Herstellung des Etter Gin:
Wer in der Schweiz an Etter denkt, denkt an Zuger Kirsch. Die Geschichte der Familie reicht bis 1823 zurück, als Johann Baptist Etter in Menzingen im Kanton Zug den ersten belegten Kirsch brannte. Ab 1870 führte Paul Etter das Geschäft als Unternehmen weiter; gut 110 Jahre lang drehte sich dort ausschließlich alles um Kirschbrand. Erst 1981 begann Hans Etter, die dritte Generation, das Sortiment zu erweitern. Heute leitet die vierte Generation das Haus an der Chollerstrasse in Zug; Gabriel Galliker-Etter, der Schwiegersohn des Verwaltungsratspräsidenten, verantwortet das Tagesgeschäft seit 2012. Nach Herstellerangaben besteht die Rohware zu 100 Prozent aus Schweizer Obst, produziert wird vollständig am Stammsitz. Zum Sortiment gehören neben Obstbränden der Single Malt Johnett, der gemeinsam mit der Brauerei Baar entsteht, ein Rum und der Gin. Die Kirschen stammen laut einem Porträt in einem Zuger Magazin aus Zug, die Birnen und Aprikosen aus dem Wallis; für eine 0,7-Liter-Flasche Obstbrand sind etwa 15 Kilogramm Früchte nötig.
Der Gin selbst geht auf ein altes Familienrezept für ein Kräuterdestillat zurück. Die Vorfahren brannten vor allem Kirsch, stellten aber auch einen Kräutergeist her, dessen Rezeptur Etter laut eigener Darstellung an heutige Trends angepasst hat. Die Zutatenliste ist ungewöhnlich lang: 75 ausgewählte Botanicals kombiniert das Haus mit heimischen Kräutern. Wacholder stammt teilweise aus der Gegend am Rossberg, wie es das ursprüngliche Rezept vorsah. Als Besonderheiten nennt Etter den hauseigenen Kirsch und eine Kirschblütenessenz, die als letzter Schliff hinzukommt. Der Gin wird mit 40 % vol. in 0,7-Liter-Flaschen abgefüllt. Zu Destillationsmethode und Verhältnissen der einzelnen Botanicals machen die gesichteten Quellen keine Angaben.
Verkostung des Etter Gin:
Das Folgende beruht auf Herstellerangaben und veröffentlichten Verkostungsnotizen, nicht auf einer eigenen Verkostung. Laut Etter duftet der Gin aromatisch nach Orangenblüte und Zitronenschale. Am Gaumen sei er harmonisch, würzig, frisch und mild, mit langem Abgang. Falstaff vergab bei einer Verkostung im September 2022 durch ein Panel von 16 Juroren 92 Punkte und beschreibt die Nase als fruchtig und zitrusgeführt, mit eingebundenem Wacholder und leichten blumigen Anklängen. Der Gaumen wirke weich und mild, der Abgang ziehe sich lang mit Orangenblüte.
Das stimmt mit den Hersteller-Beschreibungen überein und rechtfertigt die Einordnung: Zitrus und Blüte tragen den Gin, Wacholder bleibt gut hörbar, aber eingebettet, Kräuter und Würze begleiten dezent.
Steckbrief Etter Gin:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Verwendete Botanicals: 75 Botanicals und heimische Kräuter, darunter Wacholder (teils vom Rossberg), Etter Kirsch und Kirschblütenessenz (laut Hersteller)
Hersteller: Etter Söhne AG, Zug, Schweiz
Vom Kirschbrand zum Gin: Kirsch als Signatur
Interessant am Etter Gin ist weniger die Zahl von 75 Botanicals als die Rolle des Kirschs. Kirsch und Kirschblütenessenz geben dem Gin eine Handschrift, die ihn von Gins mit rein pflanzlicher Botanical-Liste unterscheidet. Eine deutliche Kirschnote nennen allerdings weder Etter noch Falstaff in ihren Beschreibungen; im Vordergrund stehen Orangenblüte, Zitrus und Wacholder. Die Kirsche dürfte daher eher als Hintergrund und Abrundung wirken.
Auch der Wacholder verweist auf die Region: Er stammt teilweise aus dem Gebiet am Rossberg, wie es das Originalrezept vorsah. Daneben führt Etter eine Variante "Edition Chriesi" in kirschroter Farbe führt, die als komplex, würzig und erfrischend beschrieben wird. Sie ist nicht Gegenstand dieser Seite.
Verwendung des Etter Gin
- Gin & Tonic: Die blumig-zitrische Seite des Gins verträgt ein Tonic mit zusätzlicher Blütennote. Fever-Tree Elderflower Tonic Water betont die Orangenblüte mit Holunderduft, ist aber süßer. Wer es trockener will, wählt Swiss Mountain Spring Classic Tonic Water, dessen helle Zitronennote zum Gin passt.
- Serviervorschlag: Eine Orangenzeste statt Zitronenscheibe nimmt die Orangenblüte auf.
- Cocktails: Wegen der zitrusgeführten Struktur bieten sich Drinks wie White Lady oder Tom Collins an; das ist eine Anregung und keine Herstellerempfehlung.
In Zug lässt sich das Haus zudem besichtigen: Die Brennerei bietet einen Showroom mit Verkostung und eine geführte Tour an. Der Etter Gin spricht Genießer an, die Schweizer Obstbrandkultur kennen und einen weichen, zitrisch-floralen Gin mit klarem, aber nicht scharfem Wacholder suchen. Preislich ordnet er sich im Premium-Segment ein. Für den Einstieg in Schweizer Gins ist er ein naheliegender Kandidat, weil mit der Familie Etter ein Haus dahintersteht, das seit 1870 als Unternehmen besteht und nach eigenen Angaben ausschließlich Schweizer Obst verarbeitet.
Einordnung & Alternativen
- Citadelle Gin – aus der Cognac-Region, aber würziger und wacholderbetonter.
- Cotswolds Dry Gin – Zitrus, Lavendel und Gewürze im Gleichgewicht, mit mehr Körper und höherem Alkoholgehalt.
- Hendrick's Gin – deutlich floraler, mit Rose und Gurke statt Orangenblüte und Zitronenschale.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Gins

