit Gewürzen und Zitrus rahmen wollen, und er ist wegen des moderaten Preises auch als Hausgin im Barschrank geeignet. Er steht zudem für die Entwicklung der schottischen Gin-Szene: Laut The Gin Queen stammen rund 70 Prozent des britischen Gins aus Schottland, doch Pickering's zeigt, dass man dafür keine Whisky-Brennerei im Rücken braucht – die Marke wuchs aus der Idee zweier Quereinsteiger zu einem festen Namen der Edinburgher Craft-Szene. Wer es kräftiger mag, findet in der Navy-Strength-Version mit 57,1 % vol. eine Variante derselben Linie; der 42-prozentige Standard ist die zugänglichere Abfüllung.
Einordnung & Alternativen
- Edinburgh Gin – Edinburgher Nachbar, aber mit Heidekraut, Mariendistel und Kiefernsprossen deutlich stärker auf schottische Botanicals ausgerichtet.
- Bombay Original Dry Gin – trägt die Stadt Bombay im Namen, wird aber als Markenklassiker in England per Dampfinfusion hergestellt; Pickering's holt den Bezug über ein datiertes Originalrezept in eine kleine schottische Brennerei.
- Tanqueray London Dry Gin – ein ähnlich wacholderklarer Klassiker, aber mit nur vier Botanicals statt der neun von Pickering's, entsprechend reduzierter im Aufbau.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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