Herstellung des Bloom Gin:
Bloom Gin entsteht bei G&J Distillers im englischen Warrington, jener Destillerie, die seit 1761 durchgehend produziert und damit zu den ältesten noch aktiven Gin-Brennereien Englands zählt. Entwickelt wurde Bloom 2007 von Joanne Moore, einer der wenigen weiblichen Master Distiller der Branche, die im selben Jahr auch das sogenannte "Gin-Rad" erfand – ein organoleptisches Diagramm zur systematischen Einordnung von Gin-Aromen, das seither in weiten Teilen der Branche als Analysewerkzeug verwendet wird. Mit Bloom verfolgte Moore ein klares Ziel: einen bewusst leichten, floralen Gegenentwurf zu den damals marktbeherrschenden, wacholderbetonten London-Dry-Klassikern zu schaffen und damit auch Konsumentinnen und Konsumenten anzusprechen, die klassischen Gin bislang als zu scharf oder zu harzig empfanden.
Die Rezeptur setzt auf sieben Botanicals, von denen die Marke selbst nur eine "geheime Kombination" andeutet, drei davon aber offen als geschmacksprägend benennt: Kamille, Geißblatt (Honeysuckle) und die Zitrusfrucht Pomelo. Klassischer Wacholder ist zwar Teil der Rezeptur, tritt in der fertigen Komposition aber bewusst nur als "Hauch" auf, während Koriander und Kubebenpfeffer im Hintergrund für eine dezente würzige Struktur sorgen, ohne das florale Gesamtbild zu stören. Mit 40 % vol. liegt Bloom im für Gin üblichen Bereich und wird in einer markanten, an Blütenblätter erinnernden Facettenflasche mit goldenem Kamillen-Emblem abgefüllt – ein Design, das die florale Ausrichtung der Marke schon optisch unterstreicht. Bloom zählt heute zu den meistverkauften Premium-Gins Großbritanniens und hat mit seinem "Contemporary"-Stil maßgeblich dazu beigetragen, floral geprägte Gins abseits der klassischen London-Dry-Schiene salonfähig zu machen.
Verkostung des Bloom Gin:
In der Nase präsentiert sich Bloom auffallend hell und blumig: Kamille und Geißblatt treten deutlich hervor, begleitet von der frischen, leicht bitteren Zitrusnote der Pomelo. Wacholder ist nur als feiner Hintergrundton wahrnehmbar, nie als dominierendes Element. Am Gaumen zeigt sich der Gin leicht und floral mit einem Hauch natürlicher Süße, die von der Kamille herrührt und dem Antrunk eine sanfte, fast honigartige Rundung verleiht. Koriander und Kubebenpfeffer sorgen für eine dezente, nie aufdringliche Würze im Hintergrund, die den floralen Charakter stützt, ohne ihn zu überlagern. Der Abgang ist zitrusbetont und bemerkenswert weich, ganz ohne die alkoholische Schärfe, die viele klassische Gins am Ende zeigen. Bloom ist damit ein Gin, der bewusst auf Zugänglichkeit statt auf Wacholder-Wucht setzt und sich klar an alle richtet, die florale, parfümierte Aromen einem trockenen, harzigen Profil vorziehen.
Steckbrief Bloom Gin:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Verwendete Botanicals: Sieben Botanicals, u. a. Wacholder, Koriander, Kubebenpfeffer, Kamille, Geißblatt (Honeysuckle) und Pomelo
Hersteller: G&J Distillers, Warrington, England (seit 1761)
Joanne Moore und der "Contemporary"-Stil abseits des London Dry
Was Bloom von den meisten anderen Gins aus dem Hause G&J Distillers unterscheidet – etwa dem puristischen Greenall's Original London Dry Gin, der aus derselben Destillerie stammt –, ist die konsequente Abkehr von der Wacholder-Dominanz klassischer London-Dry-Rezepturen. Joanne Moore positionierte Bloom von Anfang an als eigenständigen, "zeitgenössischen" Stil, der Blüten- und Fruchtaromen bewusst in den Vordergrund rückt, während Wacholder nur noch die Rolle eines dezenten Grundtons übernimmt. Dieser Ansatz war zum Markteinführungszeitpunkt 2007 ungewöhnlich, da Gin damals in Großbritannien noch stark mit robusten, trockenen London-Dry-Stilen assoziiert wurde. Bloom trug maßgeblich dazu bei, den heute breit etablierten "New Western"-Trend hin zu floral und fruchtig geprägten Gins in den Massenmarkt zu tragen, und zeigt zugleich, wie stark sich innerhalb einer einzigen Destillerie wie Warrington völlig unterschiedliche Gin-Philosophien nebeneinander entwickeln können.
Verwendung des Bloom Gin
- Gin & Tonic: Da die floralen Aromen von Kamille und Geißblatt im Mittelpunkt stehen, passt ein zurückhaltendes, ebenfalls blumiges Tonic am besten: Fever-Tree Elderflower Tonic Water verstärkt die Blütennote gezielt, ohne sie zu überdecken. Alternativ eignet sich Thomas Henry Botanical Tonic, dessen dezente Kräuternote die Pomelo-Zitrusfrische unterstreicht. Eine dünne Gurkenscheibe als Garnitur passt gut zum leichten, frischen Gesamtbild.
- Cocktail: Dank seiner sanften, wenig alkoholscharfen Struktur eignet sich Bloom gut als Basis für leichte, spritzige Longdrinks wie einen French 75 mit Prosecco, in dem die floralen Noten harmonisch mit den Fruchtaromen des Schaumweins verschmelzen.
Bloom richtet sich an alle, die Gin & Tonic nicht als scharfen, wacholderdominierten Drink, sondern als leichtes, parfümiertes Sommergetränk erleben möchten. Im Vergleich zu ebenfalls floral geprägten New-Western-Gins wie dem britischen Brockmans Premium Gin, der seine Blütennote eher über dunkle Waldbeeren erzeugt, bleibt Bloom heller, zitrischer und deutlich zurückhaltender in der Süße. Wer einen zugänglichen Einstieg in florale Gin-Stile abseits klassischer Wacholderbomben sucht, findet in Bloom einen der prägendsten und meistverkauften Vertreter dieser Kategorie.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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