Herstellung des Etsu Gin:
Etsu stammt von der Insel Hokkaido, der nördlichsten der vier japanischen Hauptinseln. Hergestellt wird der Gin laut Händler- und Fachangaben in der Asahikawa Distillery; das Wort "Etsu" (悦) bedeutet frei übersetzt Freude oder Vergnügen. Ein Gründungsjahr der Brennerei oder den Namen eines Gründers nennen die uns vorliegenden Quellen nicht, die Marke kam laut dem US-Händler PlumpJack 2018 auf den Markt. Mehr als diese Eckdaten möchten wir deshalb nicht behaupten.
Zum Herstellungsverfahren liegen dagegen recht genaue Angaben vor. Als Basis dient ein Zuckerrohrdestillat (Melasse). Die Botanicals werden laut PlumpJack 22 Stunden in diesem Destillat bei 67 % vol. mazeriert und anschließend in Kupferbrennblasen auf 83 % vol. destilliert. Danach wird mit Wasser auf 43 % vol. reduziert, durch ein feines Sieb filtriert, aber nicht kühlgefiltert, damit Aromen erhalten bleiben. Ein italienischer Händler nennt als Wasserquelle für manche Abfüllungen Bergwasser aus dem Taisetsu-Gebirge; die Variante "Pacific Ocean Water" setzt dagegen Tiefenmeerwasser ein, was für den hier beschriebenen Original-Gin nicht gilt.
Verkostung des Etsu Gin:
Die Redaktion hat diesen Gin nicht selbst verkostet. Die folgende Beschreibung beruht auf Händlernotizen und Fachseiten. Die Nase gilt als blumig und vegetabil, mit ausgeprägten Zitrus- und Yuzunoten; Master of Malt nennt zusätzlich Grapefruit, Orangenblüte und Rose, dazu Wacholder im Hintergrund. Am Gaumen wird der Gin als frisch und ausgewogen beschrieben, mit Pfeffer und einem Hauch Lakritz; der britische Händler Amathus ergänzt grünen Tee und Wacholder. Der Abgang ist laut französischem Händler rund, geschmeidig und seidig, laut Amathus pfeffrig mit Sansho und am Ende wieder von Yuzu geprägt. Der Rezensent Jonathan Winters empfiehlt den Etsu denjenigen, die wacholderbetonte Gins weniger mögen. Das deckt sich mit der Einstufung: Zitrus steht klar vorn, Wacholder tritt zurück, Kräuter und Würze begleiten ihn in mittlerer Intensität.
Steckbrief Etsu Gin:
Alkoholgehalt: 43 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Yuzu, grüne Bitterorangenschale, Koriandersamen, Engelwurz, Süßholzwurzel (weitere Quellen nennen Grünteeblätter und Sansho-Pfeffer)
Hersteller: Asahikawa Distillery, Hokkaido, Japan
Yuzu als Leitaroma: Japans Weg zum eigenen Gin-Stil
Der Etsu lässt sich gut an dem einen Botanical festmachen, das den Ton angibt. Yuzu, eine in Japan verbreitete Zitrusfrucht, wird von Amathus ausdrücklich als dominante Note bezeichnet. Bemerkenswert ist, wie der Gin damit umgeht: Wacholder bleibt formal Pflicht, tritt aber hinter die Frucht zurück, während Grünteearomen und Sansho-Pfeffer als Beiwerk auftauchen, die auch die Verkostungsnotizen der Händler aufgreifen.
Dieses Muster gehört zu dem, was man inzwischen als japanischen Gin-Stil beschreibt: klare Basis, Betonung lokaler Zutaten, nicht die klassische Londoner Wacholderlinie. Die Rezeptur wirkt dabei bewusst reduziert. Während andere japanische Marken mit zehn oder mehr Botanicals arbeiten, nennen die Quellen zum Etsu vor allem ein halbes Dutzend Kernzutaten; ein Händler spricht von mindestens acht. Zu den Auszeichnungen gehören nach Angaben von Master of Malt und Amathus eine Doppel-Goldmedaille bei der San Francisco World Spirits Competition 2018 und ein Master-Medal bei den Asian Spirits Masters 2019; Master of Malt nennt außerdem Gold bei den World Gin Awards 2021 (Kategorie Contemporary Gin). Wer sich in die Kategorie einlesen möchte, findet in unserem Artikel zu den Gin-Botanicals im Detail Hintergründe zur Rolle von Zitrusschalen.
Verwendung des Etsu Gin
- Gin & Tonic: PlumpJack serviert ihn mit einem mediterranen Tonic und Zitronenschale; das passt zum Profil, etwa mit Fever-Tree Mediterranean Tonic Water. Wer die Yuzu-Linie verstärken möchte, kann zum East Imperial Yuzu Tonic Water greifen.
- Pur auf Eis: Amathus und Master of Malt nennen den Gin auch für die Eisvariante mit einem Zweig Minze.
- Serviervorschlag: Ein Highball oder Ballonglas mit viel Eis; Garnitur Zitronenschale, um die Zitrusnoten nicht zu überdecken.
Der Etsu eignet sich für Gin-Trinker, die die Zitrusfrische eines Sommerdrinks mit etwas Asien-Bezug verbinden möchten, ohne gleich einen stark parfümierten Gin zu bekommen. Für Einsteiger, die klassische Wacholderwucht erwarten, ist er weniger gedacht, wohl aber für alle, die Roku oder Ki No Bi schon kennen und eine weitere japanische Spielart suchen. Die Ausgaben auf dem deutschen Markt erscheinen teils in einer Geschenkbox mit Glas; für den Genuss selbst spielt das keine Rolle, für die Kaufentscheidung schon.
Einordnung & Alternativen
- Ki No Bi Kyoto Dry Gin – der Maßstab für japanische Botanicals-Vielfalt, mit deutlich mehr Zutaten (u. a. Gyokuro, Sansho, Yuzu und Bambusblättern) und 45,7 % vol. kräftiger im Alkohol.
- Roku Gin – Suntorys Gin mit sechs japanischen Botanicals (Sakura-Blüte und -Blatt, Sencha, Gyokuro, Yuzu, Sansho), durch die Kirschblüte blumiger angelegt.
- Nikka Coffey Gin – setzt auf Citrus-Vielfalt mit Amanatsu, Kabosu und Shikuwasa, mit 47 % vol. deutlich stärker.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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