Gin

Gin-Kategorien in der EU: Was Gin, Destillierter Gin und London Dry unterscheidet

Auf dem Etikett steht "Gin", "Distilled Gin" oder "London Dry Gin" – und es klingt, als handle es sich um Qualitätsstufen. Tatsächlich beschreiben die Begriffe etwas anderes: Sie legen fest, wann und wie das Aroma in den Gin gelangt. Die EU unterscheidet dafür drei Gin-Kategorien mit zunehmend strengen Regeln. Sie sagen etwas über das Verfahren, nichts über den Geschmack und nichts über die Herkunft.

Was für jeden Gin gilt

Maßgeblich ist die Verordnung (EU) 2019/787, in Anhang I die Nummern 20 bis 22. Allen drei Kategorien gemeinsam: Basis ist Agraralkohol, der Geschmack muss vorherrschend nach Wacholder sein, und der Mindestalkoholgehalt liegt bei 37,5 % vol. Den Zusatz "Dry" darf ein Gin oder Destillierter Gin nur tragen, wenn er höchstens 0,1 g Zucker je Liter enthält. Die Verordnung koppelt also nur das Wort "Dry" an die Zuckergrenze; ein gesüßter Gin ist deshalb nicht verboten, darf sich aber nicht trocken nennen. Davon zu trennen ist die Wacholder-Spirituose (Nr. 19), eine eigene Kategorie mit niedrigerem Mindestalkoholgehalt von 30 % vol., die unter Namen wie "Wacholder" läuft und getrennt von Gin geführt wird. Wie der Ablauf von der Alkoholbasis bis zur Abfüllung aussieht, erklärt der Artikel Wie wird Gin hergestellt?.

Gin und Compound Gin: Aromatisieren statt Destillieren

Die Grundkategorie heißt schlicht "Gin". Hier wird Agraralkohol mit Wacholderbeeren aromatisiert, wobei auch natürliche Aromastoffe und Aromazubereitungen erlaubt sind. Eine erneute Destillation ist nicht vorgeschrieben. Für diese Machart hat sich im Handel der Begriff "Compound Gin" eingebürgert, im Englischen auch "cold compounded". Er ist keine eigene Rechtskategorie; nach Darstellung der Gin Guild fällt ein solcher Gin unter die Kategorie Gin.

Compounding bedeutet nicht automatisch einfache Ware. Bathtub Gin setzt nach unserem Porträt Orangenschale und weitere frische Botanicals sieben Tage kalt an, statt sie zu destillieren, um empfindliche Aromen zu erhalten. Auch bei Brockmans werden Beerenextrakte dem fertigen Destillat kalt zugegeben. Ein Gin kann also destilliert sein und trotzdem Anteile enthalten, die erst danach hinzukamen.

Destillierter Gin: Der Wacholder läuft durch die Brennblase

Beim Destillierten Gin (Nr. 21) wird Agraralkohol mit einer Ausgangsstärke von mindestens 96 % vol. in Gegenwart von Wacholder und weiteren natürlichen Botanicals erneut destilliert. Das Destillat darf mit Alkohol gleicher Zusammensetzung und Reinheit verschnitten werden. Wer lediglich Essenzen in Alkohol einrührt, erfüllt die Kategorie nicht.

Entscheidend: Nach der Destillation sind weitere Aromastoffe weiterhin erlaubt. Hendrick's Gin etwa vereint nach unserem Porträt zwei Destillate und gibt dem fertigen Gin Rosen- und Gurkenessenz zu. Ein solches Vorgehen passt zur Kategorie Destillierter Gin, nicht aber zu London Gin.

London Gin und London Dry: eine Methode, kein Ort

Die strengste Kategorie (Nr. 22) heißt in der Verordnung "London Gin" und darf um das Wort "dry" ergänzt werden – daher "London Dry Gin". Die Regeln im Überblick, nach Verordnung (EU) 2019/787:

  • Der Agraralkohol darf höchstens 5 g Methanol je Hektoliter Alkohol (bezogen auf 100 % vol.) enthalten.
  • Das Aroma entsteht ausschließlich durch die Redestillation mit allen natürlichen Botanicals; das Destillat muss mindestens 70 % vol. haben.
  • Nach der Destillation darf nichts außer Wasser (und Alkohol gleicher Qualität) zugegeben werden, nicht einmal Farbe.
  • Süßung ist höchstens bis 0,1 g Zucker je Liter zulässig.

"London" ist dabei keine geschützte Herkunft. Ein London Gin darf überall auf der Welt entstehen, und nicht jeder Gin aus London ist ein London Gin. Beefeater lässt neun Botanicals 24 Stunden in Neutralalkohol ziehen und destilliert sie anschließend, Sipsmith brennt alle zwölf Botanicals in einem einzigen Durchgang. Wie streng die Regel ist, zeigt London No. 1: Laut unserem Porträt hieß der Gin ursprünglich "The London Gin" und musste umbenannt werden, weil die blaue Färbung nach der Destillation unter dem geschützten Begriff nicht zulässig ist.

Der Stil selbst ist älter als die Rechtsnorm. Leistungsfähigere Destillationstechnik machte im 19. Jahrhundert einen sehr reinen, ungesüßten Gin möglich; die gesüßte Alternative beschreibt Old Tom Gin.

Was in keine der drei Kategorien gehört

Mehrere bekannte Begriffe sind keine eigenen EU-Gin-Kategorien. Navy Strength Gin beschreibt eine hohe Abfüllstärke von rund 57 % vol. und kann in jeder der drei Kategorien liegen. New Western Dry Gin ist ein Geschmacksbegriff der Branche; solche Gins tragen rechtlich meist die Bezeichnung Gin oder Destillierter Gin. Der historische Pink Gin war ein Cocktail, die modernen Varianten sind fruchtig gesüßte Flaschenprodukte. Sloe Gin zählt rechtlich als Likör, und Genever ist ein eigenständiges, malzbasiertes Getränk.

Was das für die Flaschenwahl bedeutet

Die Kategorie am Etikett ist eine Auskunft über das Verfahren. Wer einen Gin sucht, dessen Aroma ausschließlich aus der Brennblase stammt, achtet auf "London Gin" oder "London Dry Gin". Wer es blumiger, fruchtiger oder farbiger mag, wird eher bei Destilliertem Gin oder Compound-Gins fündig – ohne dass diese Verfahren etwas über die Qualität aussagen. Hilfreich ist außerdem ein Blick auf die Details: Steht "Distilled" oder "London" auf dem Etikett, hat der Hersteller sich auf strengere Regeln festgelegt; steht nur "Gin", ist das Verfahren offen. Mehr Aussagekraft über den Geschmack hat meist die Botanical-Liste im Porträt als der Kategoriename. Zur klassischen Seite lohnt ein Blick auf Klassische Gins.