Gin

Gin-Preisklassen im Vergleich: Was kostet Qualität? Auswertung von 221 Gins

Vier schlichte Ginflaschen auf einer Holztreppe in aufsteigender Höhe, davor Wacholderbeeren und eine kleine Messingwaage

Ist teurer Gin besserer Gin? Wir haben für diese Auswertung die Preisklassen und Bewertungen von 221 Gins auf Gin-Time.de nebeneinandergelegt. Im Bestand steigt die Durchschnittsbewertung mit der Preisklasse deutlich: von 3,5 Sternen in der Einstiegsklasse auf 4,1 im Premiumsegment. Das beschreibt unseren Bestand und ist kein Qualitätsbeweis.

Datenbasis und Methode

Die Preisklasse ist eine redaktionelle Einordnung nach groben Schwellen: Einstiegsklasse bis etwa 25 Euro, Mittelklasse von 25 bis 40 Euro, Premium von 40 bis 60 Euro, Super-Premium darüber. Preise schwanken je Händler und Zeitpunkt. Auch die Sternebewertung ist eine redaktionelle Einschätzung auf einer Skala bis 5; bei den rund 40 zuletzt ergänzten Gins stützt sie sich auf Hersteller- und Quellenangaben statt auf eigene Verkostung. Unser Bestand ist keine Marktstichprobe, die Klassen sind unterschiedlich groß; Super-Premium umfasst nur 6 Gins und ist eine Tendenz. „Top-Bewertung“ heißt 4,5 Sterne und mehr. Die 21 alkoholfreien Gins sind bei Verteilung und Bewertung enthalten, bei den Alkoholwerten und der Länderauswertung nicht; Länder mit weniger als fünf Gins fehlen. Die Rohdaten stehen als CSV-Datei zum Download bereit.

Verteilung: Die Mitte dominiert

  • Einstiegsklasse19 %
  • Mittelklasse38 %
  • Premium41 %
  • Super-Premium (n = 6)3 %

Mittelklasse (83) und Premium (91) machen zusammen 79 % des Bestands aus, die Einstiegsklasse hat 41 Gins. Das beschreibt unsere Auswahl, nicht das Regal im Handel.

Bewertung: Je höher die Klasse, desto höher die Sterne

  • Einstiegsklasse5 %
  • Mittelklasse8 %
  • Premium31 %
  • Super-Premium (n = 6)67 %

Die Durchschnittsbewertung steigt von 3,5 über 3,8 und 4,1 auf 4,3. In der Einstiegsklasse liegen 71 % bei 3,5 Sternen oder weniger, im Premiumsegment 9 %. Top-Bewertungen erreichen 2 von 41 Einstiegs-Gins, aber 28 von 91 Premium-Gins. Ohne die alkoholfreien Gins bleibt die Reihenfolge gleich; die Rangkorrelation (Spearman) zwischen Klasse und Sternen beträgt 0,50. Auch innerhalb eines Stils zeigt sich das Muster: London Dry steigt von 3,6 (20 Gins) über 4,0 (18) auf 4,3 (14), New Western von 3,6 (7) über 3,7 (31) auf 4,1 (53).

Alkohol: Höhere Klassen sind meist stärker

Der Alkoholgehalt der alkoholhaltigen Gins steigt von 40,0 % in der Einstiegsklasse auf 43,6 % im Premiumsegment. Ab 45 % vol. liegen 5 % der Einstiegs-, aber 37 % der Premium-Gins. Die Mittelklasse würde mit den 14 alkoholfreien Gins rechnerisch auf 35,4 % sinken. Ob die Stärke den Preis treibt oder umgekehrt, zeigen unsere Daten nicht.

