Herstellung des Nikka Coffey Gin:
Nikka Coffey Gin stammt vom japanischen Whisky-Hersteller Nikka, den Masataka Taketsuru – oft als Vater des japanischen Whiskys bezeichnet – 1934 gründete, nachdem er in Schottland Destillierkunst studiert hatte. Mit dem Coffey Gin, der 2017 zusammen mit dem Coffey Vodka lanciert wurde, übertrug Nikka sein Whisky-Know-how erstmals konsequent auf einen Gin. Namensgebend ist die Coffey-Still, eine kontinuierlich arbeitende Säulenbrennanlage schottischer Bauart aus den 1960er-Jahren, die Nikka in der Miyagikyo-Destillerie bei Sendai traditionell zur Herstellung von Grain Whisky einsetzt und die dem Gin sein charakteristisch weiches, rundes Mundgefühl verleiht.
Als Basis dient ein Getreidedestillat, das anschließend mit insgesamt elf sorgfältig ausgewählten Botanicals aromatisiert wird: klassische Gin-Zutaten wie Wacholderbeeren, Angelikawurzel, Koriandersamen sowie Zitronen- und Orangenschale treffen auf vier typisch japanische Zitrusfrüchte – Yuzu, Amanatsu, Kabosu und Shikuwasa – dazu Apfel und grüner Sanshō-Pfeffer. Produziert wird der Gin ausschließlich in Japan in den Anlagen von Nikka Whisky. Die Kombination aus Coffey-Still-Destillation und einheimischen Botanicals machte den Gin schnell zu einem international beachteten Beispiel für den eigenständigen japanischen Gin-Stil, der sich bewusst von der Säulendestillation klassischer Gins mit ihren scharfen Pot-Still-Aromen absetzt.
Verkostung des Nikka Coffey Gin:
In der Nase zeigt sich Nikka Coffey Gin außergewöhnlich zitrusbetont: cremige Zitronen- und Yuzu-Noten verbinden sich mit einem Hauch tropischer Fruchtsüße. Am Gaumen sorgt die Coffey-Still-Destillation für eine bemerkenswert weiche, leicht ölige Textur, in der sich japanische Zitrusfrüchte, Pfefferkorn, Kiefernnadel-Anklänge und feine Fenchelnoten miteinander verbinden. Der Sanshō-Pfeffer sorgt für ein dezentes, prickelndes Kribbeln, das dem Profil eine typisch japanische Note verleiht, während der Wacholder bewusst zurückhaltend bleibt, um die Zitrusfülle nicht zu überdecken. Der Abgang ist mittellang, zitrusfrisch und angenehm rund, ohne die für viele London Dry Gins typische Wacholderschärfe. Insgesamt ein außergewöhnlich zugänglicher, fruchtig-frischer Gin, der sich deutlich von klassisch-europäischen Stilen abhebt und die charakteristische Textur der Coffey-Still-Destillation in jedem Schluck erkennen lässt.
Steckbrief Nikka Coffey Gin:
Alkoholgehalt: 47 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Yuzu, Amanatsu, Kabosu, Shikuwasa, Apfel, Koriandersamen, Angelikawurzel, Sanshō-Pfeffer u. a.
Hersteller: Nikka Whisky, Sendai, Japan
Herstellung im Detail: Warum eine Coffey-Still den Unterschied macht
Die meisten Gins entstehen entweder durch klassische Pot-Still-Destillation in Kupferbrennblasen oder durch modernere Säulendestillation mit hoher Reinheit, aber wenig Charakter. Nikka nutzt für seinen Coffey Gin dagegen dieselbe kontinuierlich arbeitende Coffey-Still, mit der die Destillerie sonst Grain Whisky für ihre Blends herstellt – benannt nach dem irischen Erfinder Aeneas Coffey, der die Bauweise im 19. Jahrhundert patentierte. Anders als eine moderne Kolonnenanlage arbeitet die traditionelle Coffey-Still bei niedrigerem Reinheitsgrad und lässt dadurch mehr Textur und Öligkeit im Destillat zurück, was dem fertigen Gin sein auffällig weiches, fast cremiges Mundgefühl verleiht – ein Effekt, den man von schärferen, reineren Säulendestillaten klassischer Gins so nicht kennt.
Verwendung des Nikka Coffey Gin
- Gin & Tonic: Die ausgeprägte japanische Zitrusnote kommt besonders gut mit einem Tonic zur Geltung, das diese fruchtige Frische aufgreift, statt sie zu übertönen. Ideal passt East Imperial Yuzu Tonic Water, das die Yuzu-Aromatik direkt aufnimmt, alternativ funktioniert auch ein neutraleres Fever-Tree Naturally Light Tonic Water, das die feine Textur des Gins nicht überdeckt.
- Cocktail: Durch seine weiche Textur und die runde Zitrusfrucht eignet sich Nikka Coffey Gin hervorragend für fruchtbetonte Cocktails wie einen Gin Fizz oder Gin Sour, in denen seine feine Würze und die japanischen Zitrusnoten optimal zur Geltung kommen. Auch als Basis für einen leichten Martini zeigt der Gin seine ungewöhnliche Eleganz.
Der Nikka Coffey Gin richtet sich an alle, die japanische Präzisionsdestillation und ungewöhnliche, regionaltypische Zitrusaromen abseits klassischer europäischer Gin-Stile suchen. Im Vergleich mit anderen japanischen Gins wie dem sechs-Botanicals-Konzept des Roku Gin zeigt sich, dass Nikka seinen Charakter weniger über die Botanical-Auswahl als über das Destillationsverfahren selbst definiert – ein Ansatz, der ihn zu einem der technisch interessantesten Gins auf dem Markt macht.
Für Nikka selbst war der Coffey Gin auch strategisch bedeutsam: Er erschloss der Whisky-Destillerie einen neuen, international stark wachsenden Markt, ohne dabei auf gelagerte Whisky-Bestände zurückgreifen zu müssen, deren Nachschub durch die weltweit gestiegene Nachfrage nach japanischem Whisky ohnehin knapp geworden war. Gleichzeitig ließ sich mit dem Gin die technische Kompetenz der Coffey-Still einem breiteren Publikum vermitteln, das mit reinem Whisky womöglich weniger vertraut ist. Dieses Doppelspiel aus Markterschließung und Markenpflege erklärt, warum gerade etablierte Whisky-Häuser wie Nikka in den vergangenen Jahren verstärkt in den Gin-Markt eingestiegen sind, statt sich ausschließlich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Der Premium-Preis des Nikka Coffey Gin ist dabei auch dem aufwendigen Coffey-Still-Verfahren zuzuschreiben, das deutlich mehr Zeit und Know-how erfordert als eine einfache Säulendestillation.
Einordnung & Alternativen
- Ki No Bi Kyoto Dry Gin – setzt auf klassische Pot-Still-Destillation statt auf die weiche Coffey-Still-Textur und bleibt dadurch kantiger.
- Jinzu Gin – ebenfalls stark von Yuzu geprägt, allerdings mit Sake-Anteil statt der vier japanischen Zitrusfrüchte von Nikka.
- Momotaro Gin – deutlich günstigere, in Deutschland produzierte Alternative mit ähnlich fruchtig-japanischer Anmutung, aber ohne die aufwendige Coffey-Still-Technik.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Gins

