Herstellung des Berliner Brandstifter Gin:
Der Berliner Brandstifter Gin wird von Vincent Honrodt hergestellt, einem gebürtigen Berliner, der seit 2009 eine Familientradition fortführt, die bis zu seinem Urgroßvater zurückreicht: Dieser arbeitete im frühen 20. Jahrhundert als Zuckerfabrikdirektor und brannte bereits edle Spirituosen aus regionalem Getreide und Zuckerrüben. Die Manufaktur sitzt in der Mauerstraße mitten in Berlin, nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt – ein bewusst gewählter Standort für eine Marke, deren Name Programm ist. Basis des Gins ist ein Weizendestillat aus der eigenen Kornbrand-Tradition der Brennerei, das insgesamt siebenmal gefiltert wird – ein Reinheitsgrad, der eher an die Wodkaherstellung erinnert als an klassische Gin-Produktion.
Was den Berliner Brandstifter jedoch am stärksten von anderen deutschen Gins unterscheidet, ist die Herkunft seiner Botanicals: Die verwendeten Blüten – vor allem Holunderblüte und Malvenblüte – stammen ausschließlich von eigens angelegten Feldern auf Berliner Ackerland und werden von Hand gepflückt, was die jährliche Erntemenge und damit auch die Produktionsmenge des Gins natürlich begrenzt. Ergänzt werden sie um Waldmeister, frische Gurke und Wacholder, alle nach eigener Aussage der Brennerei in Bio-Qualität. Jede Flasche wird von Hand abgefüllt, versiegelt und mit individueller Flaschen- und Chargennummer versehen; die Jahresproduktion ist auf 9.999 Flaschen begrenzt, was dem Gin einen bewusst limitierten, manufakturellen Charakter verleiht. Abgefüllt wird er auf 43,3 % vol.
Verkostung des Berliner Brandstifter Gin:
Der Berliner Brandstifter bringt ein für deutsche Gins ungewöhnliches Aromenbild mit, das sich klar von wacholderbetonten London-Dry-Stilen absetzt. In der Nase dominiert Waldmeister, der zusammen mit einer feinen Gurkennote eine angenehme, krautig-frische Wirkung erzeugt – Zitrusaromen sind dabei kaum wahrnehmbar, was den Gin deutlich anders positioniert als die meisten New-Western-Vertreter. Am Gaumen setzt sich diese krautige Frische fort, während Holunder- und Malvenblüte eine sanfte, leicht süßliche Blütennote beisteuern. Der Wacholder spielt hier bewusst nur eine Nebenrolle und tritt hinter der grünen, würzigen Kräuterwelt zurück. Der Alkohol ist gut eingebunden und fällt auch im Abgang nicht unangenehm auf; insgesamt bleibt der Berliner Brandstifter ein sehr milder, frischer und krautiger Gin mit zurückhaltenden würzigen und floralen Noten.
Steckbrief Berliner Brandstifter Gin:
Alkoholgehalt: 43,3 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Waldmeister, Gurke, Holunderblüte, Malvenblüte (alle in Bio-Qualität, Blüten von Berliner Ackerland)
Hersteller: Berliner Brandstifter UG, Berlin
Botanicals des Berliner Brandstifter Gin im Detail
Anders als die meisten Gin-Hersteller, die ihre Botanicals von spezialisierten Zulieferern beziehen, baut die Berliner Brandstifter-Manufaktur einen Teil ihrer Blüten selbst auf Ackerflächen im Berliner Umland an und erntet sie von Hand. Das begrenzt zwar die verfügbare Menge – daher auch die feste Obergrenze von 9.999 Flaschen pro Jahr –, sorgt aber für eine direkte Kontrolle über Qualität und Frische der wichtigsten Aromaträger. Waldmeister und Gurke geben dem Gin sein krautig-frisches Rückgrat, während Holunder- und Malvenblüte für die zarte florale Süße sorgen, die den Wacholder bewusst in den Hintergrund treten lässt. Diese Botanicals-Auswahl macht den Berliner Brandstifter zu einem der ungewöhnlicheren deutschen Gins: Statt auf Zitrus oder klassische Gewürze zu setzen, positioniert er sich als städtisch-grüne Interpretation des Gin-Stils, die bewusst an Berliner Grünflächen und Schrebergärten erinnern soll.
Verwendung des Berliner Brandstifter Gin
- Gin & Tonic: Eine frische, vom Waldmeister-Aroma geprägte Kombination ergibt sich mit dem Fever-Tree Premium Indian Tonic Water: Der Geruch des Drinks bleibt vom Waldmeister bestimmt, begleitet von einem leicht süßlichen Holunder-Aroma, bevor dezente, elegante Bittertöne aus dem Tonic für Struktur sorgen. Der Abgang ist lang, mit Waldmeister- und Bitternoten – insgesamt ein eher minimalistischer, aber harmonischer Gin & Tonic mit leicht ätherischem Eindruck.
- Pur oder auf Eis: Wegen seines milden Alkoholeindrucks und der klaren Kräuternote eignet sich der Berliner Brandstifter auch gut pur auf Eis, um die Waldmeister- und Gurkenaromen unverdünnt nachzuvollziehen.
Der Berliner Brandstifter Gin richtet sich an Genießer, die einen deutlich untypischen, krautig-floralen Gin abseits klassischer Wacholder- oder Zitrusprofile suchen, sowie an alle, die die Idee einer kleinen, konsequent regionalen Berliner Manufaktur unterstützen möchten. Wer intensiven Wacholdergeschmack erwartet, wird beim Brandstifter eher enttäuscht; wer eine ungewöhnliche, fast schon botanisch-grüne Interpretation von Gin schätzt, findet hier einen der eigenständigsten deutschen Vertreter des New-Western-Stils.
Im Vergleich zu anderen deutschen New-Western-Gins wie dem 315 Upstairs Heidelberg Dry Gin, der stärker auf Frucht setzt, oder dem Siegfried Rheinland Dry Gin mit seiner klassischeren Kräuterwürze, geht der Berliner Brandstifter mit seiner Waldmeister-Gurken-Kombination einen konsequent eigenen Weg. Wer auf der Suche nach einer noch intensiveren Variante ist, findet in der limitierten, in Rotweinfässern gereiften Aged-Gin-Ausgabe der Marke – veredelt mit schwarzen Johannisbeeren – eine dunklere, komplexere Weiterentwicklung desselben Grundkonzepts. Die auf 9.999 Flaschen begrenzte Jahresproduktion und die handgepflückten Botanicals vom eigenen Berliner Acker rechtfertigen dabei den Premium-Preis.
Einordnung & Alternativen
- 315 Upstairs Heidelberg Dry Gin – ebenfalls deutsche Manufakturware, aber fruchtig-blumig statt krautig-grün und preislich etwas zugänglicher.
- Monkey 47 Dry Gin – das bekanntere deutsche Premium-Pendant, allerdings deutlich botanicalreicher und wacholderbetonter statt krautig-minimalistisch.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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