Preisklasse nach Stil und Land

Gruppe Gins Einstieg Mittelklasse Premium Super-Premium Ø Bewertung
London Dry Gin 52 20 18 14 0 3,9
New Western Dry Gin 97 7 31 53 6 4,0
Dry Gin (nur dieses Etikett) 17 4 6 7 0 3,9
Alkoholfreier Gin 21 2 14 5 0 3,6
England 58 18 19 20 1 4,0
Deutschland 51 7 22 22 0 3,7
Schottland 17 2 10 5 0 4,0
Spanien 10 5 1 4 0 3,9
USA 9 2 1 6 0 4,1
Italien 9 0 4 3 2 3,8
Österreich 6 0 1 4 1 3,8
Niederlande 5 2 2 0 1 4,0
Japan 5 0 1 4 0 4,0

London Dry liegt überwiegend in Einstiegs- und Mittelklasse (38 von 52), New Western zu 61 % in Premium oder Super-Premium. Deutschland verteilt sich auf Mittelklasse und Premium (22 und 22 von 51); Österreich und Japan liegen mit 6 und 5 Gins überwiegend im Premiumsegment, als Tendenz.

Alle Zahlen im Überblick

Preisklasse Gins Ø Bewertung ab 4,5 Sterne bis 3,5 Sterne Ø Alkohol
Einstiegsklasse 41 3,5 5 % 71 % 40,0 %
Mittelklasse 83 3,8 8 % 34 % 42,5 %
Premium 91 4,1 31 % 9 % 43,6 %
Super-Premium 6 4,3 67 % 17 % 44,4 %
Alle Gins 221 3,9 19 % 30 % 42,5 %

Was macht Gin teuer?

Ein belegter Posten ist die Steuer: Nach § 2 Alkoholsteuergesetz beträgt der Regelsatz 1.303 Euro je Hektoliter reinen Alkohols, also 13,03 Euro je Liter. Eine 0,7-Liter-Flasche mit 40 % vol. enthält 0,28 Liter reinen Alkohol und trägt damit rund 3,65 Euro Steuer; bei 37,5 % vol. sind es 3,42 Euro, bei 57 % vol. 5,20 Euro. Für bestimmte kleine Brennereien gelten ermäßigte Sätze. Die Steuer wächst mit der Stärke, hängt aber nicht von Marke oder Qualität ab.

Dazu kommen Flasche, Verschluss, Etikett, Abfüllung, Markenaufbau und Marketing. Wie sich der Preis aufteilt, beziffert ein Fachartikel nicht, er hält aber fest, dass Verpackung und Geschmack verschiedene Dinge sind. Bei den Botanicals zählen Menge, Auswahl und Aufbereitung, nicht ihre Anzahl; Iriswurzel etwa wird laut Gin Guild mehrere Jahre getrocknet, bevor sie in den Gin kommt. Mehr dazu in Wie wird Gin hergestellt? und Gin-Botanicals im Detail. Zu Manufaktur und Industrie: „Handcrafted“ und „Small Batch“ sind laut diesem Artikel nicht international definiert. Kleine Chargen verteilen Fixkosten auf weniger Flaschen, in unseren Daten messen lässt sich das nicht. Fassreifung ist ein zusätzlicher Schritt mit Fass und Lagerzeit, den die meisten Gins nicht haben, siehe Barrel-Aged Gin.

Warnung vor dem Kurzschluss „teuer = gut“

Dass Preisklasse und Sterne im Bestand zusammen steigen, hat mehrere mögliche Gründe: Beide sind redaktionelle Einordnungen, und unsere Auswahl ist nicht zufällig. „Premium“ beschreibt eine Marktposition, keinen Geschmack. Und 12 von 41 Gins der Einstiegsklasse haben 4 Sterne oder mehr. Zur unteren Preisspanne siehe Gin bei Discountern.

Beispiele aus den Klassen

Fazit: Preisklasse als Orientierung, nicht als Urteil

Im Bestand ist eine Top-Bewertung im Premiumsegment häufiger als in der Einstiegsklasse, doch auch günstige Gins überzeugen. Wer Gin sucht, orientiert sich besser am Geschmack, etwa mit unserer Auswertung Gin-Geschmack nach Stil und Herkunft, und nutzt die Klasse nur als Rahmen. Wenn du Zahlen zitierst, freuen wir uns über eine Quellenangabe mit Link auf diese Seite.