Gin

Harahorn Gin

4,5/5 Redaktionsbewertung
46 % vol.Grimstad, Norwegen
GinNew Western Dry Gin
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Herstellung des Harahorn Gin:

Harahorn Gin wird von Det Norske Brenneri hergestellt, einer Destillerie im südnorwegischen Grimstad, die 2011 von Odd J. Nelvik und Stig Bareksten gegründet wurde. Die beiden wollten ursprünglich einen neuen Aquavit entwickeln, dessen Fassreifung ein weicheres, komplexeres Ergebnis liefern sollte – und schufen damit die erste privat geführte Destillerie Norwegens seit über 80 Jahren, nachdem das staatliche Alkoholmonopol des Landes erst 2005 endgültig fiel. Diese historische Besonderheit macht Det Norske Brenneri zu einem Pionierbetrieb der noch jungen norwegischen Craft-Spirituosen-Szene, die sich seither parallel zu ähnlichen Bewegungen in Skandinavien entwickelt hat. 2014 fusionierte das Unternehmen zudem mit Puntervold AS und der Agder Brenneri, wodurch es an eine norwegische Brenntradition anknüpft, die bis in die 1950er-Jahre zurückreicht, verkörpert im Leitspruch des früheren Puntervold-Gründers Ole Puntervold: "Nur das Beste ist gut genug."

Harahorn selbst, seit 2015 im Sortiment, basiert auf einem Kartoffelspirit als Grundlage und wird in kleinen Chargen von nur rund 300 bis 400 Litern von Hand angesetzt, gewogen und abgefüllt. Statt auf ein möglichst breites, internationales Botanical-Sortiment zu setzen, arbeitet die Destillerie konsequent mit Zutaten aus der unmittelbaren norwegischen Umgebung: Wacholder aus Røros, Blaubeeren aus dem Nordmarka-Waldgebiet bei Oslo, Rhabarber und Blasentang direkt aus der Region um Grimstad, Angelikawurzel aus Oppdal sowie wilder Majoran aus Sunndal, ergänzt um klassische Gin-Botanicals wie Koriander und Anis. Diese konsequente Regionalität – bis hin zur ungewöhnlichen Verwendung von Meeresalgen – ist in der internationalen Gin-Landschaft ein seltenes Alleinstellungsmerkmal und bereits kurz nach der Markteinführung mit einer Goldmedaille bei der San Francisco World Spirits Competition 2016 gewürdigt worden.

Verkostung des Harahorn Gin:

In der Nase zeigt sich Harahorn Gin hell und zugleich erdig: weicher Wacholder trifft auf Angelikawurzel, Zitrusnoten und die fruchtig-säuerliche Frische von Rhabarber, während im Hintergrund eine feine, salzig-maritime Note vom Blasentang mitschwingt. Am Gaumen entfaltet sich eine bemerkenswert komplexe Struktur aus Wacholder, Anis, Zitrus, Blaubeere und Nektarine, ergänzt um Anklänge von eingekochter Brombeermarmelade – eine Fruchtigkeit, die für einen Dry Gin ungewöhnlich ausgeprägt, dabei aber nie plump-süß wirkt, sondern stets von der krautig-erdigen Basis aus Majoran und Angelikawurzel zusammengehalten wird. Im Abgang bleibt der Gin warm und trocken: Wacholder und Blaubeere klingen zusammen mit einer pfeffrig-majoranartigen Würze und einer sehr feinen, salzigen Andeutung von Meerwasser lange nach. Diese maritime Facette, ein direkter Verweis auf die norwegische Küstenlandschaft rund um Grimstad, macht Harahorn zu einem der aromatisch eigenständigsten Gins überhaupt und rechtfertigt seinen Ruf als ausgesprochener Sipping-Gin, der auch pur oder auf Eis Genuss bietet.

Steckbrief Harahorn Gin:

Alkoholgehalt: 46 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder (Røros), Blaubeeren (Nordmarka), Rhabarber, Blasentang (Grimstad), Angelikawurzel (Oppdal), wilder Majoran (Sunndal), Koriander, Anis
Hersteller: Det Norske Brenneri, Grimstad, Norwegen

Blasentang und Blaubeeren: Norwegische Natur als Botanical-Konzept

Was Harahorn Gin von den meisten anderen New-Western-Style-Gins unterscheidet, ist die Konsequenz, mit der die Destillerie ausschließlich auf Zutaten aus der eigenen norwegischen Umgebung setzt, statt exotische oder importierte Botanicals beizumischen. Blasentang, eine an norwegischen Küsten häufige Braunalge, ist dabei die ungewöhnlichste Zutat: Sie liefert dem Gin eine dezente jodig-salzige Note, die ihn deutlich von zitrus- oder blumendominierten Vertretern seines Stils abhebt und stattdessen eine erkennbare maritime Terroir-Handschrift schafft. In Kombination mit Blaubeeren aus dem Nordmarka-Wald und Rhabarber aus der Region um Grimstad entsteht so ein Geschmacksbild, das unmittelbar an die Wald- und Küstenlandschaft Südnorwegens erinnert – ein Ansatz, der Harahorn in eine Reihe mit anderen skandinavischen New-Western-Gins wie dem ebenfalls norwegischen Bareksten Botanical Gin stellt, an dessen Entwicklung Mitgründer Stig Bareksten später ebenfalls beteiligt war.

Verwendung des Harahorn Gin

  • Gin & Tonic: Wegen seiner fruchtig-maritimen Komplexität passt Harahorn gut zu einem zurückhaltenden, nicht zu süßen Tonic wie dem Fever-Tree Naturally Light Tonic Water, das die feinen Rhabarber- und Blaubeernoten nicht überdeckt.
  • Pur oder auf Eis: Aufgrund seiner Tiefe und Balance eignet sich Harahorn auch hervorragend als Sipping-Gin, pur oder mit einem großen Eiswürfel serviert, um die volle botanische Komplexität zu erleben.

Harahorn Gin richtet sich damit vor allem an Genießer, die auf der Suche nach einem aromatisch anspruchsvollen, klar regional geprägten Gin abseits der üblichen Botanical-Standards sind – ein Gin für die bewusste Verkostung ebenso wie für einen anspruchsvollen Gin & Tonic. Auch preislich bewegt sich Harahorn eher im gehobenen Segment, was angesichts der kleinen Chargengrößen von nur 300 bis 400 Litern sowie der aufwendigen Beschaffung regionaler Botanicals wie Blasentang und wildem Majoran wenig überrascht: Handarbeit und Regionalität lassen sich in dieser Konsequenz kaum zu einem Einstiegspreis realisieren.

Innerhalb der noch überschaubaren norwegischen Gin-Landschaft gilt Harahorn heute als eine der Referenzmarken für das sogenannte "New Nordic"-Prinzip in der Spirituosenherstellung: die konsequente Verwendung lokaler, teils wild gesammelter Zutaten anstelle importierter Standard-Botanicals. Dass ausgerechnet die erste unabhängige Destillerie Norwegens nach Jahrzehnten des Staatsmonopols zu einem international preisgekrönten Aushängeschild dieser Bewegung wurde, unterstreicht zusätzlich die Bedeutung von Det Norske Brenneri für die norwegische Spirituosenkultur der vergangenen anderthalb Jahrzehnte.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Wacholder3/5
Zitrus2/5
Kräuter/Blumig4/5
Würze3/5

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