Nolet's Silver Dry Gin
Parfümartig floral mit türkischer Rose, Pfirsich und Himbeere — Wacholder tritt erst spät hervor.

Nordes Atlantic Galician Gin
Weinig-florale Fruchtnote aus Albariño-Traubendestillat, mit salzig-maritimer Nuance der Atlantikküste.

Old Raj Dry Gin
Safran erst nach der Destillation zugesetzt — blassgoldene Farbe, erdig-blumige Würze, mentholartiger Abgang.

Quarantini Social Dry Gin
Fruchtig-milde Papaya-Bergamotte-Basis mit floral-bitterer Veilchenwurzel — zugänglicher New-Western-Gin mit sozialem Zweck.
Dazu passendes Tonic Water

Schweppes Dry Tonic Water
Herber und trockener als das Original, mit Grapefruit- und Orangenfrische im Hintergrund der Bitterkeit.

Schweppes Herbal Tonic Water
Rosmarin, Thymian und Oregano über heller Zitronennote — deutlich mediterraner als die klassische Rezeptur.

Schweppes Indian Tonic Water
Süß und kräftig bitter im klassischen Chinin-Stil, wenig komplex — der historische Ursprung des Gin & Tonic selbst.
Passende Gin & Tonic Kombinationen

New Western Dry Gin erklärt
Wacholder als einer unter vielen gleichberechtigten Botanicals statt Hauptdarsteller – die 2006 von Ryan Magarian geprägte 'botanische Demokratie'.

Gin-Botanicals im Detail: Die wichtigsten Aromageber von Wacholder bis Iriswurzel
Von der einzigen Pflichtzutat Wacholder bis zur jahrelang getrockneten Iriswurzel — jedes Botanical bringt eine eigene Geschichte und Aromatik mit.

Die zeitlose Faszination des Gins: Eine Reise durch Geschmack und Geschichte
Vom niederländischen Medizinschnaps über die Londoner Gin Craze bis zum Coffey Still und der heutigen Craft-Gin-Renaissance.
Nikka Coffey Gin kaufen:

