Lagg Kilmory – ein Torfmalt, den Arran erst seit Kurzem kennt
Arran war lange für leichte, fruchtige Malts bekannt, nicht für Rauch. Der Lagg Kilmory ändert dieses Bild: ein stark getorfter Single Malt von der Südküste der Insel, in First-Fill-Bourbonfässern gereift, mit 46 % Vol. ohne Kühlfiltrierung und ohne Farbstoff abgefüllt. Er ist die erste Kernabfüllung der noch jungen Lagg-Brennerei und damit ein Whisky, der für sein Alter erstaunlich selbstbewusst auftritt. Die Marke bezeichnet ihn als Flaggschiff; er trägt auf dem Etikett den Zusatz „Kilmory Edition“, ist nach Händlerangaben aber Teil des festen Sortiments.
Geschichte: Eine Schwesterbrennerei im Süden
Hinter Lagg steht die Isle of Arran Distillers, die auch die Brennerei in Lochranza im Norden betreibt. Laut Wikipedia entstand die zweite Anlage 2019 nahe dem Dorf Lagg an der Südküste: Der Bau wurde Anfang 2019 abgeschlossen, im Frühjahr lief der erste Brand, im Juni 2019 öffnete die Brennerei für Besucher. Whisky Monkeys berichtet, der Bau habe 2017 begonnen, die erste Destillation sei im März 2019 erfolgt. Die Brennerei wurde laut dem Portal möglichst energieeffizient und klimaneutral geplant und trägt ein begrüntes Dach. Der Name geht auf die Pfarrei zurück, in der sie liegt.
Dass es überhaupt eine zweite Anlage gibt, hängt mit dem Torf zusammen. Wie unsere Seite zum Arran Machrie Moor beschreibt, endete 2017 das Brennen von getorftem Malz in Lochranza; Lagg übernahm diese Rolle und arbeitet auf stark getorfte Spirits hin. Das Porträt der Arran Distillery erklärt das Haus insgesamt. Die ersten Abfüllungen erschienen 2022, die Kernserie startete nach Whisky Magazine im Mai 2023 mit dem Kilmory, im Juni 2023 folgte die Corriecravie Edition.
Der Kilmory im Speziellen
Die Abfüllung reift ausschließlich in First-Fill-Bourbonfässern und hat keine Altersangabe. Ein Rezensent von Whiskynotes nennt als Alter rund drei Jahre und merkt an, dass der Whisky entsprechend jung und roh wirke. Das Malz stammt laut Master of Malt aus Gerste der Sorte Concerto, die Brennerei nutzt eigenes Bohrlochwasser und torfig getrocknetes Malz mit Torf aus Nordostschottland. Zum Phenolgehalt gibt Wikipedia rund 50 ppm an; Whiskynotes erwähnt etwa denselben Wert, aber als Schätzung. Bei der Torfstärke ist das also eine Größenordnung, keine Garantie. Was ppm bedeutet, erklärt der Beitrag zu getorftem Whisky.
Dass er nicht kühlgefiltert und ungefärbt abgefüllt wird, hat Folgen für die Textur; was das bedeutet, erklärt der Beitrag zu Kühlfiltrierung und Naturfarbe. Whisky Magazine nennt den Kilmory den Maßstab für den Hausstil von Lagg: getorfter Spirit in Bourbonfässern.
Herstellung: Die Handschrift von Lagg
Lagg arbeitet mit einer Wash Still und einer Spirit Still, beide aus Kupfer, so Wikipedia. Die Brennerei hat sich auf getorfte, rauchige Spirits spezialisiert und begründet das laut Whisky Magazine mit der Tradition der Schwarzbrenner, die auf der Insel vor Jahrhunderten einen rauchigen Whisky machten. Die Reifung in First-Fill-Bourbonfässern gibt dem Torf laut Whisky Magazine den Rahmen des Hausstils.
Verkostungsnotiz
Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, etwa von Master of Malt, Whiskynotes und Whisky Monkeys.
- Farbe: Helles Strohgelb, ungefärbt.
- Nase: Heiderauch und gegrillte Zitrusschale (Hersteller); Whiskynotes beschreibt vegetabilen Torf, Zitronensaft, weiße Blüten und Vanille, bisweilen an Mezcal erinnernd. Whisky Monkeys nennt frische Frucht, Heu und einen Hauch Zitrone.
- Gaumen: Zunächst Frucht, dann Lagerfeuerrauch (Hersteller). Rezensenten notieren mehr Torf als Rauch, Zitrus, sanfte Süße, eine ölige Textur, weißen Pfeffer, Lakritz und etwas Bitterschokolade.
- Abgang: Lang, mit Rauch, Torf und Zitrus, laut Whisky Monkeys Richtung Grapefruit; die Hersteller nennen Vanille.
Whiskynotes nennt den Kilmory einen gelungenen Einstand der Brennerei und „so gut, wie es nach drei Jahren geht“. Whisky Monkeys sehen ihn als beeindruckenden ersten Kernwhisky, vor allem für Freunde rauchiger Malts.
Genuss-Empfehlung
Der Kilmory ist ein Whisky für Abende mit Kamin und Zeit: pur im Glencairn bei Zimmertemperatur, ein Tropfen stilles Wasser dämpft die Schärfe und öffnet Zitrus und Blüten. Wegen des jungen, rauchigen Charakters bietet er sich auch als Rauchfloat im Penicillin an. Zum Essen passen gegrillte Meeresfrüchte, Räucherlachs, kräftiger Blauschimmelkäse oder dunkle Schokolade mit Meersalz.
Einordnung & Alternativen
- Arran Machrie Moor: Der Torfmalt aus Lochranza mit etwa 20 ppm, deutlich milder im Rauch und mit zehn Jahren älter.
- Kilchoman Machir Bay: Ein junger Islay-Malt, ebenfalls rauchig, mit Bourbon- und Oloroso-Fässern.
- Ledaig 10 Jahre: Ein zehnjähriger Torfmalt von der Insel Mull mit 46,3 % Vol.
Fazit
Der Lagg Kilmory ist ein gradliniger, rauchiger Inselmalt, der zeigt, was die junge Brennerei an Arrans Südküste vorhat. Er ist nicht komplex, aber klar und ehrlich: Heiderauch, Zitrus und Vanille aus Bourbonfässern, bei 46 % Vol. und ohne Make-up. Wer Arran bisher nur als leichten Fruchtmalt kennt, bekommt hier das Gegenteil. Für Konzept und Umsetzung vergeben wir 4 Punkte. Die Inselregion im Überblick liefert der Artikel zu den schottischen Inseln.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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