Herstellung des Chase GB Extra Dry Gin:
Der Chase GB Extra Dry Gin stammt von William Chase, der zuvor mit der Kartoffelchips-Marke Tyrrells bekannt wurde, die er 2008 verkaufte, um sich ganz der Spirituosenherstellung zu widmen. Den Anstoß dazu gab eine Reise in die USA im Jahr 2004, auf der Chase erkannte, dass sich sein überschüssiger Kartoffelertrag auch zu Wodka verarbeiten ließ. Zurück in England baute er eine Scheune auf seiner Chase Farm im Örtchen Preston Wynne in Herefordshire zur Destillerie um und schaffte eine große Brennanlage an. Am 1. April 2008 wurde die erste Kartoffelernte für die Destillerie eingebracht, im Juni desselben Jahres lief die Produktion des Chase Vodka an; noch im selben Jahr erweiterte die Chase Distillery ihr Sortiment um Gin. Finanziert wurde der Aufbau der Destillerie unter anderem mit dem Erlös aus dem Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an Tyrrells für rund 30 Millionen Pfund im selben Jahr 2008 – nachdem Chase bereits 1992 nach einer schlechten Kartoffelernte und hohen Zinsen Privatinsolvenz hatte anmelden müssen und sich danach zunächst über den Kartoffelhandel wieder hochgearbeitet hatte. Kernstück der neuen Destillerie war eine rund 21 Meter hohe Rektifikationskolonne, in der der Kartoffelalkohol bis zu 119-mal umlaufen und so besonders rein destilliert werden kann. Die Besonderheit bis heute: Als Basisspirituose dient nicht wie sonst üblich neutraler Getreidealkohol, sondern ein aus eigens auf der hauseigenen Rosemaund Farm angebauten Kartoffeln gebrannter Grundalkohol — ein aufwendigeres, aber besonders reintöniges Verfahren, das Chase zu einem der wenigen kartoffelbasierten Gins weltweit und zu einer "Single Estate"-Destillerie macht, die vom Anbau bis zur Abfüllung alles in Eigenregie kontrolliert. Bereits 2010 wurde der Chase Vodka bei der San Francisco World Spirits Competition als bester Wodka ausgezeichnet, was der Destillerie und ihrem kartoffelbasierten Verfahren internationale Aufmerksamkeit verschaffte.
Verkostung des Chase GB Extra Dry Gin:
In der Nase zeigt sich der Chase GB klar wacholderbetont, mit einer bemerkenswert reinen, leicht cremigen Textur, die auf die Kartoffelbasis zurückzuführen ist, dazu Zitrus- und Kräuternoten von Angelikawurzel und Orisswurzel. Am Gaumen ist er trocken und geradlinig, Wacholder und Koriander dominieren, unterlegt von einer feinen, samtigen Textur, die deutlich weicher wirkt als bei den meisten getreidebasierten London Dry Gins. Der Abgang ist klar, trocken und angenehm sauber, mit einem langen, unaufdringlichen Nachklang.
Steckbrief Chase GB Extra Dry Gin:
Alkoholgehalt: 40 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Orisswurzel, Zitrusschalen, Kartoffel-Basisdestillat
Hersteller: Chase Distillery Ltd., Preston Wynne, Herefordshire, England
Herstellung im Detail: Warum Kartoffeln statt Getreide
Die meisten Gins der Welt basieren auf einem neutralen Getreidealkohol, meist aus Weizen oder Roggen gebrannt, weil dieser günstig, in großen Mengen verfügbar und geschmacklich sehr neutral ist. Kartoffeln hingegen sind in der Destillation deutlich aufwendiger: Sie liefern pro Tonne weniger Alkohol als Getreide und erfordern speziell angepasste Brennverfahren, um ein sauberes, wenig erdiges Destillat zu erhalten. William Chase entschied sich trotzdem bewusst für diesen Weg, weil er auf seinen Feldern in Herefordshire bereits über einen großen Kartoffelüberschuss verfügte und einen möglichst reintönigen, cremig-weichen Grundcharakter für seine Spirituosen anstrebte. Das Ergebnis ist ein Basisdestillat, das dem fertigen Gin eine spürbar samtigere Textur verleiht als klassischer Getreidealkohol – ein Effekt, den Kenner insbesondere am weichen, fast öligen Mundgefühl des Chase GB festmachen.
Verwendung des Chase GB Extra Dry Gin
- Gin & Tonic: Der Chase GB harmoniert hervorragend mit einem klassischen, trockenen Tonic wie Fever-Tree Premium Indian Tonic Water, garniert mit einer Zitronenzeste — die reine Textur der Kartoffelbasis kommt dabei besonders gut zur Geltung.
- Martini: Wegen seiner außergewöhnlich reinen, samtigen Textur ist der Chase GB auch eine hervorragende Wahl für einen klassischen, trockenen Martini, in dem die weiche Textur der Kartoffelbasis besonders deutlich zum Tragen kommt.
Der Chase GB Extra Dry Gin richtet sich an alle, die einen puristischen, wacholderbetonten Gin schätzen, sich aber gleichzeitig für ungewöhnliche Produktionsverfahren interessieren. Im Vergleich zu klassischen, getreidebasierten London Dry Gins wie Broker's London Dry Gin bleibt der Chase GB geschmacklich ähnlich geradlinig und trocken, unterscheidet sich aber spürbar in der Textur – ein Detail, das sich vor allem beim puren Verkosten oder im Martini bemerkbar macht. Als "Farm-to-Bottle"-Produkt aus einer einzigen englischen Grafschaft steht der Chase GB zudem exemplarisch für die Regionalitätsbewegung, die seit den 2010er-Jahren auch die britische Spirituosenlandschaft prägt. 2021 übernahm der Spirituosenkonzern Diageo die Chase Distillery – ein Beleg dafür, wie sehr sich Williams Chases zweite Gründung nach dem Verkauf von Tyrrells als eigenständige, international anerkannte Marke etabliert hat. Der aufwendige Single-Estate-Anbau und die kostspielige Kartoffeldestillation spiegeln sich auch im Premium-Preisniveau wider, mit dem sich der Chase GB klar von einfachen Einstiegs-Gins abhebt.
Einordnung & Alternativen
- Sipsmith London Dry Gin – ebenfalls englischer Craft-Gin, jedoch mit klassischer Getreidebasis statt der ungewöhnlichen Kartoffel-Textur.
- Cotswolds Dry Gin – ein ähnlich hochwertiger "Farm-to-Bottle"-Ansatz aus einer einzigen englischen Grafschaft.
- Burleighs London Dry Gin – terroir-geprägte Alternative mit wildgesammelten Wald-Botanicals statt der samtigen Kartoffeltextur.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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