Tonic Water

Tonic Water erklärt: Chinin, Süße und Kohlensäure im Gin Tonic

Tonic Water gilt als der stille Partner im Gin Tonic, nimmt aber meist mehr als die Hälfte des Glases ein. Vier Eigenschaften entscheiden, wie ein Tonic schmeckt: der Bitterstoff Chinin, die Art und Menge der Süße, die Kohlensäure und eventuelle Zusatzaromen. Wer diese Stellschrauben kennt, kann Zutatenlisten und Produktbeschreibungen besser lesen und das passende Tonic gezielter auswählen.

Woher kommt Tonic Water?

Chinin stammt aus der Rinde des Chinarindenbaums. Spanier setzten die Rinde im 17. Jahrhundert gegen Malaria ein; im 19. Jahrhundert wurde in den britischen Kolonien Indiens Chinin mit Soda und Zucker trinkbar gemacht. 1858 wurde in London ein "Quinine Tonic Water" patentiert, der Name "Indian Tonic" erinnert bis heute an diese Verwendung. Schweppes geht auf eine Gründung in Genf 1783 zurück, damals noch für kohlensaures Wasser; das Tonic kam laut Porträt in den 1870er-Jahren hinzu, mehr dazu im Porträt von Schweppes Indian Tonic Water. Die oft erzählte Legende vom Gin Tonic als Malaria-Medizin ordnet der Artikel Gin Tonic Rezept & Mischverhältnis ein: Heute dient Chinin im Tonic als Bitteraroma.

Chinin: wie bitter darf es sein?

Die Bitterkeit ist das Erkennungsmerkmal jedes Tonics, fällt aber unterschiedlich aus. Das East Imperial Burma Tonic Water hat nach unserem Porträt den höchsten Chiningehalt der Marke und gilt als kräftig und herb. Das Fever-Tree Premium Indian Tonic Water kombiniert Chinin aus Tansania und dem Kongo mit Bitterorangenöl zu einer ausgewogenen, wenig aufdringlichen Bitterkeit. Das 1724 Tonic Water bezieht seine Chinarinde laut Porträt aus 1724 Metern Höhe im peruanischen Hochland.

Für Chinin in Getränken wird in der EU häufig ein Orientierungswert von 100 mg pro Liter genannt. Er geht auf eine Bewertung des Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses von 1988 zurück, die in der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 872/2012 erwähnt wird. Praktisch relevanter: Chinin steht in der Zutatenliste, wie die Angaben in unseren Porträts zeigen.

Süße: Zucker, Fruchtzucker oder Süßstoff?

Die meisten klassischen Tonics werden mit Zucker gesüßt, die Mengen unterscheiden sich aber spürbar. Schweppes wirkt nach unserem Porträt deutlich süßer als moderne Craft-Tonics, während das Goldberg & Sons Tonic Water bewusst trockener und herber ausfällt. Beim Fever-Tree Naturally Light wird der Zucker laut Porträt auf ein Drittel reduziert und durch Fruchtzucker ersetzt, ganz ohne künstliche Süßstoffe. Das Fentimans Naturally Light kommt auf rund 18 kcal und 3,4 g Zucker pro 100 ml.

Wer auf Kalorien achtet, findet in den Porträts konkrete Werte: Das East Imperial Burma Tonic nennt 34 kcal pro 100 ml, das Aqua Monaco Tonic Water 36 kcal. Zero- oder Light-Varianten setzen dagegen auf Süßstoffe. Das Schweppes Indian Tonic Water Zero und das Thomas Henry Tonic Water Zero nutzen laut Zutatenliste Acesulfam-K und Sucralose. Das Thomas Henry ZERO kommt auf rund 2 kcal pro 100 ml. Der Körper wirkt bei Süßstoffen meist etwas schlanker; wie stark das auffällt, ist Geschmackssache und hängt von der Grundrezeptur ab.

Kohlensäure und Flaschengröße

Kohlensäure ist mehr als Prickeln: Sie trägt die Aromen und prägt den Mundeindruck. Gröbere Bläschen wirken lebhafter, feine Perlage ruhiger. Beim Fentimans nennt unser Porträt den Brauprozess als Grund für die feinperlige Kohlensäure, bei Aqua Monaco die feine, ausdauernde Perlage als Markenzeichen. Entscheidend für den Alltag: Ist die Flasche offen, entweicht die Kohlensäure, und ein Rest vom Vortag fällt im Glas spürbar flacher aus.

Deshalb gibt es kleine Flaschen. Die East-Imperial-Tonics werden in 150-ml-Flaschen als Einzelportion abgefüllt, für Gastronomie und größere Runden gibt es 500 ml. Nach dem Mischverhältnis-Artikel braucht ein Gin Tonic 200 bis 250 ml Tonic. Gut gekühlt und langsam am Glasrand eingeschenkt, bleibt die Kohlensäure länger erhalten.

Aromatisierung: neutral, mediterran, botanisch oder zitrus

Neben dem klassischen Indian Tonic gibt es Varianten mit Zusatzaromen. Das Fever-Tree Mediterranean Tonic Water arbeitet mit Rosmarin, Thymian und Lavendel statt mit viel Chinin-Schärfe. Das Thomas Henry Botanical Tonic setzt auf Rosmarin, Wacholder, Lorbeerblatt, Estragon und Holunderblüte und ist deutlich milder als ein klassisches Tonic. Auch Exoten gibt es: East Imperial führt neben Grapefruit ein Yuzu-Tonic im Sortiment. Zitrusvarianten wie das Fentimans Valencian Orange Tonic Water ergänzen die Frucht, die viele Gins ohnehin mitbringen. Das Fentimans Tonic Water fällt aus dem Raster: Es entsteht laut Porträt aus botanisch gebrautem, mit Hefe fermentiertem Chinarinden-Ansatz und schmeckt entsprechend erdig-herb.

Und Bitter Lemon oder Ginger Beer?

Bitter Lemon ist eine zitronige Limonade, die wie Tonic Chinin enthält. Ginger Beer ist eine Ingwerlimonade ohne diesen Bitterstoff und wirkt scharf statt herb; Fentimans begann laut Porträt 1905 mit einem Ingwerbier-Rezept. Beide sind eigene Mixer, kein Ersatz für Tonic.

Was das für die Flaschenwahl bedeutet

Ein Blick auf Zutaten und Nährwerte verrät viel: Zucker, Fruchtzucker oder Süßstoff, ein Hinweis auf Chinin, Kräuter oder Zitrus. Als Grundregel gilt: Je feiner der Gin, desto zurückhaltender sollte das Tonic sein, je kräftiger der Gin, desto mehr verträgt er. Welches Tonic zu welcher Gin-Familie passt, erklärt der Artikel Welches Tonic Water passt zu welchem Gin?.