Herstellung des Roku Gin:
Der Roku Gin ("Roku" bedeutet auf Japanisch "sechs") stammt aus dem Hause Suntory, das 1899 von Shinjiro Torii gegründet wurde und mit seiner Vision, westliche Spirituosenkultur mit japanischem Handwerk zu verbinden, das Fundament für zahlreiche später weltbekannte Suntory-Marken legte. Hergestellt wird der Gin im "Liquor Atelier" der Osaka Distillery, einer auf Craft-Spirituosen spezialisierten Anlage, die eigens für Suntorys Premium-Produkte eingerichtet wurde und über mehrere unterschiedliche Brennanlagentypen verfügt, die je nach Botanical zum Einsatz kommen. Sein Konzept: sechs traditionelle Gin-Botanicals treffen auf sechs typisch japanische Zutaten — Sakura-Blüte, Sakura-Blatt, Yuzu-Schale, Sencha-Tee, Gyokuro-Tee und Sanshō-Pfeffer.
Um die Aromen jeder einzelnen Zutat optimal zur Geltung zu bringen, destilliert Suntory die Botanicals in vier unterschiedlichen Verfahren getrennt voneinander, bevor die Destillate zum fertigen Gin vermählt werden – ein Aufwand, der für ein Massenprodukt ungewöhnlich hoch ist, aber typisch für die Detailversessenheit, mit der Suntory auch seine Whiskys herstellt. Das Ergebnis ist ein Gin, der westliche Gin-Tradition mit japanischer Handwerkskunst und Aromatik verbindet und international zu einem der bekanntesten Botschafter des japanischen Gin-Stils wurde.
Verkostung des Roku Gin:
In der Nase zeigt sich der Roku angenehm blumig und leicht fruchtig, mit zarten Kirschblüten-Noten, Yuzu-Zitrus und einem Hauch grünem Tee im Hintergrund. Am Gaumen ist er weich und rund, Wacholder bildet die Basis, wird aber schnell von der Yuzu-Frische und einer sanften, wärmenden Schärfe des Sanshō-Pfeffers begleitet. Der Sencha- und Gyokuro-Tee verleihen dem Gin eine feine, leicht grasige Tiefe, während die Sakura-Blüte für eine dezente, blumig-süße Rundung sorgt und das Sakura-Blatt einen Hauch salzig-herbe Note beisteuert, wie man sie von traditionellem japanischem Kirschblüten-Gebäck kennt. Im Abgang bleibt eine milde, angenehm anhaltende Würze mit einem letzten Hauch Kirschblüte zurück.
Insgesamt wirkt der Roku dadurch außergewöhnlich zugänglich und rund, ganz ohne die für viele europäische Gins typische Wacholderschärfe.
Steckbrief Roku Gin:
Alkoholgehalt: 43 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Zitronenschale, Bitterorangenschale, Süßholzwurzel, Sakura-Blüte, Sakura-Blatt, Yuzu-Schale, Sencha-Tee, Gyokuro-Tee, Sanshō-Pfeffer
Hersteller: Suntory Spirits Limited, Osaka Distillery, Japan
Botanicals des Roku Gin im Detail: Die getrennte Vier-Wege-Destillation
Die Besonderheit des Roku liegt weniger in exotischen Einzelzutaten als im Herstellungsverfahren selbst. Statt alle zwölf Botanicals gemeinsam zu mazerieren und zu destillieren, wählt Suntory für jede Zutatengruppe das jeweils passende Verfahren: zarte Blüten wie Sakura-Blüte werden anders behandelt als robuste Wurzeln wie Angelika, und Teeblätter wie Sencha und Gyokuro benötigen wiederum eigene Bedingungen, um ihre grasig-umami-artige Tiefe zu bewahren, statt beim Brennvorgang zu verflüchtigen. Diese vier getrennten Destillationswege werden erst am Ende zum fertigen Gin vermählt. Dadurch bleibt jede einzelne Zutat, von der Süße der Kirschblüte bis zur Schärfe des Sanshō-Pfeffers, klar erkennbar – ein Kontrast zur oft "verwaschenen" Aromatik, die entsteht, wenn empfindliche und robuste Botanicals gemeinsam destilliert werden.
Verwendung des Roku Gin
- Gin & Tonic: Der Roku entfaltet sich am besten mit einem milden, klaren Tonic wie Fever-Tree Mediterranean Tonic Water oder Aqua Monaco Tonic Water, garniert mit einer Grapefruit- oder Yuzuscheibe, welche die zitrusartigen Aromen unterstreicht.
- Pur oder auf Eis: Wegen seiner feinen floralen und teeartigen Nuancen lohnt sich der Roku auch pur mit einem großen Eiswürfel, um die japanischen Botanicals in Ruhe zu erkunden.
- Cocktail: In fruchtig-floralen Cocktails wie einem Gin Sour mit Yuzusaft oder einem French 75 zeigt der Roku seine weiche, wenig scharfe Seite und verbindet sich harmonisch mit anderen zarten, fruchtigen Zutaten.
Der Roku Gin richtet sich an alle, die einen zugänglichen, floral-fruchtigen Einstieg in die japanische Gin-Welt suchen, ohne auf die Vertrautheit klassischer westlicher Botanicals wie Wacholder und Koriander zu verzichten. Im Vergleich zum deutlich zitrus- und texturbetonteren Nikka Coffey Gin zeigt der Roku, dass japanische Gin-Interpretationen sehr unterschiedliche Wege gehen können: Während Nikka seinen Charakter über das Destillat der Coffey-Still definiert, setzt Suntory konsequent auf die botanische Vielfalt japanischer Zutaten und ein aufwendiges Mehrfach-Destillationsverfahren.
Auch die Flaschengestaltung des Roku greift dieses Konzept auf: Die sechseckige Form der Flasche mit dem Kanji-Zeichen für "sechs" verweist unmittelbar auf die sechs traditionellen und sechs japanischen Botanicals, die das Herzstück der Rezeptur bilden. Für Suntory war der Roku zugleich Teil einer größeren strategischen Öffnung gegenüber dem globalen Gin-Boom der 2010er-Jahre: Als traditionell auf Whisky spezialisierter Konzern erschloss sich das Unternehmen mit dem Roku einen neuen, international schnell wachsenden Markt und positionierte gleichzeitig japanische Handwerkskunst als eigenständiges Verkaufsargument – ähnlich wie es zeitgleich auch andere japanische Traditionshäuser mit ihren eigenen Gin-Linien versuchten. Preislich liegt der Roku im mittleren Segment und ist damit, anders als manche Nischenmarken aus Japan, auch im gut sortierten Supermarkt erhältlich.
Einordnung & Alternativen
- Ki No Bi Kyoto Dry Gin – traditioneller und preislich höher positioniert, mit stärkerem Fokus auf Yuzu und Sansho-Pfeffer statt Kirschblüte.
- Jinzu Gin – ebenfalls japanisch inspiriert mit Yuzu und Sake, aber in Schottland produziert und fruchtiger im Profil.
- Momotaro Gin – ein weiterer japanischer Gin mit eigenständigem Botanical-Konzept abseits der Kirschblüten-Ausrichtung des Roku.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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