Herstellung des Brockmans Premium Gin:
Die Idee zum Brockmans Premium Gin entstand 2006, als die beiden Branchenkenner Neil Everitt und Bob Fowkes – zusammen bringen sie über 60 Jahre Erfahrung in der Getränkeindustrie mit – einen Gin entwickeln wollten, der sich bewusst von der wacholderdominierten Tradition des klassischen London Dry Gin absetzt. 2008 kam der fertige Brockmans schließlich auf den Markt und positionierte sich von Anfang an als "The Properly Improper Gin": ein Gin, der explizit auch Trinkerinnen und Trinkern gefallen soll, die klassischen, harzig-trockenen Gin sonst eher meiden.
Basis ist ein 100 % Getreidedestillat, in dem die Botanicals zunächst 24 Stunden lang mazerieren, bevor sie in einer klassischen Kupferbrennblase langsam redestilliert werden – ein bewusst gemächliches Verfahren, das für ein besonders weiches, rundes Destillat sorgt. Erst nach diesem Brennvorgang kommt das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Brockmans zum Einsatz: Statt die Beerennoten mitzudestillieren, werden dem fertigen Destillat Blaubeer- und Brombeerextrakte kalt zugesetzt ("cold compounded"). Weil die empfindlichen Fruchtaromen so nie der Hitze des Brennvorgangs ausgesetzt werden, bleiben sie im fertigen Gin außergewöhnlich frisch und intensiv erhalten – ein Verfahren, das eher an die Herstellung von Fruchtlikören erinnert als an klassisches Gin-Compounding. Ein Teil der Botanicals, darunter Zitrusschalen, stammt aus der Toskana und der Region Murcia in Südspanien. Verdünnt wird der Brockmans auf trinkfertige 40 % vol.
Verkostung des Brockmans Premium Gin:
In der Nase zeigt sich der Brockmans ungewöhnlich fruchtig für einen Gin: dunkle Beeren, ein Hauch Zitrus und nur dezenter Wacholder im Hintergrund, der hier bewusst zurückgenommen wurde. Am Gaumen ist er weich und samtig, die Beerennoten von Blaubeere und Brombeere dominieren, unterstützt von einer feinen Süße, zarten Kräuternoten aus Koriander und Angelikawurzel sowie einer milden, kaum spürbaren Wacholderwürze. Eine leichte Würze von Cassiarinde und Süßholzwurzel sorgt im Hintergrund für zusätzliche Tiefe, ohne die fruchtige Grundausrichtung zu stören. Der Abgang ist weich, fruchtig und angenehm lang, mit einem letzten Hauch von Mandel, der an die feine Marzipannote mancher Fruchtliköre erinnert.
Steckbrief Brockmans Premium Gin:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Cassiarinde, Süßholzwurzel, Orriswurzel, Mandeln, Zitrusschalen, Blaubeer-Extrakt, Brombeer-Extrakt
Hersteller: Brockmans Gin Company, England (Neil Everitt & Bob Fowkes)
Herstellung im Detail: Kalte Fruchtzugabe statt Mazeration
Anders als etwa klassischer Sloe Gin, bei dem ganze Früchte über Wochen in fertigem Gin mazerieren (siehe Hayman's Sloe Gin), setzt Brockmans auf konzentrierte Blaubeer- und Brombeerextrakte, die dem bereits fertig destillierten und verdünnten Gin direkt zugesetzt werden. Dieses "Cold Compounding" ist deutlich schneller als eine mehrwöchige Mazeration und erlaubt eine sehr präzise, reproduzierbare Dosierung der Fruchtaromen von Charge zu Charge. Der Verzicht auf eine erneute Erhitzung der Früchte bewahrt zudem deren natürliche Frische, während gleichzeitig die klassischen Gin-Botanicals – Wacholder, Koriander, Angelika – ganz konventionell mitdestilliert werden und dem Brockmans trotz seiner fruchtigen Ausrichtung ein gewisses strukturelles Rückgrat verleihen.
Verwendung des Brockmans Premium Gin
- Gin & Tonic: Der Brockmans passt hervorragend zu einem milden, wenig bitteren Tonic wie Fever-Tree Mediterranean Tonic Water, garniert mit einigen frischen Blaubeeren statt der klassischen Zitrusgarnitur. Auch East Imperial Grapefruit Tonic Water funktioniert gut, da seine leichte Bitterkeit einen spannenden Kontrast zur Beerensüße bildet.
- Cosmopolitan-Variationen: Dank seiner fruchtig-beerigen Struktur eignet sich der Brockmans auch hervorragend als ungewöhnliche Gin-Basis für fruchtbetonte Cocktails wie eine Gin-Variante des Cosmopolitan.
- Pur oder auf Eis: Explizit als "Gin, der gut genug ist, um pur auf Eis getrunken zu werden" konzipiert, zeigt der Brockmans gerade ohne Tonic seine samtige Textur und die feine Balance zwischen Frucht und dezenter Würze.
Der Brockmans richtet sich damit an alle, die Gin eigentlich für zu harzig-trocken halten, aber trotzdem die Komplexität einer handwerklich hergestellten Spirituose schätzen. Im Vergleich zu anderen fruchtbetonten New-Western-Gins, die ihre Aromen meist über Mazeration oder gemeinsame Destillation mit den Früchten gewinnen, geht der Brockmans mit seinem nachträglichen Cold-Compounding einen technisch eigenständigen Weg, der ihm eine ungewöhnlich klare, fast parfümierte Fruchtnote verleiht – ein Gin für alle, die dunkle Beeren mehr schätzen als Nadelholz und Harz.
Auch optisch hebt sich die Marke bewusst ab: Die dunkelblaue Flasche mit dem klar abgesetzten, modernen Etikett transportiert die "Properly Improper"-Positionierung schon vor dem ersten Schluck und grenzt den Brockmans klar von den eher klassisch-nüchtern gestalteten Flaschen traditioneller London Dry Gins ab. Wer ausgehend vom Brockmans weitere beerenbetonte oder fruchtige Stile entdecken möchte, findet in der wachsenden Riege der New-Western-Dry-Gins zahlreiche verwandte, aber jeweils eigenständig akzentuierte Interpretationen – vom Brockmans lässt sich so ein ganz eigener Einstieg in die fruchtigere Seite der Gin-Welt finden, ohne auf destillatorisches Handwerk zu verzichten. Der Premium-Preis erklärt sich durch das aufwändige Cold-Compounding-Verfahren, das in dieser Form nur wenige Hersteller anwenden. Welche Rolle die einzelnen Aromageber im Gin spielen, beschreibt der Artikel Gin-Botanicals im Detail. Zur Einordnung des Stils lohnt ein Blick auf unseren Artikel New Western Dry Gin erklärt.
Einordnung & Alternativen
- Puerto de Indias Strawberry Gin – ebenfalls fruchtbetont, aber mit direkterer, süßerer Erdbeernote statt dezenter Beerenwürze.
- Williams Chase Seville Orange Gin – fruchtig wie Brockmans, setzt aber auf helle Bitterorange statt auf dunkle Beeren.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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