Gin

Colombo No. 7 Gin

4/5 Redaktionsbewertung
43.1 % vol.Sri Lanka (Rezeptur) / England (Destillation)
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Herstellung des Colombo No. 7 Gin:

Die Geschichte des Colombo No. 7 Gin beginnt 1924, als Carl de Silva Wijeyeratne in Sri Lanka die Rockland Distillery gründete – nach heutigem Kenntnisstand die erste kommerzielle Destillerie des Landes. Ursprünglich auf die Herstellung von Arrack ausgerichtet, wandte sich der Betrieb während des Zweiten Weltkriegs auch der Gin-Produktion zu, nachdem kriegsbedingt unterbrochene Handelsrouten die Einfuhr britischer Gins nach Ceylon erschwerten. Carl de Silva Wijeyeratne entwickelte daraufhin eine eigene Rezeptur, die sich am Vorbild klassischer englischer Gins wie Tanqueray orientierte, jedoch um lokal verfügbare Botanicals wie Curryblätter, Zimtrinde und Ingwer erweitert wurde – Zutaten, die im damaligen Ceylon reichlich vorhanden waren und dem Gin ein unverwechselbar tropisches Element verliehen.

Jahrzehnte später, nach dem verheerenden Tsunami vom Dezember 2004, kehrte Carls Enkel Amal de Silva Wijeyeratne 2005 in das Familienunternehmen zurück, um den durch die Katastrophe stark in Mitleidenschaft gezogenen Betrieb wiederaufzubauen. Bei dieser Gelegenheit stieß er auf die alte Rezeptur seines Großvaters und entschied sich, sie unverändert wiederzubeleben, da er sie bereits für ausgereift und stimmig hielt. Aus politischen und logistischen Erwägungen – unter anderem angesichts der unsicheren Lage im nachkriegszeitlichen Sri Lanka – wird Colombo No. 7 heute nicht mehr auf der Insel selbst, sondern in England destilliert. Der Gin wird mit 43,1 % vol. abgefüllt und enthält neben den klassischen Gin-Botanicals Wacholder, Koriandersamen, Angelikawurzel und Süßholz auch die namensgebenden ceylonesischen Zutaten Curryblätter, Zimtrinde und Ingwer, die dem Gin seine unverkennbar südasiatische Handschrift verleihen.

Verkostung des Colombo No. 7 Gin:

In der Nase begrüßt einen zunächst eine kräftige, fast süßliche Wacholdernote, die von einer hellen, würzigen Frische begleitet wird – eher zitrisch-grün als scharf gewürzt. Am Gaumen dominiert weiterhin der Wacholder, unterlegt von erdiger Süße aus Süßholz und Angelikawurzel; Zimtrinde sorgt für warme Tiefe, ohne dabei aufdringlich zu wirken, während Ingwer und Curryblatt eine fein-aromatische, grünlich-würzige Ebene hinzufügen. Koriandersamen liefert zusätzlich eine nussig-zitrische Note, die den Abgang verlängert. Im Tonic-Wasser entfaltet sich der Gin zunächst mit hellen, an Zitronen-Sorbet erinnernden Noten, bevor Wacholder und Curryblatt für Balance sorgen; Zimt, Curryblatt und Ingwer bilden dabei eine grün-würzige Grundlage, vor der der Wacholder klar hervortreten kann, ohne zu brennen. Diese Kombination aus klassischer Wacholderdominanz und ungewöhnlicher, an südasiatische Küche erinnernder Würze macht Colombo No. 7 zu einem der geschmacklich eigenständigsten Gins seiner Preisklasse.

Steckbrief Colombo No. 7 Gin:

Alkoholgehalt: 43,1 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriandersamen, Angelikawurzel, Süßholz, Zimtrinde, Ingwer, Curryblätter
Hersteller: Rockland Distillery (Rezeptur, Sri Lanka), destilliert in England

Vom Kriegsersatz zum Kult: Die Wiederbelebung einer 70 Jahre alten Rezeptur

Bemerkenswert an Colombo No. 7 ist, dass die heutige Rezeptur nicht neu entwickelt, sondern nahezu unverändert aus den 1940er-Jahren übernommen wurde. Carl de Silva Wijeyeratnes ursprüngliche Idee war pragmatisch: Als der Krieg die Einfuhr britischer Gins nach Ceylon unterbrach, musste ein einheimischer Ersatz her, der dennoch den Ansprüchen an einen klassischen Gin genügte. Die Lösung lag für ihn nicht in einer Kopie, sondern in einer Erweiterung des klassischen Wacholder-Koriander-Gerüsts um lokal verfügbare Gewürze der ceylonesischen Küche. Diese pragmatische Kriegslösung erwies sich über Jahrzehnte als so stimmig, dass sein Enkel Amal bei der Wiederentdeckung der Rezeptur nach dem Tsunami 2004 bewusst darauf verzichtete, etwas zu verändern – ein seltenes Beispiel dafür, wie eine ursprünglich aus der Not geborene Improvisation zu einem eigenständigen, bis heute nachgefragten Gin-Stil werden kann.

Verwendung des Colombo No. 7 Gin

  • Gin & Tonic: Ein klassisches, nicht zu süßes Tonic wie Schweppes Indian Tonic Water lässt die Curryblatt- und Zimtnoten des Gins gut zur Geltung kommen; eine Scheibe Mango oder eine Limettenzeste als Garnitur unterstreicht die tropische Note zusätzlich.
  • Gin Fizz: Die würzige Struktur mit Ingwer und Zimt macht Colombo No. 7 auch zu einer interessanten Basis für einen Gin Fizz, in dem Zitronensaft und Soda die Gewürzwärme angenehm auffrischen.

Colombo No. 7 richtet sich an alle, die einen klassisch wacholderbetonten Gin suchen, dabei aber Lust auf eine ungewöhnliche, geschichtsträchtige Gewürzkomponente haben, wie sie kaum ein anderer Gin bietet. Im Vergleich zu klassischen englischen London-Dry-Gins wie dem Sipsmith London Dry Gin bleibt die Wacholderstruktur ähnlich präsent, wird jedoch um eine deutlich exotischere, an südasiatische Gewürzküche erinnernde Würze ergänzt. Wer die Geschichte hinter dem Glas ebenso schätzt wie den Geschmack, findet in Colombo No. 7 einen Gin mit einer der ungewöhnlichsten Entstehungsgeschichten des gesamten Marktes.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Wacholder4/5
Zitrus2/5
Kräuter/Blumig2/5
Würze5/5

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