Citadelle Gin
Harzig-würziger Wacholder mit warmer Zimt-Cassia-Note aus offener Flammendestillation — reichhaltiger als britische Klassiker.

Cotswolds Dry Gin
Voller, leicht öliger Antritt durch die seltene Malzdestillat-Basis — Wacholder, Lavendel und würziger Kardamom im Gleichgewicht.

Hendrick's Gin
Blumig-florale Rosennote mit angedeuteter Gurkenfrische, Wacholder bewusst im Hintergrund — stilprägender Abweichler vom klassischen Dry-Gin-Kanon.

G'Vine Floraison Gin
Samtig-weicher Traubendestillat-Korpus mit blumigen Weinblüten und milder Kardamom-Ingwer-Würze — deutlich weniger wacholderbetont als klassische Gins.
Dazu passendes Tonic Water

Fever-Tree Elderflower Tonic Water
Honigsüßer Holunderblüten-Duft und milde Bitterkeit — die zugänglichste, süßeste Variante der Reihe.

Swiss Mountain Spring Classic Tonic Water
Helle Zitronennote über dezenter Chinin-Basis — ausgewogen zwischen Süße und Bitterkeit.

Fever-Tree Mediterranean Tonic Water
Rosmarin und Lavendel statt Chinin-Schärfe — spürbar weniger bitter, blumig-kräuterig statt klassisch.

New Western Dry Gin erklärt
Wacholder als einer unter vielen gleichberechtigten Botanicals statt Hauptdarsteller – die 2006 von Ryan Magarian geprägte 'botanische Demokratie'.

Gin-Botanicals im Detail: Die wichtigsten Aromageber von Wacholder bis Iriswurzel
Von der einzigen Pflichtzutat Wacholder bis zur jahrelang getrockneten Iriswurzel — jedes Botanical bringt eine eigene Geschichte und Aromatik mit.

Die häufigsten Gin-Botanicals: Auswertung von 191 Gins
191 Gins im Zahlenvergleich: Wacholder fast überall, Koriander und Angelika im Kern, darüber hinaus entscheidet die Handschrift der Brennerei.