Herstellung des Greenall's Original London Dry Gin:
Greenall's wird seit 1761 im englischen Warrington gebrannt und gilt damit als die älteste noch durchgehend produzierende Gin-Destillerie des Landes – eine Kontinuität, die selbst die meisten großen Londoner Traditionsmarken nicht vorweisen können, da deren Produktionsstandorte im Lauf der Jahrhunderte mehrfach wechselten. Gegründet wurde das Unternehmen von Thomas Dakin, der 1760 seine Destillerie in der Bridge Street errichtete und ein Jahr später, unter dem Druck damaliger Regierungsauflagen für die Spirituosenherstellung, mit der Produktion begann. Seine Nachfahren führten die Destillerie über Generationen, bevor sie schließlich in die Greenall-Familie überging, die ihr bis heute den Namen gibt. Die 1761 aufgenommene Produktion fiel dabei in eine Zeit strenger staatlicher Regulierung der englischen Spirituosenbrennerei, der sich viele kleinere Brennereien seinerzeit nicht gewachsen zeigten. G&J Distillers, wie das Unternehmen heute offiziell heißt, hält an der klassischen, puristischen London-Dry-Rezeptur fest: keine künstlichen Aromen, keine Farbstoffe, nur Wacholder und eine handvoll klassischer Botanicals, destilliert in traditionellen Kupferbrennblasen am Ursprungsstandort in Warrington. Der Original bildet bis heute das Fundament der gesamten Greenall's-Range, während dieselbe Destillerie parallel auch andere bekannte Gin-Marken wie Bloom Gin und Berkeley Square Gin herstellt – ein Beleg für das über Jahrhunderte gewachsene Brenn-Know-how am Standort.
Verkostung des Greenall's Original London Dry Gin:
In der Nase zeigt sich klassischer, klarer Wacholder mit einer dezenten Zitrusnote und einem Hauch von Cassiarinde im Hintergrund. Am Gaumen ist der Greenall's Original trocken und geradlinig, Wacholder und Koriander stehen im Zentrum, unterlegt von einer feinen Süßholz-Würze, die dem Gin eine leicht warme Rundung verleiht, ohne ihn süß wirken zu lassen. Iriswurzel sorgt für eine dezente, pudrig-florale Untertönung, die typisch für viele klassische London-Dry-Rezepturen dieser Ära ist. Der Abgang ist mittellang und angenehm trocken, mit einem letzten Nachklang von Wacholder und Zitrusschale – ein unaufgeregter, verlässlicher London Dry Gin ohne stilistische Extravaganzen. Gerade diese Zurückhaltung macht ihn in Longdrinks besonders vielseitig einsetzbar, da er sich weder gegen kräftigere Tonic-Bitterkeiten durchsetzen muss noch von zusätzlichen Zutaten wie Kräutern oder Beeren überlagert wird.
Steckbrief Greenall's Original London Dry Gin:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Süßholz, Iriswurzel, Cassiarinde
Hersteller: G&J Distillers, Warrington, England (seit 1761)
Herstellung im Detail: Warrington als Zentrum britischer Gin-Produktion
Was Greenall's von vielen anderen traditionsreichen Gin-Marken unterscheidet, ist die durchgehende Verbindung zu einem einzigen Produktionsstandort seit über 260 Jahren. Während Marken wie Gordon's oder Beefeater im Lauf ihrer Geschichte mehrfach die Destillerie wechselten – meist im Zuge von Firmenübernahmen oder Konzernfusionen –, wird in Warrington ununterbrochen seit Dakins Gründung destilliert. Heute gehört G&J Distillers zur Quintessential-Brands-Gruppe und produziert am Standort neben Greenall's auch andere bekannte Gin-Marken wie Bulldog London Dry Gin, Boodles London Dry Gin, Brockmans Premium Gin sowie Opihr Oriental Spiced London Dry Gin – ein Beleg dafür, wie zentral Warrington für die britische Gin-Industrie ist, auch wenn der Standort öffentlich deutlich weniger bekannt ist als die Londoner Traditionshäuser. Für den Original selbst bedeutet dieses Erbe vor allem eines: eine über Generationen erprobte, bewusst unveränderte Rezeptur, die auf Verlässlichkeit statt auf modische Neuerungen setzt.
Verwendung des Greenall's Original London Dry Gin
- Gin & Tonic: Ein zuverlässiger, klassischer Allrounder, der zu jedem gängigen Tonic Water passt – etwa Schweppes Indian Tonic Water oder Thomas Henry Tonic Water – und mit einer Zitronenscheibe serviert wird.
- Klassische Cocktails: Dank seines geradlinigen, puristischen Profils eine solide Basis für Martini, Negroni und Tom Collins, in denen der Wacholder klar hörbar bleibt, ohne andere Zutaten zu überdecken.
Im Vergleich zu anderen puristischen London Dry Gins wie Gordon's London Dry Gin zeigt sich Greenall's ähnlich geradlinig, wirkt aber durch die Iriswurzel- und Süßholznote insgesamt eine Spur weicher und weniger scharf. Der Greenall's Original richtet sich an alle, die einen unkomplizierten, historisch fundierten London Dry Gin ohne stilistische Extravaganzen suchen – und an alle, die sich für die Ursprünge der britischen Gin-Industrie abseits der bekanntesten Londoner Marken interessieren.
Bemerkenswert ist zudem, dass ausgerechnet diese vergleichsweise unauffällige Destillerie in Warrington heute die Produktionsbasis für ein ganzes Spektrum an Gin-Stilen bildet, von puristischen London-Dry-Klassikern wie dem Original bis zu deutlich moderneren, botanisch aufwendigeren Kompositionen wie Brockmans oder Opihr. Für Einsteiger, die verstehen möchten, wie stark ein und dieselbe Destillerie stilistisch völlig unterschiedliche Gins hervorbringen kann, bietet der Greenall's Original damit einen guten Ausgangspunkt: Er zeigt, wie der klassische, puristische Grundstil aussieht, von dem aus sich die anderen Warrington-Marken bewusst stilistisch entfernen. Preislich bewegt sich der Original dabei weiterhin in der Einstiegsklasse und bleibt damit trotz seiner langen Geschichte eine der günstigeren Optionen unter den klassischen London Dry Gins.
Einordnung & Alternativen
- Bulldog London Dry Gin – aus derselben Destillerie in Warrington, aber mit zwölf statt wenigen Botanicals und spürbar mehr exotischer Würze.
- Boodles London Dry Gin – ebenfalls aus dem Hause G&J Distillers, bewusst ohne Zitrusschalen und dadurch kräuterbetonter als der Original.
- Gordon's London Dry Gin – ähnlich preisgünstig und wacholderdominiert, insgesamt aber etwas trockener und weniger floral.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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Welches Tonic Water passt zu welchem Gin?
Je zurückhaltender der Gin, desto zurückhaltender sollte das Tonic sein — die Grundregel richtet sich nach dem dominanten Botanical, nicht der Marke.
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